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Mulugeta Woldeyesus Haiybano

Mit den Augen der Flüchtlinge sehen

Von Franz Jussen

Rund 900.000 registrierte Flüchtlinge leben in Äthiopien. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Für die Hilfsorganisationen gibt es täglich neue Herausforderungen. Mulugeta Haiybano, 39, hat den Überblick: Seit 2017 leitet er den Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) in Äthiopien. Er koordiniert Projekte, organisiert den Personaleinsatz, pflegt Beziehungen zu staatlichen Behörden und sorgt für schnelles Handeln, wenn es die Situation erfordert.

Im vergangenen Jahr etwa hat er in Addis Abeba ein Kinderschutzzentrum des JRS eingeweiht, das eine Betreuung für unbegleitete Flüchtlingskinder bietet. Die Mitarbeiter des JRS sind aber ebenso in den riesigen Flüchtlingscamps entlang der äthiopischen Grenzen präsent. „Wir können und wollen mit den großen internationalen Hilfsorganisationen nicht mithalten“, räumt der JRS-Direktor ein, und erklärt, wie er das meint: „Wir sind nicht nur für die Flüchtlinge da, wir leben mit ihnen!“

Den Flüchtlingen Weggefährte, Freund und Fürsprecher zu sein, das sei die dreifache Mission des JRS. „Wir wollen den gleichen Weg gehen, fühlen, was sie fühlen, die Welt durch ihre Augen sehen.“ Der materielle Beitrag des JRS sei bescheiden, meint Haiybano: „Aber wir heilen die Wunden der Menschen, die durch Krieg und Verfolgung traumatisiert sind. Unsere Arbeit wird langfristig ihre Wirkung zeigen.“

Wir sind nicht nur für
die Flüchtlinge da,
wir leben mit ihnen.
Mulugeta Woldeyesus Haiybano

Das Leben in Camps entmenschliche und demütige Flüchtlinge, sagt Haiybano. Das Getrenntsein von der Familie und die ganze Hoffnungslosigkeit sei eine fast unerträgliche Belastung. Einige suchten ihr Glück in Drogen, andere wagten aus Verzweiflung die lebensgefährliche Flucht nach Europa. Der JRS biete erzieherische, psychosoziale und pastorale Hilfe, bilde Gemeinschaft, etwa beim Sport, Theater oder Musik.

Mit diesen Aktivitäten werde die Last der Flüchtlinge etwas erleichtert, beschreibt Haiybano. „Auch in solchen Momenten glauben wir, dass Gott in unserer Mitte ist und die Entwurzelten beschützt.“ Nicht ohne Stolz verweist der Direktor auf die „Politik der offenen Tür“ für die Flüchtlinge, die in Äthiopien stranden. Dabei sei das Land bettelarm. „Äthiopien sollte Ländern, die ihre Grenzen schließen, ein Beispiel sein.“

Mulugeta Woldeyesus Haiybano

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Mulugeta Woldeyesus Haiybano

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