missio - glauben.leben.geben
Wirkungsbeobachtung und Evaluation

Warum beobachtet missio die Wirkung seiner Projektarbeit?

Um einen effizienten Mitteleinsatz der missio anvertrauten Spendengelder zu gewährleisten und die Projektpartner bei der Planung und Durchführung von Projekten qualifiziert und qualifizierend zu begleiten, sind Wirkungsbeobachtung und Evaluation integrale Bestandteile der missio-Projektarbeit. Diese Überprüfungen stehen in einem engen Kontext mit der jeweils von den Projektpartnern vorgelegten Projektplanung. Wirkungsbeobachtung und Evaluation werden dabei als Mittel betrachtet, um herauszufinden, ob die im Rahmen der Projektförderung anvisierten Ziele der missio-Projektpartner in den Bereichen Ausbildung, Pastoralarbeit, Akuthilfe oder Aufbau von Infrastruktur erreicht werden konnten. Weder die Evaluation noch die Projektplanung selbst dürfen dabei zum Selbstzweck verkümmern.Letztlich zielt kirchliche Evaluation darauf ab, die Arbeit der Kirche in Afrika, Asien und Ozeanien zu optimieren, damit sie ihren Dienst an den Menschen bestmöglich leisten kann. Aus Kostengründen können nicht alle jährlich geförderten missio-Projekte durch externe Dienstleister evaluiert werden. Deshalb sind die missio-Partner angehalten, in ihren schriftlichen Abschlussberichten detaillierte, quantifizierte Auskünfte über die Wirkungen des Projektes zu geben.

Wirkungsbericht 2024

Sierra Leone - Kirche will ein sicherer Ort werden

Die missio-Partnerorganisationen und Kirchen in Afrika, Asien und Ozeanien sind daran interessiert, dass in ihren Einrichtungen sexualisierte Gewalt an Kindern, Ordensfrauen oder „schutzbedürftigen Erwachsenen“ verhindert wird. Deshalb beinhalten Projektverträge mit unseren Partnerinnen und Partnern auch einen Nachweis darüber, ob sie über eine Strategie zu diesem Safeguarding verfügen und sie umsetzen.

2024 hat sich die katholische Kirche in Sierra Leone evaluieren lassen, wie bekannt und wie wirksam ihre Safeguarding-Regelung ist, um Verbesserungspotenzial zu erkennen. Mit dieser unabhängigen Evaluation beauftragten wir Theresa Cooper, selbstständige Beraterin in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone.

Zur katholischen Kirche in Sierra Leone gehören etwa 800.000 Gläubige, rund 14 Prozent der Gesamtbevölkerung, in den vier (Erz-)Diözesen Freetown, Kenema, Makeni und Bo. Die Kirche hat eigene Safeguarding-Regeln in Kraft gesetzt. Für deren Evaluation führte die Evaluatorin Theresa Cooper über 130 Interviews. Zu den Interviewten gehörten alle vier (Erz-)Bischöfe des Landes, zehn Priester, sieben Ordensleute, zehn Leiter und Mitarbeitende kirchlicher Einrichtungen wie der Caritas sowie 100 Gläubige aus den Pfarreien. Ende Januar 2025 wurden die Ergebnisse der Evaluation verschiedenen Vertretern und Vertreterinnen von Kirche und Caritas sowie den kirchlichen Verantwortlichen im Bereich Bildung vorgestellt. An dieser Vorstellung nahmen auch missio-Länderreferent Simon Kuhl und Johanna Streit von der Stabsstelle Safeguarding teil.

Dabei richtete Theresa Cooper den Fokus ihrer Befragungen vor allem auf folgende Zusammenhänge: Wie bekannt sind die eigenen Safeguarding-Regeln, das kirchliche Angebot für entsprechende Trainings und Workshops zur Bewusstseinsbildung? Wie standardisiert, öffentlich bekannt, zugänglich und wirkungsvoll sind die kirchlichen Verfahren gestaltet, in denen sich von sexualisierter Gewalt Betroffene in der Kirche ohne Furcht vor möglichen Repressalien vertrauensvoll melden können? Werden deren Fälle dann auch tatsächlich von den kirchlichen Stellen verfolgt und erhalten die Betroffenen zeitnahe Rückmeldungen? Ob solche Fälle angemessen behandelt werden, bemisst sich für Theresa Cooper auch daran, ob den Betroffenen Glauben geschenkt wird und sie geschützt werden, ob Verfahrensprotokolle geführt und zur Verfügung gestellt werden oder die Anonymität von Hinweisgebern gewahrt bleibt.

Auf Grundlage dieser Befragung entwickelte Theresa Cooper dann neun Vorschläge, wie die vier Bistümer, kirchliche Einrichtungen und Pfarreien in Sierra Leone ihre Arbeit der Prävention und Intervention im Fall sexualisierter Gewalt verbessern können. Im Kern empfiehlt die Evaluatorin, dass die Kirche ihre Safeguarding-Regeln und -Maßnahmen an allen kirchlichen Orten öffentlich stärker bekannt machen und wesentlich mehr Gruppen den Zugang zu Trainings und Workshops ermöglichen muss. Die Verfahren, um Fälle sexualisierter Gewalt im Sinne der Betroffenen zu erkennen und aufzuklären, müssen einheitlicher gestaltet und für alle kirchlichen Hierarchien und Ebenen verbindlich gemacht werden. Insbesondere kirchliche Leitungspersonen sollen Safeguarding als eine wesentliche Führungsaufgabe erkennen und damit für alle Gläubigen Vorbildfunktion übernehmen. Nicht zuletzt sollen die Diözesen und Pfarreien ihre finanziellen Mittel für Safeguarding erhöhen.

Stichwort „Safeguarding“

Safeguarding heißt, alle angemessenen Schritte zu unternehmen, um sexualisierte Gewalt und Missbrauch zu verhindern, Menschen, insbesondere schutzbedürftige Erwachsene und Kinder, vor diesem Schaden zu schützen, und angemessen zu reagieren, wenn ein Schaden eintritt. Die Stabsstelle Safeguarding bei missio Aachen arbeitet zu den Themen Intervention, Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt und Missbrauch. Einen besonderen Fokus legt missio Aachen auf das Problem Missbrauch an Ordensfrauen. Die Stabsstelle Safeguarding berät dabei unter anderem auch die missio-Partnerorganisationen und Ortskirchen in Afrika, Asien und Ozeanien bei der Einführung von Safeguarding-Maßnahmen.

Eine Gruppe von Menschen sitzt in einem Raum an Tischen, während eine Frau spricht. Mehrere Teilnehmer tragen formelle Kleidung, darunter Bischöfe mit Kuppeln. Auf den Tischen stehen Wasserflaschen und Dokumente. Der Raum ist hell und modern gestaltet.
Theresa Cooper (Mitte) stellt der Bischofskonferenz von Sierra Leone die Ergebnisse der Evaluation vor. (2024)
Karte, die einen Teil von Europa, Afrika und Asien zeigt. Die Länder sind farblich hervorgehoben. Der Fokus liegt auf den Grenzen und der geografischen Lage dieser Regionen. Gewässer wie das Rote Meer, das Arabische Meer und der Indische Ozean sind ebenfalls sichtbar.
Das Bild zeigt drei Personen, die fröhlich in einer ländlichen Umgebung posieren. Links steht eine Frau, die ein helles T-Shirt mit einem farbigen Logo trägt und einen Rock. Sie hat ein Headwrap, das in Rot und Weiß gehalten ist, und lächelt freundlich. In der Mitte steht ein junges Mädchen mit einem bunten Oberteil, das aus verschiedenen Farbstreifen besteht, und einem langen, bunten Rock. Sie hat Zöpfe im Haar und zeigt ebenfalls ein Lächeln. Rechts steht ein älterer Mann, der ein helles Hemd und dunkle Hosen trägt. Er hält einen Stock in der rechten Hand und hat eine freundliche Miene. Im Hintergrund sind einfache Lehmhütten und eine trockene Landschaft zu sehen, die die ländliche Kulisse unterstreichen. Die Atmosphäre wirkt warm und einladend, und die drei Personen strahlen Freude und Gemeinschaft aus.

Wie Ihre Spende wirkt