Täglich fährt Pfarrer Dominico in abgelegene Flüchtlingslager an der Grenze zwischen Thailand und Myanmar. Die Camps liegen tief im Dschungel, sind nur über schwer passierbare Straßen erreichbar. Hier leben tausende Geflüchtete aus Myanmar in provisorischen Unterkünften aus Bambus. Heute besucht der Priester die Familie von Anne Zin (Name geändert), die erst vor wenigen Tagen der Gewalt des Militärregimes entkommen ist. Kampfjets hatten ihr Dorf bombardiert. Es blieb ihnen nur die Flucht. Jetzt sitzen sie erschöpft im Schatten auf einer Matte. Die Kinder sind verstört, schweigen, starren ins Leere. Pfarrer Dominico hockt sich zu ihnen, hört zu, fragt vorsichtig nach. „Jetzt seid ihr in Sicherheit“, sagt er leise und versucht zu trösten. „Hier gibt es keine Bomben mehr.“
Seit 16 Jahren begleitet Pfarrer Dominico geflüchtete Menschen in den Lagern Ban Mai Nai Soi und Ban Mae Surin in Thailand, in denen zusammen rund 13.000 Menschen leben. Die meisten gehören zur ethnischen Gruppe der Karenni, zu der auch der 49-Jährige gehört. Sein Bischof schickte ihn in die Lager, wo er heute eng mit dem Jesuitenflüchtlingsdienst (JRS) zusammenarbeitet. Er stammt aus dem Bistum Loikaw, genau wie Anne Zin und ihre Kinder.
Ich kann mit den Menschen beten, ihren Schmerz mittragen
und ihnen zur Seite stehen.
- Pfarrer Dominico
Der JRS leistet mit Unterstützung von missio Nothilfe, psychosoziale Betreuung und Bildung, auch mit Hilfe von missio. Gemeinsam mit der Karenni-Bildungsbehörde hat der JRS Schulen in den Lagern aufgebaut. In den Schulen wird in der Sprache der Geflüchteten unterrichtet. Thai ist nicht erlaubt. Integration ist in Thailand politisch nicht erwünscht.
Als Anfang 2025 amerikanische Hilfe plötzlich wegfiel, Krankenstationen schlossen und Nahrung knapp wurde, war Pfarrer Dominico weiter da. „Sie hatten Angst um ihre Familien und die Zukunft ihrer Kinder“, erzählt er. Auch für ihn war das eine schwere Zeit. „Ich kann den Menschen nichts versprechen. Das würde nur falsche Hoffnungen wecken“, sagt er. „Aber ich kann mit ihnen beten, ihren Schmerz mittragen und ihnen in Solidarität zur Seite stehen.“ Eine alte Frau sagte ihm einmal: „Allein dass Sie da sind, zeigt mir, dass wir nicht vergessen sind.“ Für Pfarrer Dominico war das der Moment, in dem er wusste: „Mein Platz ist hier.“
Bettina Tiburzy