Ein Medikament aus einer Heilpflanze, Hoffnung für viele Menschen und neue Perspektiven für junge Frauen. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Ordensfrau.
Auf einen Blick
Chemieprofessorin und Ordensfrau
die einzige Ordensschwester Madagaskars mit naturwissenschaftlicher Professur
Lehrauftrag an der staatlichen Universität Fianarantsoa
Entwicklung eines Medikaments gegen Hepatitis A, B und C aus einer heimischen Heilpflanze
Einsatz für Bildung und Zukunftschancen junger Mädchen und Frauen
Madagaskar ist ein Inselstaat im Indischen Ozean vor der Südostküste Afrikas. In Fianarantsoa lehrt und forscht Schwester Claudine an der staatlichen Universität. Mehrere hundert Kilometer weiter nordöstlich, in der Regenwaldregion nahe Moramanga, liegt ihr Agroforstprojekt. Dort wächst auch das Heilkraut, aus dem sie ein Medikament entwickelt hat.
Das Projekt verbindet wissenschaftliche Forschung, nachhaltige Landwirtschaft und den Schutz des Regenwaldes – und schafft neue Perspektiven für die Menschen vor Ort.
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Die Heilpflanze Desmodium adscendens wächst in einigen Regionen Madagaskars wild.
Schwester Claudine konnte zahlreiche Einheimische für die Ernte gewinnen.
Inzwischen beteiligen sich mehr als 100 Familien an der Sammlung.
Allein im Jahr 2026 wurden bislang 10 Tonnen der Pflanze geerntet.
Die Ernte wird zum Labor in der Stadt Fianarantsoa gebracht.
Dort breiten Helferinnen die Pflanzen zum Trocknen aus.
Das von Schwester Claudine entwickelte Medikament Cimopar ist in Madagaskar offiziell zugelassen und wird seit 2014 erfolgreich zur Behandlung viraler Lebererkrankungen wie Hepatitis A, B und C eingesetzt. Es ist dreißig mal günstiger als andere ausländische Medikamente.
2014 wurde Schwester Claudine vom madagassischen Patentamt und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (UN) als beste Erfinderin Madagaskars ausgezeichnet.
Auf der Suche nach der Heilpflanze, aus der später ein Medikament entstand, hatte Schwester Claudine vor ein paar Jahren in der Regenwaldregion nahe Moramanga Land erworben.
Dort wächst das Heilkraut bis heute wild.
Das Gelände entwickelte sie zu einem Agroforstprojekt, das nachhaltige Landwirtschaft, den Schutz des Waldes und den Anbau der Heilpflanze miteinander verbindet.
Vier große internationale Unternehmen wollten das Land, auf dem die Heilpflanze wächste, bereits erwerben – Schwester Claudine sagte jedesmal: “Nein.”
„Die Pflanze ist ein Geschenk Gottes, das den Menschen zugutekommen soll..“ — Schwester Claudine Aimée Rasolohery
Madagaskars mutige Menschen
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Direkt neben dem Agroforstprojekt verläuft eine Fernstraße. Dort halten zahlreiche Lastwagenfahrer, um ihre Fahrzeuge zu waschen.
Rund um diese Rastplätze hat sich Prostitution etabliert – oft der einzige Ausweg für junge Frauen ohne Ausbildung oder Einkommen.
Schwester Claudine sucht den Kontakt zu den Frauen aus der Region. Durch Schulungen, Arbeit im Agroforstprojekt sowie den Anbau und der Ernte von Heil- und Nutzpflanzen eröffnet sie neue Einkommensmöglichkeiten – und schafft Perspektiven jenseits der Fernstraße.
Mit Unterstützung von missio möchte Schwester Claudine ein Ausbildungszentrum für junge Frauen und Mädchen errichten.
Entstehen soll es dort, wo bisher nur eine einfache provisorische Unterkunft für die beiden Schwestern steht, die das Agroforstprojekt vor Ort betreuen.
Das Bauvorhaben würde zugleich die Wohnsituation der Schwestern deutlich verbessern.
Ganz in der Nähe von Schwester Claudines Agroforstprojekt liegt ein Schutzgebiet für Lemuren der Organisation GERP, einer Organisation, die sich für den Schutz der Lemuren und ihrer bedrohten Regenwaldlebensräume einsetzt. Der in Madagaskar bekannte Professor Jonah Ratsimbazafy hat es vor zehn Jahren gegründet.
Professor Jonah Ratsimbazafy (rechts) lernte Schwester Claudine kennen, nachdem er durch ihr Medikament von einer Leberentzündung geheilt worden war. Seine Genesung machte er später in einem Facebook-Beitrag öffentlich. Aus dieser Begegnung entstand der Wunsch, künftig enger zusammenzuarbeiten und den Schutz von Mensch und Natur in der Regenwaldregion gemeinsam voranzubringen.
Die Zukunft
Schwester Françoise Rasoamaharavo (links) soll die Zukunft des Forschungslabors der Kongregation sichern. Nach ihrem Biologiestudium und ersten Erfahrungen im Labor bereitet sie sich nun auf eine Promotion in Lyon zur Erforschung madagassischer Heilpflanzen vor – begleitet von Schwester Claudine und Wissenschaftlern in Frankreich.
Jetzt helfen
Sie können Schwester Claudine bei der wichtigen Forschungsarbeit helfen.