Auszeichnung für engagierte Frauen weltweit
Im Jahr 2022 jährte sich die Gründung der weltweit ersten Missionsvereinigung in Lyon zum 200. Mal: der Société de la propagation de la foi (Gesellschaft zur Glaubensverbreitung). Sie geht maßgeblich auf Pauline Jaricot (1799–1862) zurück, die als visionäre Initiatorin eine Sammelbewegung in Lyon ins Leben rief. Auch die Gründung von missio im Jahr 1832 in Aachen durch Heinrich Hahn ist von ihren Ideen geprägt. Anlässlich der Seligsprechung Pauline Jaricots am 22. Mai 2022 in Lyon schrieb missio erstmals einen nach ihr benannten Preis aus. Dieser ist mit 5.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre verliehen.
Wer wird die Preisträgerin 2026?
Mit dem Pauline-Jaricot-Preis zeichnet missio in diesem Jahr zum dritten Mal eine Frau oder eine Frauengruppe aus, die sich in innovativer Weise um ihre Mitmenschen verdient macht.
Gesucht wird eine Frau in der Weltkirche, die in Afrika, Asien oder Ozeanien wirkt und
- sich für andere Menschen engagiert,
- neue Wege geht,
- gesellschaftliche Veränderungen anstößt,
- ihren Glauben überzeugend lebt.
Schlagen Sie eine Kandidatin für den Pauline-Jaricot-Preis 2026 vor!
Sie kennen eine solche Frau? Mit Ihrem Vorschlag machen Sie das Engagement dieser Frau sichtbar und stärken ihre Arbeit nachhaltig.
Wie geht das?
1. Füllen Sie das Bewerbungsformular (PDF) aus.
2. Beantworten Sie formlos folgende Fragen:
- Beinhaltet das Engagement der Nominierten zukunftsweisende Ansätze für eine menschenzugewandte Kirche?
- Teilt die Nominierte ihren Glauben mit anderen so, dass Menschen ermutigt werden, ihre Potenziale zu entwickeln und dass Gemeinwohl, Lebensqualität und eine gerechte Teilhabe erhalten und gefördert werden?
- Bringt die Nominierte, bringen die Nominierten Menschen zusammen, die aus Nächstenliebe die Welt verändern?
- Ist das Engagement der Nominierten darauf angelegt, dass ihre Mission weitergetragen wird?
- Seit wann stehen Sie mit der/den Nominierten in Beziehung und wie ist es dazu gekommen? Wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus?
3. Schicken Sie Ihre Nominierung bis zum 31. Mai 2026 an missio e.V., Pauline-Jaricot-Preis, Goethestraße 43, 52064 Aachen oder an paulines.schwestern@missio-hilft.de
4. Die Jury sichtet die eingegangenen Vorschläge und wählt die Preisträgerin aus. Sowohl die Vorschlagenden als auch die Preisträgerin werden von missio benachrichtigt.
Die Preisverleihung des Pauline-Jaricot-Preises 2026 findet am 26. September im Rahmen der Eröffnung des Weltmissionsmonats im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt.
Schicken Sie Ihre Vorschläge bis zum 31. Mai 2026.
Die Preisträgerinnen 2024
Mit dem Pauline-Jaricot-Preis 2024 hat missio die aus Burkina Faso stammende Rakieta Poyga ausgezeichnet. Sie setzt sich in ihrer Heimat Burkina Faso gegen Genitalverstümmelung ein. Mit dem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk ehrte missio zudem die Schweizer Ordensschwester Lorana Jenal, die in Papua-Neuguinea gegen den zunehmenden Hexenwahn kämpft. Die feierliche Preisverleihung fand am 13. Oktober 2024 im Kölner Maternushaus statt.
Null Toleranz gegen Genitalverstümmelung
Rakieta Poyga gründet 1998 den Verein „Bangr-Nooma“ – „Es gibt nichts Besseres als Wissen“ und setzt sich mit Nachdruck für die Verbesserung der Rechte und den Schutz von Frauen und Mädchen ein. Ihr Ziel: Kein Mädchen soll mehr beschnitten werden. Die Mitglieder gehen in die Dörfer und klären auf. Die Hauptaufgaben des Vereins sind die Beratung von Gewalt betroffenen Frauen und Mädchen sowie die Suche nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten für Beschneiderinnen.
Rakieta Poyga wird in eine muslimische Familie geboren und besucht christliche Schulen. Sie absolviert ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in der DDR und in West-Berlin und kehrt 1994 nach Burkina Faso zurück, wo sie bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2020 die Buchhaltung der GIZ geleitet hat. Bei der Geburt ihrer ersten Tochter, die lebensbedrohlich verlief, merkt sie, dass sie selbst als Kind beschnitten wurde. 2008 wendet sie sich dem Christentum zu und schließt sich einer Katechumenatsgruppe an. 2024 tritt sie einer marianische Bewegung bei. Sie pflegt ein großes Netzwerk und inspiriert Menschen sich ebenfalls zu engagieren. Dass zeigt sich auch in Bangr-Nooma, wo jüngere Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Mission fortführen.
Künftigen Generationen von Frauen muss dieser verstümmelnde Eingriff erspart bleiben.
Rakieta Poyga
Auszeichnung für ihr Lebenswerk
Die gebürtige Schweizerin Lorena Jenal lebt seit mehr als vier Jahrzehnten auf Papua-Neuguinea. Die Baldegger Franziskanerin kennt die Sitten, Gebräuche und zumindest eine der über 800 Sprachen des Landes. Das kommt ihr im täglichen Einsatz für die Menschen im Hochland von Papua-Neuguinea sehr zugute und spiegelt ihre große Liebe für das Land und seine Menschen wider.
Mit diesem Ehrenpreis würdigt missio Sr. Lorena Jenal OSF für ihre langjährige Arbeit im Hochland von Papua-Neuguinea: als Leiterin des Familienapostolats in der Diözese Mendi, in ihrem Einsatz für Frauen in einer Gesellschaft, die sehr stark von häuslicher Gewalt geprägt ist, als Vermittlerin während der blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Clans im Hochland, wo sie Verwundete beider Seiten an den Straßen auflas und zum Arzt brachte und in ihrem Engagement gegen den in Papua-Neuguinea seit Jahren erstarkenden Hexenwahn.
Die Kirche ergreift Position. Sie stellt sich immer auf die Seite der Armen, der Frauen und der Kinder und verkündet die Botschaft Jesu. Ich versuche das in meiner täglichen Arbeit umzusetzen.
Sr. Lorena Jenal
Die Preisträgerinnen 2022
Die Jury hat 2022 drei gleichberechtigte Preisträgerinnen ausgewählt, da jede Frau auf ihrem Gebiet der sozial-pastoralen Arbeit, der Wissenschaft und des politisch-gesellschaftlichen Einsatzes Außergewöhnliches leistet. Die Sozialarbeiterin Nathalie Dakuo (Burkina Faso), die Theologin Dr. Nontando Hadebe (Südafrika) und die Ordensfrau Schwester Mary John Mananzan OSB (Philippinen) erhielten den mit jeweils 5.000 Euro dotierten Preis in einer Feierstunde am 23. Oktober in Mönchengladbach.
Nathalie Dakuo aus Burkina Faso leitet das „Haus Yorosin“ (Haus der Hoffnung). Sie wollte es nicht länger hinnehmen, dass alleinerziehende und unverheiratete Mütter in ihrer Gesellschaft diskriminiert und angefeindet werden. Sie war überzeugt, dass diese Frauen Hilfe brauchen und sich gegenseitig besser unterstützen können. So baute sie das „Haus Yorosin“ auf.
Die Jury überzeugt ihr Einsatz als Laie im Sinne Pauline Jaricots, die konkrete Hilfe vor Ort leistet. Die Pfarrei Maria Himmelfahrt aus Königstein hat Nathalie Dakuo für den Preis vorgeschlagen.
Schwester Mary John Mananzan, Benediktinerin (OSB), ist Kämpferin für Menschenrechte: Seit über 60 Jahren setzt sie sich auf den Philippinen gegen soziale Ungerechtigkeit und für Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte ein. Beispielsweise mit einer eigenen Fernsehshow erreicht sie Millionen von Menschen. Der Kampf gegen sexuelle Gewalt an Frauen ist ihr ein besonderes Anliegen. Ihr politischer Einsatz hat die missio-Partnerin auch schon oft in persönliche Gefahr gebracht. Wie Pauline Jaricot zu ihrer Zeit nutzt Schwester Mary John Mananzan OSB neue Methoden der Mobilisierung einer Bewegung und der Kommunikation, wie die Jury hervorhebt. Vorgeschlagen für den Preis wurde sie vom Deutschen Komitee des Weltgebetstags der Frauen (Stein).
Dr. Nontando Hadebe koordiniert interreligiöse Bewegung für Geschlechtergerechtigkeit. Sie ist Theologin und Aktivistin im südlichen Afrika. Die gebürtige Simbabwerin arbeitet als internationale Koordinatorin der interreligiösen Bewegung für Geschlechtergerechtigkeit „Side by Side: Faith Movement for gender justice“ und begleitet in der Diözese Johannesburg den Vorbereitungsprozess für die Weltsynode der katholischen Kirche 2023. Während der Corona-Pandemie hat die Preisträgerin mit wöchentlichen Radiosendungen Menschen Mut zugesprochen und sie aus ihrer Einsamkeit geholt. Die Jury beeindruckt, dass Dr. Nontando Hadebe ein ständig wachsendes Netz an Theologinnen aufgebaut hat, um das Thema Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche zu etablieren und dabei zwischen verschieden Positionen und Glaubenstraditionen klug vermittelt. Vorgeschlagen wurde die Preisträgerin durch Dr. Regina Heyder (KDFB) und Dr. Margit Eckholt (Universität Osnabrück).