In der Schule von Schwester Marie Jeanne lernen Kinder nicht nur Lesen und Schreiben. Sie lernen auch, wie sie ihre Heimat schützen können. Denn in ihrer Region verschwinden jedes Jahr weitere Waldflächen.
Auf einen Blick
Ordensschwester der Petites Soeurs de Marie Magnificat – engagiert für Bildung, Umwelt und die Förderung von Mädchen und jungen Frauen
Begleitet Kinder und Familien – für Bildung, Hoffnung und eine lebenswerte Zukunft
Schulleiterin mit Herz im Dorf Amparihy – der Name bedeutet „dort, wo es den Teich gibt“
Amparihy liegt 20 Kilometer von Tsiroanomandidy entfernt
Viele Familien in der Region, in der Schwester Marie Jeanne tätig ist, leben in großer Armut. Sie berichtet, dass die meisten Eltern das Schulgeld am Monatsende nicht bezahlen können und bitten um Zahlungsaufschub. Viele Familien bauen Reis an, sodass die Schwestern manchmal Reis als Unterstützung erhalten.
Madagaskars Hochland
Madagaskar ist ein Inselstaat im Indischen Ozean vor der Südostküste Afrikas. Die Region um Tsiroanomandidy im westlichen Hochland Madagaskars ist geprägt von kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Die meisten Familien bauen Reis, Mais, Maniok an oder halten Rinder. Doch Brandrodungen und die Abholzung von Wäldern unter anderem zur Gewinnung von Holzkohle und zur Anlage neuer Felder setzen der Landschaft stark zu. Die Folgen sind Bodenerosion, Wassermangel und sinkende Ernten.
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Vielerorts werden Bäume gefällt. Teilweise legal mit entsprechender Genehmigung, häufig aber auch illegal.
Die Herstellung von Holzkohle ist in Madagaskar weit verbreitet. Für viele Familien ist sie eine wichtige Einnahmequelle.
Das geschlagene Holz wird in eine Grube gelegt.
Der Holzhaufen wird mit Blättern und einer Schicht Erde bedeckt. Dadurch gelangt nur wenig Sauerstoff ins Innere.
Die fertige Holzkohle wird später in Säcke gefüllt und verkauft.
in Madagaskar ist Holzkohle für den Großteil der Bevölkerung die wichtigste Energiequelle zum Kochen. Deshalb ist die Nachfrage sehr hoch. Die dafür notwendige Abholzung trägt stark zum Verlust der Wälder bei.
Die Wälder Madagaskars schrumpfen Jahr für Jahr. Für die Herstellung von Holzkohle werden Bäume gefällt, vielerorts werden Wälder gerodet, um neue Felder anzulegen, und Brandrodungen zerstören jedes Jahr weitere große Flächen der Vegetation. Die Folgen für die Menschen sind gravierend: Ernten gehen zurück, Wasser wird knapper und viele Familien kämpfen täglich ums Überleben.
Genau hier setzt Schwester Marie-Jeanne an. Schon die Jüngsten lernen in ihrer Schule Sainte Marie Lubrini Amparihy, wie wichtig der Schutz der Natur ist. Gemeinsam ziehen sie junge Bäume heran und pflanzen sie.
Der Orden betreibt mehrere Schulen. An ihren Schulen hat die Schwesterngemeinschaft bereits drei große Baumschulen eingerichtet. Das Ziel: jede Schule soll 40.000 junge Setzlinge heranziehen.
Wir vermitteln den Kindern, dass wir gemeinsam mit Gott Verantwortung für seine Schöpfung tragen.
— Schwester Marie-Jeanne Razafiniriana, 48
Bildung ist für Schwester Marie-Jeanne der Schlüssel zu einer besseren Zukunft. Deshalb engagiert sie sich weit über den Unterricht hinaus. Sie begleitet Kinder, Jugendliche und Erwachsene – besonders junge Frauen, die ihre Ausbildung nicht abschließen konnten.
In diesem Schuljahr lernen an der Sainte Marie Lubrini Amparihy 320 Schülerinnen und Schüler.
Das Schulteam besteht aus zwölf Lehrkräften, vier Ordensfrauen und acht säkularen Lehrkräften.
Was die Kinder heute in ihren Händen tragen, sind nicht nur junge Bäume. Es ist die Hoffnung auf eine Zukunft, die sie selbst mitgestalten können. Für Schwester Marie Jeanne beginnt Veränderung genau hier: bei den Kindern, die lernen, Verantwortung für ihre Heimat zu übernehmen.