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PredigtPlus ‒ Predigtvorschläge

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Foto: Hartmut Schwarzbach/missio

Juli 2021

PREDIGT ZUM 15. SONNTAG IM JAHRESKREIS
MK 6,7-13

Es ist ein grauer und regnerischer Frühsommer-Tag. Ich blicke aus meinem Fenster in die unmittelbar vor dem Haus verlaufende Fußgängerzone. Menschen flanieren beschäftigt über die Straße. Einige blicken mit gebücktem Kopf auf ihr Smartphone. Hier und da unterhalten sich Passanten. Ein DHL-Paketbote fährt vor, entlädt einige Pakete und fährt gleich weiter. Trotz des Wetters herrscht geschäftiges Treiben. Normalität. Gewohnte Abläufe. Eine durchorganisierte Welt.

Seltsame Gedanken schießen mir durch den Kopf: Was ist, wenn all das von heute auf morgen in sich zusammenfallen würde? Wenn der schützende Rahmen der Normalität und des Gewohnten plötzlich wie aus dem Nichts verschwände? Kein Smartphone, kein DHL-Wagen, keine Fußgängerzone, kein Discounter, kein Alltag. Ganz fern liegt der Gedanke nicht angesichts einer Pandemie, die unser Leben über Nacht auf den Kopf gestellt hat.

Und doch ist so ein gedankliches Experiment schwierig, weil eine Situation, in der die gewohnten Sicherheiten und Abläufe unvorhersehbar in sich zusammenfallen, schwer vorstellbar ist – zumal aus den sicheren vier Wänden der eigenen Wohnung heraus. Sicher aber hat jeder mal die eine Situation erlebt, in der er sich hilflos und verloren gefühlt hat. Vielleicht an einem fremden Ort oder in einer brenzligen Situation. Vielleicht war es sogar ein Schicksalsschlag, ein geliebter Mensch, der plötzlich gestorben ist oder eine schwere Krankheit, die von jetzt auf gleich das Leben radikal auf den Kopf gestellt hat. In solchen Situationen spürt man, wie Autonomie verloren geht, die noch kurz zuvor selbstverständlich zu sein schien.

Positiv gewendet verändern Situationen, die die Normalität radikal unterbrechen, den persönlichen Blick auf die Dinge. Ich nehme die Welt mit anderen Augen wahr. Ich sehe Dinge, die ich zuvor nicht gesehen habe. Ich komme mit Menschen in Berührung, die zuvor keine Rolle in meinem Leben gespielt haben. Der französische Film „Ziemlich beste Freunde“ ist, wie ich finde, ein gelungenes Beispiel dafür. Der wohlhabende Philippe ist – infolge eines Unfalls querschnittsgelähmt – rund um die Uhr auf Pflege angewiesen. Nun sucht er eine neue Pflegekraft. Driss, gerade eine sechsmonatige Haft infolge eines Banküberfalls hinter sich, bewirbt sich wegen des Drucks vom Arbeitsamt der Form halber um die Stelle, ist aber nicht wirklich daran interessiert, den Zuschlag zu bekommen. Tatsächlich aber entscheidet sich Philippe für Driss, weil er eines nicht zu haben scheint: Mitleid mit dem Querschnittsgelähmten. Mit seiner unkonventionellen Art eröffnet Driss dem wohlhabenden Philippe eine neue Welt, seine Welt, die nicht zur Beletage von Philippe passt. Auch umgekehrt wird Driss von Philippe in neue und für den aus der Pariser Vorstadt stammenden Senegalesen ungewöhnliche Situationen gebracht. Beide lassen die Alltäglichkeit ihres Lebens hinter sich. Durch ihr jeweiliges persönliches Schicksal und den Zufall, der sie zusammengeführt hat, erhalten beide einen neuen Blick für die Wirklichkeit des jeweils anderen. Die Normalität des Alltags ist für beide vielleicht für immer durchbrochen.

(...)

Auszug des Predigtextes von Johannes Duwe
missio – Referent Abteilung Bildung

August 2021

PREDIGT ZUM INTERNATIONALEN TAG GEGEN HEXENWAHN (10. August 2021)
1 Sam 28,3-25

Wer nach Hexerei in der Bibel sucht, stößt unweigerlich auf die Geschichte aus 1 Sam 28, wo Saul eine Frau aufsucht, die Tote befragen kann und die in der Neuzeit dann als „Hexe von En-Dor“ bekannt wurde. Die negativen Bilder, die dies vor dem Hintergrund von Hexen in Märchen bei vielen hervorrufen dürfte, werden durch den Bibeltext jedoch nicht gedeckt. Nirgendwo ist die Rede davon, dass die mit Namen nicht bekannte Frau Saul oder anderen Menschen durch Worte oder Riten Schaden zufügt oder sie mit einem Fluch belegt. Auch im hebräischen Text wird für sie nicht das Wort verwendet, mit dem solche Hexereien oder Schadenszauber benannt werden. Stattdessen erfüllt die Frau von En-Dor eine positive Rolle in der biblischen Erzählung. Folgerichtig verzichten auch die gängigen deutschen Bibelübersetzungen darauf, von ihr als Hexe zu sprechen. Und dennoch hält sich hartnäckig die Bezeichnung als „Hexe von En-Dor“, die mit dunklen Mächten verbunden war. Ihre Geschichte wird dann so gelesen, als wolle sie davor warnen, sich auf Magie oder Wahrsagerei einzulassen. Davon ist jedoch im Text keine Rede. Vielmehr wendet sich Saul entgegen dem von ihm selber erlassenen Verbot an die Frau von En-Dor, weil er von Gott keine Antwort auf seine Frage vor der Schlacht gegen die Philister erhält. Er bittet sie als eine „Herrin über einen Totengeist“, Samuel aus dem Totenreich heraufzurufen, damit er ihn befragen könne. Dies gelingt ihr, wenngleich Saul Samuel nicht selber sehen kann. In seiner Antwort sagt ihm Samuel, Saul und seine Söhne werden in der Schlacht sterben, weil er einen Befehl Gottes nicht beachtet habe. Samuel erschrickt sosehr, dass er kraftlos wird. Damit endet die Erzählung jedoch noch nicht. Denn voller Fürsorge kümmert sich die Frau um den kraftlosen Saul und bereitet ihm und seinen Dienern eine letzte Mahlzeit vor, indem sie ein Kalb schlachtet und Brot backt, bevor er sich auf den Rückweg macht und am nächsten Morgen in der Schlacht stirbt.

(...)

Auszug des Predigtextes von Thomas Fornet-Ponse
Abteilungsleiter Bildung - missio Aachen

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