Seit drei Jahren leitet Bischof Luc Olivier Razafitsimialona das Bistum Tôlagnaro im Süden Madagaskars. Armut und Dürre prägen seine Arbeit – aber auch die Hoffnung der Menschen.
Auf einen Blick
Bischof einer der größten und ärmsten Diözesen Madagaskars
seit drei Jahren leitet er das Bistum Tôlagnaro (Fort Dauphin) im Süden des Landes
Besondere Herausforderungen: Dürre, Wassermangel, Hunger, Armut und weite Entfernungen
Bischof Luc Olivier setzt sich für Bildung, Gesundheit und sauberes Wasser ein - und dafür, dass die Menschen die Hoffnung nicht verlieren.
Der Süden Madagaskars
Madagaskar ist ein Inselstaat im Indischen Ozean vor der Südostküste Afrikas. Der äußerste Süden des Landes zählt zu den trockensten Regionen der Insel. Dürre und Wassermangel bestimmen dort den Alltag vieler Familien. Die Diözese Tôlagnaro (auch Tolanaro oder Fort Dauphin) umfasst die Regionen Androy und Anosy im Süden Madagaskars. Während Androy zu den trockensten Gebieten des Landes zählt, ist Anosy landschaftlich vielfältiger und erhält deutlich mehr Niederschlag.
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Region voller Gegensätze
Die Diözese Tôlagnaro zählt zu den rohstoffreichsten Regionen Madagaskars. Gold, Glimmer, Saphire und Ilmenit – ein Erz zur Gewinnung von Titan – werden hier gefördert. Für Bischof Luc Olivier gehört es zu den größten Herausforderungen seiner Diözese, dass viele Menschen von diesem Reichtum kaum profitieren.
„Die Region ist reich an Bodenschätzen. Diese Ressourcen werden jedoch hauptsächlich von ausländischen Unternehmen – insbesondere chinesischen und kanadischen – ausgebeutet, sodass die lokale Bevölkerung kaum davon profitiert.“
— Bischof Luc Olivier Razafitsimialona, 56
Mica - der schimmernde Rohstoff
Ein Mädchen verarbeitet Mica, auch Glimmer genannt. Es ist eines der wichtigsten Rohstoffe im Süden Madagaskars. Das schimmernde Mineral wird weltweit unter anderem in Kosmetik, Farben, Kunststoffen und elektronischen Bauteilen verwendet.
Viele Familien, die vom Glimmerabbau und seiner Weiterverarbeitung leben, verdienen so wenig, dass ihr Einkommen oft nur für drei Tassen Reis am Tag reicht.
Beim Waschen wird der Glimmer von Erde und Sand befreit. Anschließend wird das Mineral nach Qualität sortiert und für den Verkauf vorbereitet.
Obwohl der Glimmer in Madagaskar gefördert wird, entsteht der größte Teil der Wertschöpfung erst im Ausland. Ein Großteil des Rohstoffs wird nach China exportiert, dort weiterverarbeitet und anschließend weltweit vermarktet.
Wasser holen
Wasser ist eine der größten Herausforderungen in der Diözese von Bischof Luc Olivier. Viele Kinder sind täglich stundenlang unterwegs, um Wasser für ihre Familien zu holen.
Vor allem die Region Androy im äußersten Süden der Diözese leidet unter anhaltender Dürre und chronischem Wassermangel. Für viele Familien bedeutet das lange Wege zu den wenigen Wasserstellen, Ernteausfälle und Hunger.
Abhängigkeit von Holzkohle
Holzkohle ist für viele Familien die wichtigste Energiequelle zum Kochen.
Doch für ihre Herstellung werden Wälder abgeholzt – mit gravierenden Folgen für Natur und Klima.
Den Menschen nahe sein
Die Diözese Tôlagnaro gehört zu den größten Madagaskars. Viele Gemeinden liegen weit voneinander entfernt und sind nur über schlechte Straßen oder zu Fuß erreichbar. Dennoch ist Bischof Luc Olivier regelmäßig unterwegs.
Er besucht regelmäßig die Pfarreien und nimmt sich Zeit für Gespräche mit den Menschen.
Firmung in der Kathedrale von Tôlagnaro: Tanz und Musik gehören in Madagaskar selbstverständlich zur Liturgie und machen den Gottesdienst zu einem lebendigen Glaubensfest.
Gemeinsam Zukunft gestalten
Die Kirche unterstützt Schulen, Gesundheitsstationen und Zentren für Tuberkulose- und Leprakranke. Sie bildet Katechisten aus, begleitet Familien und setzt sich für den Zugang zu sauberem Wasser ein. Gerade in abgelegenen Regionen übernehmen Priester, Ordensschwestern und ehrenamtliche Mitarbeiter Aufgaben, die weit über die Seelsorge hinausgehen.
Immer wiederkehrende Dürren führen im Süden Madagaskars zu schweren Hungersnöten. Gemeinsam mit den Pfarreien und Ordensgemeinschaften organisiert die Kirche deshalb Lebensmittelhilfen und verteilt warme Mahlzeiten – besonders an Kinder und besonders betroffene Familien.
Blick nach vorn
Trotz aller Herausforderungen erlebt Bischof Luc Olivier jeden Tag, wie viel Hoffnung in den Menschen seiner Diözese steckt. Kinder und Jugendliche blicken mit Zuversicht in die Zukunft, Familien halten zusammen und der Glaube gibt vielen Menschen Halt. Diese Hoffnung und dieser Zusammenhalt schenken auch ihm Kraft für seinen Dienst.
„‚Sei mutig und stark! Hab keine Angst und verzweifle nicht.‘ (vgl. Jos 1,9) Für mich bedeutet dieses Bibelwort: nicht aufgeben. Der wahre Mut kommt von Christus selbst. Er gibt Kraft, Hoffnung und Freude – selbst in schwierigen Zeiten.“
— Bischof Luc Olivier Razafitsimialona
Für Bischof Luc Olivier ist die Diözese Tôlagnaro ein Ort der Herausforderungen – aber vor allem ein Ort, an dem Hoffnung wachsen kann. Dafür setzt er sich jeden Tag ein.
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