Der Sommer ist da und mit ihm die langen Tage, die Sommerferien, das Draußen-Sein, der ersehnte Urlaub, das „Sommerloch“. Für viele eine Zeit, in der sie bewusst nach einer Auszeit suchen und einfach mal die Seele baumeln lassen wollen. Eine Zeit, in der die Geschäftigkeit dem Nichtstun weichen darf.
Doch was hat es mit dem Nichtstun auf sich, dass es uns so begehrenswert erscheint? Was passiert eigentlich, wenn ich nichts tue? Vielleicht gilt das, was der Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick für die zwischenmenschliche Kommunikation festgestellt hat – man kann nicht nicht kommunizieren – auch für das Tun: Nichts zu sagen ist keinesfalls nichtssagend, sondern kann höchst politisch sein, wie schon mancher Schweigemarsch gezeigt hat.
Ebenso wenig bringt das Nichtstun alles zum Stillstand. Im Gegenteil: Im Nichtstun ist Bewegung. Dinge bleiben liegen, ruhen und lösen sich dadurch manchmal von alleine. Oder aber es offenbaren sich uns nach einer Zeit der Nichtbeachtung plötzlich ganz neue Perspektiven auf alte Probleme. Nichts zu tun bedeutet aber auch loslassen zu müssen, weil man vielleicht anderen Menschen die Kontrolle über Prozesse auf der Arbeit überlassen und Entscheidungen abgeben muss. Es heißt, anderen zu vertrauen und sich selbst in seinem eigenen Wunsch nach Wirksamkeit zurückzunehmen. Nichts zu tun heißt deshalb auch, sich in Selbstgenügsamkeit, Vertrauen und Geduld einzuüben.
Nichtstun kann zur Qual werden, fühlt man sich macht- und nutzlos. Das nutzlose Nichtstun wirkt hingegen wohltuend und befreiend, wenn es uns zugesprochen wird: weil da andere sind, auf die wir uns verlassen können und dank derer wir spüren, wie wertvoll wir ohne Nutzen sind. Und vielleicht entdecken wir in diesem Geschenk des Nichts-tun-Müssens schließlich auch den Einen, der uns nicht verlässt und der uns aus dem Nichts die Fülle schenken will.
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