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Verfolgte Christin Asia Bibi erhielt am 8. Oktober 2018 eine Anhörung im Berufungsverfahren

missio sammelte 2014 für die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie 2010 zum Tode verurteilte Christin Asia Bibi 18.425 Unterschriften. Die Unterzeichnenden appellierten 2014 mit der Petition #freeasiabibi Reißen Sie Mauern ein. Freiheit für Asia Bibi an die Bundesregierung,

  • alle diplomatischen Bemühungen gegenüber Pakistan zu unternehmen, damit Asia Bibi in Freiheit entlassen wird und mit ihrer Familie in Sicherheit leben kann.
  • in politischen Gesprächen mit der Regierung Pakistans darauf hinzuwirken, dass das Blasphemiegesetz » abgeschafft wird.

missio-Präsident Prälat Klaus Krämer übergab die Unterschriften in Berlin am 2. Dezember 2014 an Christoph Strässer, den damaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung. Dieser überreichte seinerseits im März 2015 die Unterschriften an die Regierung des pakistanischen Bundesstaates Punjab, aus dem Asia Bibi stammt. Er bat die pakistanischen Politiker darum, sich für die Verurteilte einzusetzen.

  • Nachdem mehrmals Berufungsverfahren in unteren Instanzen zu Ungunsten von Asia Bibi ausgegangen sind, liegt der Fall seit 2015 vor der höchsten Berufungsinstanz, dem Obersten Gerichtshof von Pakistan. Im Juli 2015 entschied er, dass zumindest die Vollstreckung der Todesstrafe ausgesetzt wurde. Die Berufungsverhandlung selbst kündigt der Oberste Gerichtshof seit 2015 an, verschiebt aber immer wieder den Eröffnungstermin.
  • Zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2017 haben wir zum Gebetstag für Asia Bibi aufgerufen. In ganz Deutschland wurden etwa 70 Gottesdienste, Andachten oder andere öffentliche Gebete für Asia Bibi veranstaltet.
  • Wir bemühen uns weiter, in Hintergrundgesprächen mit Politikern Unterstützung für Asia Bibi zu organisieren.
  • Unsere Projektpartner in Pakistan beobachten den Fall Asia Bibi und versuchen, gute juristische Begleitung sicher zu stellen. Gleichzeitig loten sie in interreligiösen Gesprächen aus, wie in der pakistanischen Gesellschaft der Missbrauch der Blasphemiegesetze verhindert werden kann.
  • Nach Informationen aus Pakistan ist der Gesundheitszustand von Asia Bibi schlecht. Es steht zu befürchten, dass die entscheidende Berufungsverhandlung vor dem Obersten Gerichtshof weiter verzögert wird. Bisher hat sich noch kein Richter gefunden, der das Verfahren übernehmen möchte. Die Richter haben Angst vor möglichen Angriffen islamistischer Fanatiker, wenn Asia Bibi freigesprochen würde. Es wurden schon zwei Politiker ermordet, die sich für Asia Bibi eingesetzt haben.
  • Am 8. Oktober 2018 hat im Fall Asia Bibi der Oberste Gerichtshof in Lahore überraschend eine Anhörung zu ihrer Berufungsverhandlung durchgeführt. Diese Anhörung wurde nach pakistanischen Medienberichten vom Obersten Richter Mian Saqib Nisar sowie den weiteren hochrangigen Richtern Asif Saeed Khosa und Marhar Alam Khan Miankhel durchgeführt. Die Richter baten demnach die pakistanischen Medien, nicht über diese Anhörung zu berichten. Sie kündigten eine Entscheidung noch im Oktober 2018 an. Nach Medienberichten fordern islamistische Extremisten eine sofortige Vollstreckung des Todesurteils von Asia Bibi und kündigten im Falle der Freisprechung von Asia Bibi oder ihrer Abschiebung in ein anderes Land gewaltsame Aktionen an.
Foto: dpa
Asia Bibi war die erste Frau in Pakistan, die wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt wurde.
Foto: Markus Nowak/missio
missio-Präsident Prälat Klaus Krämer (rechts) übergibt in Berlin die Unterschriften für Asia Bibi an Christoph Strässer, damaliger Beauftragter für Menschenrechte der Bundesregierung.
missio rief 2017 zum Gebet für Asia Bibi auf.
Foto: dpa
Angehörige der Allianz pakistanischer Minderheiten (APMA) demonstrieren in Lahore gegen das Todesurteil für Asia Bibi.

18.425 Unterschriften für die Freiheit von Asia Bibi

Übergabe der Petition #freeasiabibi an die Bundesregierung

Die pakistanische Christin Asia Bibi ist wegen angeblicher Blasphemie in Pakistan 2010 zum Tod verurteilt worden. missio hat 2014 mit einer Unterschriftenaktion die Bundesregierung aufgefordert, sich für die Familienmutter einzusetzen. Der Film zeigt die Übergabe der Petition am 2. Dezember 2014.

Tochter von Asia Bibi bedankt sich bei missio für Unterstützung

Foto: medio.TV/Küster
missio trifft die jüngste Tochter Eishan von Asia Bibi im April 2015 in Deutschland. Sie kann ihre Mutter einmal im Monat besuchen. Dafür muss sie sieben Stunden ins Gefängnis in Multan fahren.

Ich vermisse meine Mutter, ihre Liebe, ich vermisse einfach ein normales Familienleben. Ich möchte mich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern von missio bedanken, die für meine Mutter beten und sich für sie einsetzen. Wir brauchen dieses Gebet.

Eishan, Tochter von Asia Bibi, im April 2015 bei einem Treffen mit missio im Kloster Haydau in Morschen

Der Fall Asia Bibi in Kürze

Die Christin Asia Bibi ist 2009 im pakistanischen Bundesstaat Punjab wegen des Vorwurfs der Blasphemie von der Polizei festgenommen und 2010 von einem Bezirksgericht zum Tod verurteilt worden. Seitdem sitzt sie im Gefängnis.

Was war passiert? Asia Bibi hatte bei der Feldarbeit aus einem Brunnen geschöpft. Muslimische Kolleginnen beschuldigten sie, als Christin damit das Wasser unrein gemacht zu haben. In einem anschließenden Disput soll die fünffache Mutter den Propheten Mohammed beleidigt haben.

Spätere Recherchen erhärten den Verdacht, dass dieser Vorwurf für eine private Auseinandersetzung zwischen dem Arbeitgeber von Asia Bibi und ihrer Familie missbraucht wurde. Ihre Familie musste nach dem Urteil gegen Asia Bibi untertauchen. Politiker oder Juristen, die sich für Asia Bibi einsetzen, werden bedroht. Der Gouverneur von Punjab, der die Verurteilte besuchte und sie für unschuldig hielt, wurde 2011 erschossen.

Missbrauch der pakistanischen Blasphemiegesetze

Das pakistanische Strafgesetzbuch sieht für die Verunglimpfung des Propheten Mohammed die Todesstrafe, lebenslange Haft oder Geldstrafen vor.

  • Von 1929 bis 1987 waren in Pakistan allerdings nur wenige Fälle vor Gericht verhandelt worden – seitdem in 35 Jahren mehr als 1.500 Fälle.
  • Nach den Angaben der Nationalen Kommission Justitia et Pax in Pakistan wurden zwischen 1987 und 2016 insgesamt 1.522 Blasphemiefälle vor Gericht verhandelt. Demnach waren davon 764 Muslime, 501 Ahmadyas, 218 Christen und 28 Hindu betroffen.

Das sogenannte Blasphemiegesetz wird im Zuge von Nachbarschaftsfehden, politischen und wirtschaftlichen Auseinandersetzungen oder gegen Minderheiten missbraucht. Der Staat in Pakistan tut sich schwer, diesen Missbrauch einzudämmen. Justiz und Behörden geraten dabei auch unter Druck von islamistischen Fundamentalisten.

Foto: James Channan/missio
Pater James Channan und der Imam Maulana Abdul Khabir Azad (Mitte) demonstrieren gemeinsam gegen den Missbrauch der Blasphemiegesetze durch islamistische Mobs.

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Johannes Seibel

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