Ein historisches Plakat mit der Frage "Wer erlöst uns?" und dem Text "Christus das Heil der Welt. Helft den Missionen." Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen in einem emotionalen Moment, die miteinander verbunden sind. Farben sind überwiegend in Schwarz-Weiß mit roten und gelben Akzenten.
Ein historisches Plakat mit der Frage "Wer erlöst uns?" und dem Text "Christus das Heil der Welt. Helft den Missionen." Das Bild zeigt eine Gruppe von Menschen in einem emotionalen Moment, die miteinander verbunden sind. Farben sind überwiegend in Schwarz-Weiß mit roten und gelben Akzenten.
Ein plakativer Entwurf mit einer stilisierten Porträtabbildung einer Person. Der Hintergrund ist in einer kräftigen Farbe gehalten, während das Gesicht in einer anderen Kontrastfarbe erscheint. Über dem Bild steht der Text „DIE WELTMISSION“, darunter „braucht Kräfte aus dem eigenen Volk!“.
Ein plakativer Entwurf mit einer stilisierten Porträtabbildung einer Person. Der Hintergrund ist in einer kräftigen Farbe gehalten, während das Gesicht in einer anderen Kontrastfarbe erscheint. Über dem Bild steht der Text „DIE WELTMISSION“, darunter „braucht Kräfte aus dem eigenen Volk!“.
Ein lächelndes Mädchen mit einem roten Kopftuch und einem blauen Kleid. Im Hintergrund steht der Text "Fremde werden Freunde" und "Sonntag der Weltmission 26. Okt. '80". Das Wort "missio" ist ebenfalls abgebildet.
Ein lächelndes Mädchen mit einem roten Kopftuch und einem blauen Kleid. Im Hintergrund steht der Text "Fremde werden Freunde" und "Sonntag der Weltmission 26. Okt. '80". Das Wort "missio" ist ebenfalls abgebildet.
Ein Junge steht auf trockener, rissiger Erde und hält eine Schüssel in der Hand. Er blickt direkt in die Kamera. Über ihm steht der Text "... und vergib uns unsere Schulden". Unten sind das Datum und das Logo "missio" abgebildet.
Ein Junge steht auf trockener, rissiger Erde und hält eine Schüssel in der Hand. Er blickt direkt in die Kamera. Über ihm steht der Text "... und vergib uns unsere Schulden". Unten sind das Datum und das Logo "missio" abgebildet.
Ein paar Personen, darunter eine Frau, ein Mann und ein Kind, stehen vor einer historischen Burg. Der Text spricht von christlicher Solidarität weltweit und kündigt den Weltmissionssonntag am 22. Oktober 2023 an.
Ein paar Personen, darunter eine Frau, ein Mann und ein Kind, stehen vor einer historischen Burg. Der Text spricht von christlicher Solidarität weltweit und kündigt den Weltmissionssonntag am 22. Oktober 2023 an.
Zwei Frauen in langen Gewändern stehen im seichten Wasser am Strand. Sie lachen und breiten die Arme aus, als ob sie sich freuen. Der Himmel ist klar mit wenigen Wolken, und die Sonne strahlt hell.
Zwei Frauen in langen Gewändern stehen im seichten Wasser am Strand. Sie lachen und breiten die Arme aus, als ob sie sich freuen. Der Himmel ist klar mit wenigen Wolken, und die Sonne strahlt hell.

100 Jahre Weltmissionssonntag

Wer sieht wen?

Hundert Jahre Weltmissionssonntag erzählen nicht nur eine Geschichte der Kirche. Sie zeigen, wie wir auf die Welt geschaut haben und wie schwer es ist, diesen Blick zu verändern.

Die Plakate dieser Ausstellung sind mehr als Kampagnenmotive. Sie zeigen, wer spricht, wer gesehen wird und wer handeln soll.

Frühe Motive sind oft eindeutig: Hier helfen wir. Dort wird Hilfe gebraucht.

Spätere Plakate versuchen, andere Bilder zu finden: Sie sprechen von Begegnung, Partnerschaft und gemeinsamer Verantwortung. Aus einem „für andere“ wird langsam ein „mit anderen“.

Doch jede Zeit findet ihre eigenen Bilder - und übersieht dabei manches.

Frühere Plakate wirken heute oft fremd oder irritierend. Aktuelle Motive achten stärker auf Würde und Augenhöhe, tun sich zugleich schwerer, unmittelbare Handlung auszulösen.

So bleibt bis heute eine offene Frage:
Wie lassen sich Menschen bewegen, ohne andere Menschen kleiner zu machen?

Die Plakate geben darauf keine einfachen Antworten.
Sie zeigen Veränderungen und Widersprüche.

Und sie laden dazu ein, den eigenen Blick mitzudenken:

  • Welche Bilder berühren uns heute noch?
  • Welche stoßen uns ab?
  • Und was sagt das über uns selbst?

1955 - Wer hört die Botschaft?

Die Menschen auf diesem Plakat wirken bedrängt, suchend, schutzbedürftig. Gleichzeitig zeigt das Bild auch Widerstand: Rechts oben hält sich ein Mann die Ohren zu, als wolle er die Botschaft nicht hören.

Das Plakat erzählt Mission als klare Bewegung: Hier sind die, die den rettenden Glauben bringen. Dort sind die, die ihn brauchen oder ablehnen. Gerade diese Eindeutigkeit machte solche Bilder damals wirkungsvoll.

Aus heutiger Sicht entsteht darin eine Spannung. Wer hilft und „die Wahrheit“ bringt, erscheint überlegen. Die anderen bleiben vor allem Empfangende oder diejenigen, die erst noch erreicht werden müssen.

Was passiert, wenn Helfen zugleich bedeutet zu wissen, was richtig ist?

Theologische und zeitgeschichtliche Einordnung

Von PD DDr. Thomas Fornet-Ponse

Dieses Plakat von 1955 drückt deutlich die Kernpunkte des damaligen Missionsverständnisses und der Sorge um das Heil aller Menschen, die Christus noch nicht kennen, aus. Damals ging man noch sehr weitgehend davon aus, dass die Zugehörigkeit zur Kirche mit der Teilhabe am Heil Christi gleichzusetzen sei. Umgekehrt bedeutete dies, dass die Menschen in der Regel getauft werden müssten, um zu diesem Heil gelangen zu können. Dies bezeichnete man mit der „Heilsnotwendigkeit der Taufe“. Der Fokus der Mission lag somit auf dem Gedanken der Erlösung der Menschen vor dem Hintergrund einer eher pessimistischen Sicht auf die Heilsmöglichkeiten des Menschen. Auch wenn daran festgehalten wurde, dass Gott bzw. Christus die Menschen rettet, wurde zumindest die Bekehrung der Menschen als notwendig für diese Rettung erachtet. Um dem allgemeinen Heilswillen Gottes zu entsprechen, müssten also alle Menschen zu ihm bekehrt werden. Damit kamen Angehörige anderer Religionen nicht als Dialogpartner in den Blick, sondern als Menschen, die getauft werden müssen, wenn sie nicht „im Irrtum bleiben“ und daher das Heil verpassen sollen.

1966 - Der erste Perspektivwechsel

1966 beginnt sich etwas zu verschieben. Mission soll nicht mehr nur von außen kommen. Auf dem Plakat blickt uns kein hilfsbedürftiger Mensch entgegen, sondern ein selbstbewusstes Gegenüber.

Der Satz „Die Weltmission braucht Kräfte aus dem eigenen Volk“ markiert einen Bruch mit älteren Missionsvorstellungen. Kirche erscheint nicht länger nur als etwas, das gebracht wird, sondern als etwas, das vor Ort wächst und Verantwortung übernimmt.

Und doch bleibt die Ordnung des Blicks noch deutlich spürbar: Europa spricht weiterhin über die Welt und erklärt, wie Veränderung aussehen soll.

Kann Partnerschaft entstehen, solange eine Seite weiterhin den Blick auf die andere bestimmt?

Theologische und zeitgeschichtliche Einordnung

Von PD DDr. Thomas Fornet-Ponse

Tatsächlich ist das II. Vatikanum von kaum zu überschätzender Bedeutung für die Erneuerung des Missionsverständnisses der römisch-katholischen Kirche. Es unterstrich besonders in seinem Dokument „Ad gentes“, das am 7.12.1965 verabschiedet wurde, das missionarische Wesen der Kirche. Auch die Bedeutung der nichtchristlichen Religionen wurde anerkannt, was das missionarische Bewusstsein vieler Katholiken und Katholikinnen herausforderte. Zudem wurde nun davon gesprochen, dass Gott den Menschen, die ohne Schuld Christus und die Kirche nicht kennen, das Heil nicht verwehren würde.

1980 - Fremde werden Freunde

Dieses Plakat setzt nicht mehr auf Schock oder Mitleid. Stattdessen zeigt es Nähe.

„Fremde werden Freunde“ steht für einen neuen Ton in der Missionskommunikation. Nicht das Helfen steht im Mittelpunkt, sondern die Begegnung. Mission erscheint nun weniger als Bewegung zu anderen, sondern als Beziehung zwischen Menschen.

Damit verändert sich auch das Bild von Verantwortung: weg von Distanz, hin zu gemeinsamer Erfahrung.

Reicht Nähe aus, um Verantwortung entstehen zu lassen?

Theologische und zeitgeschichtliche Einordnung

Von PD DDr. Thomas Fornet-Ponse

Mit einem Bild einer jungen afrikanischen Frau, die selbstbewusst in die Kamera schaut, geht es 1980 darum, Barrieren der Andersheit zu überwinden, und um den Kontakt und die Begegnung mit den Kirchen in Afrika und Asien. Der gemeinsame Glaube an Christus begründet eine Freundschaft, in der es ein gegenseitiges Empfangen und Geben gibt und in der aus Fremden Freunde werden. Diese Freundschaft wird demnach gegenseitig angeboten. 

1999 - Schuld ist nicht nur persönlich

Das Kind wirkt klein verloren in einer rissigen, ausgetrockneten Landschaft. Noch größer als das Bild selbst ist jedoch das Wort „Schulden“.

Das Plakat verbindet eine religiöse Bitte mit einer politischen Forderung. „… und vergib uns unsere Schulden“ erinnert an das Vaterunser und zugleich an die Debatte um internationalen Schuldenerlass Ende der 1990er Jahre.

Mission erscheint hier nicht mehr nur als Hilfe für einzelne Menschen. Der Blick richtet sich auf globale wirtschaftliche Strukturen und auf die Frage, wer Verantwortung für Ungleichheit trägt.

Wann werden aus persönlichen Problemen politische Verantwortung und gemeinsame Schuld?

Theologische und zeitgeschichtliche Einordnung

Von PD DDr. Thomas Fornet-Ponse

Mit der grafischen Gestaltung von „Schulden“ wird die zu vergebende moralische Schuld verbunden mit dem Erlassen finanzieller Schulden, um hochverschuldeten Entwicklungsländern einen Ausweg aus der Schuldenkrise zu ermöglichen. Es zeigt somit einen anderen Aspekt des ganzheitlichen Heils, das im Zentrum des veränderten Missionsverständnisses steht: Den Blick auf ungerechte Strukturen, die das Wohlergehen von Menschen nachhaltig beeinträchtigen.

2023 - Gemeinsam im Bild

Niemand wirkt hier hilfsbedürftig. Die Menschen begegnen uns selbstbewusst, offen und auf Augenhöhe.

Das Plakat vermeidet vieles, was ältere Missionsbilder geprägt hat: keine Dramatisierung, keine klare Trennung zwischen Helfenden und Empfangenden. „Ihr seid das Salz der Erde“ spricht den Menschen Würde und eigene Bedeutung zu.

Genau darin zeigt sich ein großer Wandel der Bildsprache. Mission erscheint nun weniger als Hilfe für andere, sondern als gemeinsame Verantwortung und gelebte Solidarität.

Und doch entsteht eine neue Herausforderung: Bilder, die niemanden verkleinern wollen, wirken oft zurückhaltender. Sie schaffen Nähe – aber nicht automatisch Bewegung.

Wie können Bilder heute noch bewegen, ohne Menschen auf ihre Not zu reduzieren?

Theologische und zeitgeschichtliche Einordnung

Von PD DDr. Thomas Fornet-Ponse

Mit dem Leitwort „Ihr seid das Salz der Erde“ und einem Bild des Abtes Jihad Yousef vor dem Hintergrund von Deir Mar Musa, einem der letzten orientalischen Klöster in der syrischen Wüste, geht es um das tatkräftige Zeugnis von Christinnen und Christen für den spirituellen und innergesellschaftlichen Wiederaufbau und um interreligiösen Dialog und gelebte Toleranz. 

Weiterführende Lektüre

Möchten Sie tiefer in die Entwicklung des Weltmissionssonntags und seines Missionsverständnisses eintauchen? 

 

Den vollständigen Aufsatz von PD DDr. Thomas Fornet-Ponse können Sie hier herunterladen: WMS-Plakate im Wandel der Zeit (PDF, 4 MB)