Weltkirche hautnah: Schwester Lorena und Schwester Mercy in Würzburg
Mit persönlichen Geschichten bringen zwei mutige Schwestern Hoffnung, Glauben und ihren Einsatz für Menschen in Gefahr weltweit zum Katholikentag nach Würzburg.
Zwei Schwestern, eine gemeinsame Mission
Nach tausenden zurückgelegten Kilometern begegneten sich die beiden langjährigen missio-Partnerinnen erstmals persönlich während des Katholikentags in Würzburg. Mut, Hoffnung und ein tiefer Glaube verbinden Schwester Lorena aus Papua Neuguinea und Schwester Mercy aus Ghana. Und genau das geben sie an die Menschen um sie herum weiter.
Die Eröffnungsfeier des Katholikentages in Würzburg bot ein buntes Programm.
Schwester Mercy und Schwester Lorena hören aufmerksam bei der Eröffnung des Katholikentages 2026 zu.
Schwester Lorena
Seit Jahrzehnten kämpft die 76-jährige Schweizer Ordensfrau Schwester Lorena Jenal für Frauen, die nach Hexereivorwürfen verfolgt, misshandelt und nicht selten getötet werden. Mehr als 450 von ihnen hat sie bereits in Sicherheit gebracht. Mit dem von missio Aachen unterstützten Schutzhaus „House of Hope“ setzt sie ihre Arbeit unbeirrt fort — „solange ich lebe und atme".
Schwester Mercy
In Agbogbloshie, einer der größten Elektroschrott-Deponien der Welt am Rand der ghanaischen Hauptstadt Accra, kämpft Schwester Mercy Benson gegen die Folgen eines globalen Geschäfts, das seinen giftigen Preis vor allem die Ärmsten zahlen lässt. Zwischen Bergen aus Elektroschrott – darunter auch illegal exportierte Altgeräte aus Europa – setzt sich die Ordensfrau und Umweltaktivistin für die Menschen ein, darunter viele Kinder, die hier leben und arbeiten.
Vor den Engelsflügeln
Beim 104. Deutschen Katholikentag forderte missio gemeinsam mit Schwester Mercy und verschiedenen katholischen Verbänden ein gesetzliches Pfandsystem für Handys in Deutschland. Ziel ist es, die Rückgabe und das Recycling alter Handys zu verbessern und so zu verhindern, dass Elektroschrott illegal nach Westafrika exportiert wird.
Herr Dr. von Fürstenberg, Schwester Mercy, Gundula Gause und Pfarrer Bingener präsentieren das Recyclingkreuz vor den Engelsflügeln.
„Manche von uns halten dort keine Stunde aus, weil dieser Ort so furchtbar ist. Und doch leben die Menschen dort – von morgens bis abends, Tag für Tag. Sie arbeiten dort, sie schlafen dort. Jedes Mal, wenn Sie Ihr altes Mobiltelefon abgeben, helfen Sie uns.“
Schwester Mercy
Schülergruppe
Eine Schülergruppe aus Niedersachsen startete eine Sammelaktion und konnte innerhalb von vier Wochen 130 alte Mobiltelefone sammeln. Die Geräte brachten die Jugendlichen zum Katholikentag in Würzburg, um sie der missio-Handyspendenaktion zu übergeben.
„Das ist so eine Sache, da kann jeder was machen, ganz schnell, ohne viel Zeit zu investieren. Man tut etwas für die Nachhaltigkeit und geht mit einem guten Gefühl nach Hause“, sagte Lehrerin Elke Strüwing
Podiumsdiskussion
Die dramatische Situation in Agbogbloshie sowie die Frage nach besseren Recyclingstrukturen in Deutschland standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion mit Fernsehjournalistin Gundula Gause, missio-Vizepräsident Dr. Gregor von Fürstenberg, Telekom-Manager Patrick Marscholl und Matthias Pieper vom Zukunftshaus Würzburg.
Rund 400 Besucherinnen und Besucher kamen, um über die globalen Folgen des digitalen Konsums und mögliche Wege zu mehr Nachhaltigkeit zu diskutieren.
„Man kommt nach Agbogbloshie und entdeckt dort tatsächlich die Vorhölle. Laudato si’ erinnert uns daran, dass es an uns ist, Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen“, sagte Gundula Gause, die sich seit 25 Jahren ehrenamtlich bei missio engagiert.
Schwester Mercy und Gundula Gause halten ein Bild von einem Jungen, der auf der Elektroschrotthalde in Agbogbloshie verstorben ist.
Schwester Mercy berichtet beeindruckend von der dramatischen Situation in Agbogbloshie
Museum Kulturspeicher
Im Museum Kulturspeicher sprach Schwester Lorena mit rund 50 Interessierten über ihre Arbeit in Papua-Neuguinea. Dabei machte sie deutlich, wie wichtig Aufklärung über Hexereivorwürfe und die damit verbundene Gewalt ist – ein Thema, das bis heute vielerorts bittere Realität bleibt und dringend beendet werden muss.
Während des Treffens wurde zudem ein von missio mithilfe Künstlicher Intelligenz erstelltes Porträt präsentiert, das zeigt, wie die Ordensfrau Maria Renata Singer (1680 – 1749) ausgesehen haben könnte. Die deutsche Ordensfrau, einst Subpriorin des Klosters Unterzell, gilt als eines der letzten Opfer der Hexenverfolgungen im Hochstift Würzburg. Pfarrer Dirk Bingener überreichte das Bild anschließend an die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Henrike Holsing.
Während des Katholikentags betrachtet Schwester Lorena im Museum Kulturspeicher Würzburg das Werk „Ashes: Würzburg Oberzell: hexenbruch“ von Herman de Vries. Der Künstler sammelte dafür Asche an dem Ort, an dem Maria Renata Singer im 18. Jahrhundert als eines der letzten Opfer der Würzburger Hexenverfolgung verbrannt wurde und rieb sie mit den Händen in Papier ein.
Stadtrundgang mit Schwester Lorena
Mit einem solchen Andrang hatte niemand gerechnet: Statt der erwarteten 30 Personen nahmen rund 100 Menschen am eineinhalbstündigen Stadtrundgang zur Geschichte der Hexenverfolgung in Würzburg teil.
Gemeinsam mit Schwester Lorena, dem Historiker Dr. Werner Tschacher und einem Stadtführer erfuhren die Teilnehmenden mehr über die historischen Hintergründe und die erschreckenden Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in Papua-Neuguinea.
Während der Stadtführung suchten immer wieder Menschen das Gespräch mit Schwester Lorena. Sie nahm ihre Hände und sprach mit ihnen über ihre Mission in Papua-Neuguinea.
Schwester Lorena erzählt über ein Bild, welches sie und die wehrlose Mutter namens Christina Pakuma zeigt, die im August 2012 als angebliche Hexe über mehrere Tage gefoltert wurde.
Der Stadtführer zeigt ein KI Bild von einer Nonne.
Gemeinsam im Gottesdienst: Schwester Mercy mit dem Recycling-Kreuz
Gemeinsam besuchten Schwester Lorena und Schwester Mercy die Eucharistiefeier der weltkirchlichen Hilfswerke im St.-Kilian-Dom. Aufmerksam verfolgten sie den Gottesdienst, sangen mit und schöpften neue Kraft für ihre Arbeit. Schwester Mercy sprach eine Fürbitte, das Recycling-Kreuz in der Hand.
„Sie rettet Menschenleben in Papua-Neuguinea, und wir bewahren Menschen in Ghana mit Recyclingprojekten vor Armut und geben ihnen Hoffnung auf eine bessere Zukunft“, sagte Schwester Mercy. „Wir sind einfach zusammengekommen und sofort entstand eine starke Verbindung.“
Neue, inspirierende Begegnungen mit Schwester Lorena aus Papua-Neuguinea während des Katholikentags in Würzburg
Schwester Mercy sprach eine Fürbitte während des Abschlussgottesdienstes. Das Recycling-Kreuz in der Hand.
Lesen Sie hier einen persönlichen Bericht zum Stadtrundgang mit Sr. Lorena in Würzburg:
„Schwester Lorena erinnert an Frauen, die noch immer als sogenannte Hexen sterben müssen“