missio - glauben.leben.geben

Verfolgte Christen heute – Hintergründe

Unter Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit leiden Angehörige aller Religionen. Auch Christinnen und Christen werden diskriminiert, bedrängt und verfolgt. Die Ursachen dafür sind vielschichtig. missio möchte Ihnen mit Hintergründen und Infos die Möglichkeit geben, sich damit differenziert zu beschäftigen. Der Schutz verfolgter Christen gelingt am ehesten mit Hilfe eines gut informierten Engagements für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, das alle Menschen ungeachtet ihrer Herkunft und Religionszugehörigkeit umfasst.

Eine Christin aus dem Norden Iraks in einem Flüchtlingslager. Sie floh vor Terroristen. Foto: Andy Spyra/missio
Eine Christin aus der Niniveh-Ebene im Norden Iraks sitzt an Weihnachten 2015 in einem Flüchtlingslager in Erbil. Sie wurde aus ihrem Heimatdorf vertrieben.

Warum nennt missio keine Zahlen zur Christenverfolgung aktuell?

Foto: Andy Spyra/missio
Christliche und muslimische Organisationen betreiben gemeinsam eine Schule. Hier geht es auch darum, wechselseitige Vorurteile abzubauen.
Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Erzbischof Sebastian Francis Shaw geht in der pakistanischen Stadt Lahore mit Polizeischutz zur Messe. Islamistische Fanatiker missbrauchen ihre Religion, um zum Hass gegen die Minderheit aufzustacheln. Dagegen setzt Erzbischof Shaw neben Sicherheitsmaßnahmen den interreligiösen Dialog.
Foto: Andy Spyra/missio
Diese indische Christin aus der Region Kandhamal erzählt von ihrer Vertreibung aus ihrem Heimatdorf während lokaler Ausschreitungen 2008 von Hindu-Nationalisten gegen Christen.

missio verzichtet darauf, einen Weltverfolgungsindex zu erstellen. Wir folgen damit dem Hinweis von Professor Heiner Bielefeldt, dem früheren Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religionsfreiheit. Er hält eine auf einzelne Länder berechnete, je nach Religionszugehörigkeit getrennte zahlenmäßige Erfassung von Verfolgungsfällen nicht für seriös möglich. Denn Gewalt gegen Angehörige einer Religion oder Gewalt im Namen von Religion ist nicht allein auf religiöse Gründe zurückzuführen. Vielmehr spielen auch politische, ethnische, wirtschaftliche und soziale Ursachen bei der Entstehung von Gewalt gegen Angehörige einer Religion eine wichtige Rolle und verschränken sich ineinander.

  • Verfolgungs-Ranglisten bergen aus unserer Sicht zudem die Gefahr, dass die individuellen Leiderfahrungen der Angehörigen verschiedener Religionen gegeneinander ausgespielt und politisch instrumentalisiert werden. Unsere missio-Projektpartner, die vor Ort mit Gewalterfahrungen konfrontiert sind, warnen uns vor einer Art Wettbewerb der Opferzahlen verschiedener Religionen, weil das lediglich zu weiterer wechselseitiger Abgrenzung führt.
  • Christenverfolgung stoppen lässt sich aus unserer Sicht nur dann, wenn immer wieder der interreligiöse Dialog gesucht und die vernünftigen Angehörigen der unterschiedlichen Religionen sich gemeinsam gegen einen politisch, ethnisch oder wirtschaftlich motivierten Missbrauch ihrer Religion wehren. missio fördert solche Projekte im Nahen und Mittleren Osten, Afrika und Asien. Sie können mit Ihrer Spende zum Beispiel ein Menschenrechtsprojekt in Pakistan » unterstützen.
  • Eine der wichtigsten Ursachen, warum Christen in Not geraten, ist der mangelnde Schutz religiöser Minderheiten durch den Staat und lokale Behörden. Unsere christlichen Projektpartner in einer Minderheitensituation versuchen durch Bildungs- und Sozialarbeit religiöse Diskriminierung und Diskriminierung von Minderheiten abzubauen.
  • Systematische Christenverfolgung findet heute auch statt. So ist etwa die gezielte Vertreibung der Christen aus der Niniveh-Ebene im Norden Iraks 2015 durch den sogenannten Islamischen Staat eine systematisch geplante und durchgeführte Verfolgung. Aber man sollte mit dem Begriff der systematischen Christenverfolgung vorsichtig umgehen und auf solche eindeutigen Situationen beschränken. Wo Christen Opfer der Verletzungen von Religionsfreiheit werden, sind meist auch Angehörige anderer Religionen betroffen. Bespiel Nigeria: Dort tötet die islamistische Sekte Boko Haram wahllos Muslime und Christen. Deshalb kann hier nicht von systematischer Christenverfolgung gesprochen werden. Die Differenzierung zwischen Diskriminierung, Bedrängnis und Verfolgung ist sinnvoll.

missio-Filme zum Thema Religionsfreiheit

Hindu-Nationalismus gegen Minderheiten

Indien droht seine Seele der religiösen Vielfalt und Toleranz zu verlieren. Das sagt die Menschenrechtlerin Teesta Setalvad gegenüber missio Aachen. Unter einem rigorosen Hindu-Nationalismus leiden verfolgte Christen, Muslime, gemäßigte Hindu, Liberale, Atheisten und andere Minderheiten gleichermaßen. Der Film stammt aus dem Jahr 2017.

Blasphemiegesetze bedrohen in Pakistan den Alltag

Pakistan ist ein junges Land und gehört zu den ärmsten Staaten Südasiens. Zunehmend wird die Stabilität des Landes von extremistischer Gewalt geprägt, unter der besonders die religiösen Minderheiten leiden - auch die Christen. Der Film stammt aus dem Jahr 2014.

Lage der Christen in Ägypten

Monsignore Joachim Schroedel ist der Seelsorger für die deutschsprachigen Gemeinden im Nahen Osten. In einem Interview berichtet er von der prekären Lage in Ägypten, einer zunehmenden Islamisierung, aber auch davon, dass besonders die Katholiken trotz aller Schwierigkeiten ihren Mut nicht verloren haben. Der Film stammt aus dem Jahr 2013.

Theophilus Bela kämpft in Indonesien für Religionsfreiheit

Theophilus Bela aus Indonesien setzt sich für Religionsfreiheit im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt ein. Obwohl die Mehrheit der Indonesier als religiös tolerant gilt, attackieren extremistische Gruppen Minderheiten wie Christen, die muslimische Glaubensrichtung der Schiiten oder die Ahmadis, eine Art muslimische Reformbewegung. Der Film stammt von 2015.

Hier finden Sie Länderberichte zur Lage der Religionsfreiheit weltweit

Religionsfreiheit in Gefahr: Ursachen, Folgen und Schwerpunktregionen

missio hat die Erstellung des „Ökumenischen Berichts zur Religionsfreiheit weltweit 2017“ der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt. Der Bericht informiert über Bedrohungen, Einschränkungen und Verletzungen des Rechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Wir haben auf Grundlage der Studie hier den Zusammenhang der Ursachen, Folgen und Verbreitung von Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit zusammengefasst.

Durchsetzung religiöser Wahrheitsansprüche

Die Durchsetzung religiöser Wahrheits- und Reinheitsansprüche ist eine erste Ursache, warum Religionsfreiheit eingeschränkt wird. Folgen können sein:

  • Krieg und Terror im Namen religiöser Wahrheit
  • Strafen wegen Religionswechsels
  • Verfolgung religiöser Minderheiten, Dissidenten, Atheisten und Agnostiker
  • Überwachung der Bevölkerung durch eine Religionspartei und stark religiös reglementierte Lebenspraxis

Islamisch geprägte Länder betroffen

Dieses Phänomen als Ursache für Menschenrechtsverletzungen ist derzeit vor allem in islamisch geprägten Ländern zu beobachten. Betroffen davon sind auch inner-islamische Minderheiten. Mit Blick auf staatliche Akteure gilt das zum Beispiel für folgende Staaten:

  • Saudi-Arabien, Katar, Jemen, Iran, Sudan, Mauretanien, Somalia, Malediven, Brunei oder Malaysia

Mit Blick auf gesellschaftliche Akteure sind hier vor allem islamistisch geprägte Terrorgruppen zu nennen. Beispiele:

  • Der sogenannten Islamische Staat in Irak und Syrien, Boko Haram in Nigeria, Al Shabab in Somalia oder islamistische Mobs in Pakistan, die die Blasphemiegesetzgebung für die gesellschaftliche Diskriminierung und lokale Gewalt gegen Minderheiten missbrauchen.
  • Dafür ist die missio-Kampagne für Asia Bibi » ein Beispiel.

Nationale Identität religiös definiert

Die Durchsetzung der religiös-kulturell definierten nationalen Identität ist eine zweite Ursache, warum Religionsfreiheit eingeschränkt wird. Folgen können sein:

  • Eine Religion wird als Kriterium für nationale Zugehörigkeit definiert. Das schließt Angehörige anderer Religionen gesellschaftlich aus.
  • Repressive Maßnahmen setzen ein als homogen dargestelltes national-religiöses Erbe durch.
  • Es wird zwischen einer als ursprünglich im Land ansässigen Religion und anderen, erst später im Land präsenten Religionen unterschieden, die dadurch als „fremd“ stigmatisiert werden.   

Probleme in Asien

Beispiele für Staaten und gesellschaftliche Gruppen, die die Glaubens- und Weltanschauungsfreiheit anderer Menschen einschränken, weil sie eine religiös-nationale Identitätspolitik betreiben, sind:

  • Myanmar: Unterdrückung der muslimischen Rohingya und christlichen Karen im mehrheitlich buddhistischen Myanmar
  • Sri Lanka: Die enge Verknüpfung der nationale Identität mit dem Buddhismus diskriminiert nicht-singhalesische Minderheiten.
  • Indien: Der Hindu-Nationalismus bestimmt zunehmend staatliches Handeln. Diskriminierung und Verfolgung der seit Jahrhunderten im Land heimischen Christen und Muslime nimmt zu. Hindu-nationalistische Mobs inszenieren lokale Gewalt gegen Minderheiten.
  • Dafür ist die missio-Kampagne #freeourhusbands » für verfolgte Christen in Indien ein Beispiel.

Autoritäre Regime

Eine dritte Ursache, warum Religionsfreiheit gefährdet ist, ist der totalitäre, religionskritische Anspruch autoritärer Regime. Folgen können sein:

  • Religion wird als staatsgefährdende Aktivität angesehen.
  • Religionsgemeinschaften werden überwacht und infiltriert.
  • Neben Religionsfreiheit werden auch Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit verletzt.

Ehemals kommunistische Länder

Der totalitäre, religionskritische Anspruch autoritärer Regime ist derzeit vor allem in Ländern mit kommunistisch-atheistischer Geschichte zu beobachten. Beispiele:

 

Hier können Sie eine Grafik herunterladen, die die Ursachen und Folgen der Verletzungen von Religionsfreiheit weltweit zusammenfasst. Sie können diese Grafik ausdrucken und zum Beispiel im Schulunterricht oder für die Arbeit von Jugendverbänden und anderen Gruppen nutzen.

Erhalten Sie regelmäßig Informationen zur Situation von bedrängten und verfolgten Christen

Haben Sie Fragen?

Sie haben Fragen zu unserer Aktion Solidarität mit bedrängten Christen oder möchten sich über unsere Angebote und Materialien informieren?

Gerne ist Johannes Seibel für Sie da.

Johannes Seibel

Abteilungsleiter Kommunikation & Presse
Tel.: +49 (0)241 / 75 07 - 286
E-Mail senden