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Schwester Annie Enchenatil

Einsatz gegen den Menschenhandel auf den Teeplantagen

Tee aus Assam ist weltbekannt. Doch auf den Plantagen im Nordosten Indiens wird nicht nur mit Tee gehandelt. Menschenhändler nutzen die verzweifelte Lage vieler armer Adivasi-Familien aus. So werden die Völker genannt, die seit Generationen in den Teegärten als Teearbeiter leben und arbeiten. Die Schlepper täuschen die Eltern, verschleppen die Kinder. Das will Schwester Annie Enchenatil nicht hinnehmen. Die 65-jährige Salesianerin leitet seit zehn Jahren das Auxilium Reach Out, eine Initiative ihres Ordens, die sich besonders gegen den Menschenhandel auf den Plantagen richtet. „Armut und Menschenhandel machen aus Gottes Kindern Sklaven“, sagt Schwester Annie. „All unsere Aktivitäten richten sich gegen dieses Übel.“

Die Ordensfrau stammt eigentlich aus Kerala. Doch ihr halbes Leben hat sie in Nordostindien verbracht. Acht Jahre hat die ausgebildete Krankenschwester als „Touring Sister“ bei den Garo, einer indigenen Volksgruppe in Meghalaya, Menschen seelsorgerisch und medizinisch betreut. Später arbeitete sie als Sozialarbeiterin, Lehrerin und sogar zwei Jahre als Krankenschwester in Syrien.

Armut und Menschenhandel machen aus Gottes Kindern Sklaven. All unsere Aktivitäten richten sich gegen dieses Übel.

Schwester Annie Enchenatil

Seit 2016 widmet sich Schwester Annie schwerpunktmäßig dem Kampf gegen Menschenhandel. Ziel ist es, 30 gefährdete Dorfgemeinschaften bis 2020 so zu sensibilisieren, dass Menschenhändler keine Chance mehr haben. Besondere Hoffnung setzt Schwester Annie dabei in die Adivasi-Jugendlichen. Mithilfe von missio haben die Schwestern in den Dörfern jugendliche Multiplikatorengruppen gegründet, denen sie christliche Werte vermitteln, Berufsberatung anbieten und über die Gefahren von Drogenkonsum und Menschenhandel aufklären. Sie ermutigen die Jugendlichen, sich in ihrem Umfeld zu engagieren, um ihr Wissen unter Gleichaltrigen zu verbreiten, und nutzen dazu auch Straßentheater.

Außerdem haben die Salesianerinnen 65 Selbsthilfegruppen gegründet, in denen sie Teepflückerinnen lesen, schreiben und rechnen beibringen. „Jetzt sind sie in der Lage, für sich zu sprechen. Sie kennen ihre Rechte und haben den Mut, sie einzufordern“, erzählt Schwester Annie stolz. Schwester Annie ist davon überzeugt, dass ein Weg, den Menschenhandel zu bekämpfen, darin besteht, die Menschen zu befähigen, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen.

Bettina Tiburzy

Tee trinken und handeln

In Assam liegen Hunderte Teeplantagen. Sie bilden das größte zusammenhängende Anbaugebiet für Tee weltweit. Der Schwarztee aus Assam ist international beliebt. Doch vom Schicksal der Menschen, die ihn ernten, wissen die meisten Teetrinker nichts.

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Gast im Monat der Weltmission 2019