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Tee trinken und handeln

Eine schöne Tasse Tee ist für viele Menschen der Inbegriff von Entspannung und Genuss. Dass aber hinter der gemütlichen Tasse Tee am Nachmittag oftmals Armut und Benachteiligung stecken, bleibt hierzulande meist verborgen. Die Arbeiterinnen müssen den Tee unter menschenverachtenden Bedingungen pflücken: Akkordarbeit statt Entschleunigung, Hungerlöhne statt Genuss!

Wir laden Sie ein, in Solidarität mit den Menschen in Nordostindien mehr über Tee zu entdecken – sowohl über den Zauber als auch über die bitteren Seiten.

Bitterer Tee

Sattes Grün, wohin das Auge reicht. Langsam bewegen sich zwei Frauen durch ein Meer von Teebüschen. Flink zupfen ihre Finger die Blätter. Alle paar Sekunden verschwindet eine Handvoll in den Körben auf ihrem Rücken. Die Sonne sticht. Die Frauen pflücken weiter, immer weiter. Stundenlang.

In Assam liegen Hunderte Teeplantagen. Sie bilden das größte zusammenhängende Anbaugebiet für Tee weltweit. Der Schwarztee aus Assam ist international beliebt. Doch vom Schicksal der Menschen, die ihn ernten, wissen die meisten Teetrinker nichts.

Seit Generationen leben die Adivasi in Abhängigkeit von den Besitzern der Plantagen. Als Tagelöhner verdienen sie meist nur einen Hungerlohn. Oft wohnen sie in baufälligen Häusern, die den Teegärtenbesitzern gehören. Viele sind verschuldet. Alkoholismus ist weit verbreitet. Menschenhändler haben leichtes Spiel. Sie nutzen die Unwissenheit verzweifelter Familien aus.

 

Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Die Teepflückerinnen in Assam leben und arbeiten seit Generationen in den Teegplantagen.
Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Straßentheater mit Jugendlichen: Die Salesianerinnen klären in den Teeplantagen über die Gefahren des Menschenhandels auf.

Gegen Menschenhandel

Schwester Annie Enchenatil will das nicht hinnehmen. Mit jungen Adivasi hat sie ein Straßentheaterstück eingeübt, das vor den Gefahren des Menschenhandels warnt. Außerdem organisiert die Salesianerin Selbsthilfegruppen für Frauen, lehrt sie lesen und schreiben. In ihrem Zentrum können die Frauen schneidern lernen. Und die Ordensfrauen bieten jungen Menschen die Möglichkeit, mehr über die eigene christliche Religion zu erfahren.

Besondere Hoffnung, langfristig positive Veränderungen zu bewirken, setzt Schwester Annie » in die Jugend: „Wir wollen die Jugendlichen fördern, ihr Selbstvertrauen stärken. Sie zu Führungspersönlichkeiten in ihrer Kirchengemeinde und in den Gemeinschaften machen.“

 

Armut und Menschenhandel machen aus Gottes Kindern Sklaven. All unsere Aktivitäten richten sich gegen dieses Übel.

Schwester Annie Enchenatil

Eine der Hoffnungsträgerinnen ist Santhi Topno. Zu gerne hätte die 24-Jährige eine Ausbildung als Krankenschwester begonnen. Santhi lebt mit ihrer verwitweten Mutter und zwei Brüdern auf der Teeplantage. Doch für die Ausbildung ist kein Geld da. Als Tagelöhner in den Teegärten verdient ihre Familie nicht genug. Immerhin konnte Santhi in Schwester Annies Zentrum schneidern lernen. Jetzt plant sie, eine Maschine zum Besticken von Stoffen zu kaufen und auf der Teeplantage ein kleines Geschäft zu eröffnen.

Santhis Traum

Doch nicht nur das Schneidern hat die junge Frau gelernt. Sie berichtet, dass sie durch das Programm zu einer wertvollen Erkenntnis gelangt sei: „Scheitern ist nur der hat mir viel Mut gemacht.“ Vielleicht wird Santhi eines Tages ja doch ihren Traum verwirklichen und als Krankenschwester arbeiten.

Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Vom Teehandel profitieren die Menschen, die in der Produktionskette die härteste Arbeit leisten, am wenigsten. Die Löhne für die Knochenarbeit sind extrem niedrig.
Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Schwester Annie Enchenatil kämpft gegen den Menschenhandel auf den Teeplantagen in Assam.

Kleine Geschichte des Tees

China gilt als Mutterland des Tees. Dort entwickelt sich die Teekultur über einen Zeitraum von 5000 Jahren. Die Europäer entdecken den Tee erst Anfang des 17. Jahrhunderts für sich – zunächst als Statussymbol für Adel und Oberschicht.

In Indien wird Tee erst seit rund 180 Jahren angebaut. Es sind die Briten, die in ihrer Kronkolonie die ersten Plantagen anlegen, denn der in Großbritannien sehr beliebte Tee ist so teuer, dass die Kolonialmacht nach alternativen Anbaugebieten sucht.

1823 entdeckt der Schotte Robert Bruce in Assams Regenwäldern eine einheimische Teepflanze. Der Beweis ist erbracht: In Nordostindien wächst Tee. Die Briten beginnen, Teeplantagen anzulegen. Die ersten zwölf Kisten Assam-Tee werden 1839 in einem Londoner Auktionshaus versteigert.

Heute ist Indien nach China der größte Teeproduzent der Welt.

Rezept Masala Chai

Foto: WWS

Zutaten

Für vier Personen:

650 ml Wasser

400 ml Vollmilch (alternativ Büffelmilch)

5 grüne Kardamomkapseln

6 Gewürznelken

2 Sternanis (oder 1 TL Anis)

1 Zimtstange

1 Stück Ingwer, frisch, in Scheiben gehackt

1 gehäufter EL schwarzer Assamtee

3 – 4 EL Zucker, Ahornsirup oder Honig (nach Belieben)

Zubereitung:

1. Alle Gewürze bis auf den Ingwer im Mörser fein zerstoßen.

2. Die Gewürze mit Ingwer und Tee in einem Topf bei mittlerer Hitze anrösten, bis sie duften. Vorsicht, dass nichts anbrennt!

3. Mit Wasser aufgießen und aufkochen lassen. Dann die Tempe­ratur reduzieren und unter ständigem Rühren köcheln lassen.

4. Milch hinzugeben sowie Zucker, Ahornsirup oder Honig nach Belieben zum Süßen. Weitere 3 Minuten köcheln lassen. Den Masala- Chai-Tee dann durch ein Sieb in eine Kanne gießen. Aus etwa 30 cm in die Becher gießen, dann bildet sich etwas Schaum auf der Oberfläche.

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