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Fragen & Antworten zu Religionsfreiheit und verfolgten Christen

Häufig werden uns Fragen gestellt, ob zum Beispiel die Zahl der Christen im Orient zu- oder abnimmt. Oder was die Blasphemiegesetze in Pakistan sind oder ob man überall die Religion frei wechseln darf? Dazu haben wir Ihnen hier Fragen & Antworten zusammengestellt. Gerne können Sie uns auch Ihre eigenen Fragen stellen oder Vorschläge machen, wie wir diese Seite erweitern können. Dazu finden Sie am Ende dieser Seite Ihren Ansprechpartner.

Tastatur mit Taste "FAQ" Quelle: iStockphoto.com/Zerbor

Wie viele Christen gibt es im Nahen und Mittleren Osten?

Die Zahl der Christen im Nahen und Mittleren Osten ist insgesamt stabil. Das ergeben Auswertungen der päpstlichen Agentur Catholic Near East Welfare Association (CNEWA) Stand Anfang 2018. Dabei geht in den Kriegs- und Terrorregionen des Iraks und Syriens aufgrund von Diskriminierung, Bedrängnis und Verfolgung die Zahl der Christen stark zurück, während sie in den arabischen Staaten durch den Zuzug von ausländischen christlichen Arbeitskräften zunimmt. Deshalb schätzt die CNEWA, dass sich im Nahen und Mittleren Osten die Zahl der Christen insgesamt von rund 15,9 Millionen im Jahr 2010 auf 17,5 Millionen im Jahr 2017 erhöht hat. Die CNEWA hat nach eigenen Angaben für seine Erhebung die entsprechenden Statistiken des CIA World Factbook, die Daten der Weltbank, der Vereinten Nationen, des Statistikamtes der Vereinigten Staaten sowie der Behörden der einzelnen vorgestellten Länder verglichen und ausgewertet.

Quellenhinweis: In den folgenden Registerkarten finden Sie einen Zahlen-Überblick auf Grundlage der CNEWA-Auswertung zu den einzelnen Ländern und Regionen des Nahen und Mittleren Ostens. Quelle für die Zahl der Gesamtbevölkerungszahl jedes Landes ist das CIA World Factbook Stand Juli 2016 (wenn nicht anders vermerkt). Quelle für die Zahl der Christen im jeweiligen Land sind die Schätzungen der CNEWA. Quelle für die Angaben der Zahl der Katholiken ist das Jahrbuch der katholischen Kirche, das der Vatikan herausgibt (Annuario Pontificio).

Gesamtbevölkerung: 94,7 Millionen

Christen 2010: 8,1 Millionen

Christen 2017: 9,4 Millionen

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 10 Prozent

Zahl der Katholiken: 190.237

Rund zehn Prozent der Bevölkerung sind Christen. Sie nennen sich Kopten. Die Zahl der Christen stieg laut CNEWA aufgrund der demographischen Entwicklung des Landes.

Gesamtbevölkerung: 1,38 Millionen

Christen 2010: 66.420

Christen 2017: 200.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 14,5 Prozent

Zahl der Katholiken: 2,445 Millionen (Bahrein, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien)

Fast alle Christen in Bahrein sind Arbeitsmigranten.

Bahrein ist auch der Sitz des Apostolischen Vikariates für Nordarabien der katholischen Kirche. Es umfasst die Länder Bahrein, Kuwait, Katar und Saudi-Arabien. Deshalb ist die Zahl der Katholiken hier für diese Länder zusammengefasst.

Gesamtbevölkerung: 38,1 Millionen

Christen 2010: 300.000

Christen 2017: 250.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 0,8 Prozent

Zahl der Katholiken: 294.000

Der Irak ist eine urchristliche Region. Hier ist der Auswanderungsdruck für Christen durch Krieg und Terror besonders hoch. Allerdings muss man beachten, dass es wegen der verschiedenen Irak-Kriege in den letzten zwei Jahrzehnten eine hohe Bevölkerungsfluktuation gab. Inwieweit gelfüchtete Menschen wieder zurückgekehrt sind, ist schwer zu erheben. Es gibt keine verlässlichen staatlichen Statistiken. Insofern ist es auch schwer einzuschätzen, wie viele Christen vertrieben wurden und wieder zurückgekehrt sind oder nicht.

Gesamtbevölkerung: 82,8 Millionen

Christen 2010: 295.000

Christen 2017: 285.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: -

Zahl der Katholiken: 3.450

Das Christentum im Iran ist eine sehr kleine Minderheit.

Gesamtbevölkerung: 8,2 Millionen

Christen 2010: 145.000

Christen 2017: 170.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 2 Prozent

Zahl der Katholiken: 95.000

Die Zahlen stammen vom israelischen Außenministerium, bereinigt um die Zahlen Jerusalems, die hier getrennt aufgeführt werden.

Gesamtbevölkerung: 870.000 (staatliche israelische Angabe von 2015)

Christen 2010: 12.750

Christen 2017: 15.800

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: -

Zahl der Katholiken: ~ 8.200

Die Zahlen stammen vom Jerusalem Institute for Jerusalem Studies. Die Zahl der Katholiken umfasst auch die Zahl der armenischen, maronitischen und syrisch-katholischen Denominationen in Palästina und Israel.

Gesamtbevölkerung: 27,4 Millionen

Christen 2010: 53.000

Christen 2017: 41.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 0,2 Prozent

Zahl der Katholiken: siehe unter Vereinigte Arabische Emirate

CNEWA weist darauf hin, dass es seit 2004 im Jemen keinen staatlichen Zensus mehr gab. Deshalb ist es schwierig, Zahlen zu ermitteln. Die Zahl der Christen 2010 war laut CNEWA deshalb höher, weil damals zahlreiche Flüchtlinge aus Äthiopien, die orthodoxe Christen waren, Aufnahme im Jemen gefunden hatten. Im Jemen ist es besonders schwierig, verlässliche Zahlen zu erhalten.

Gesamtbevölkerung: 8,18 Millionen

Christen 2010: 300.000

Christen 2017: 350.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 2,2 Prozent

Zahl der Katholiken: 32.650

Laut CNEWA muss hier beachtet werden, dass die Zahlen der jordanischen Behörden je nach der Methode der Zahlenerhebung schwanken. CNEWA schätzt die Zahl der Christen 2017 als Mittelwert zwischen diesen unterschiedlichen Angaben. Jordanien hat überproportional viele christliche Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien aufgenommen.

Gesamtbevölkerung: 2,26 Millionen

Christen 2010: 70.000

Christen 2017: 230.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 8,5 Prozent

Zahl der Katholiken: siehe unter Bahrein

Durch Arbeitsmigration hat sich die Zahl der Christen in Katar laut CNEWA von 70.000 im Jahr 2010 auf 230.000 im Jahr 2017 mehr als verdreifacht. Der Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung von etwa 2,3 Millionen Menschen beträgt danach 8,5 Prozent. Mehr als 80 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Arbeitsmigranten.

Gesamtbevölkerung: 2,83 Millionen

Christen 2010: 336.000

Christen 2017: 715.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 17,3 Prozent

Zahl der Katholiken: siehe Bahrein

Rund 70 Prozent der Bevölkerung Kuwaits sind ausländische Arbeitskräfte. Fast alle Christen sind Arbeitsmigranten.

Gesamtbevölkerung: 6,24 Millionen

Christen 2010: 2,63 Millionen

Christen 2017: 2 Millionen

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: geschätzt zwischen 35 und 41 Prozent

Zahl der Katholiken: 2,08 Millionen

Im Libanon ist zu beachten, dass es dort seit 1932 keinen offiziellen staatlichen Zensus mehr gegeben hat. Wenn demographische Zahlen zur Religionszugehörigkeit von verschiedenen religiösen oder konfessionellen Organisationen genannt werden, hat das oft politische Gründe. Auch die hohe Zahl der Flüchtlinge im Land erschwert es, verlässliche Angaben zur Religionszugehörigkeit der Menschen im Libanon zu machen. Die Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen (UNHCR) spricht von rund 1,5 Prozent Christen unter den syrischen Flüchtlingen im Libanon. Hinzu kommt, dass viele libanesische Christen zwar im Ausland leben, aber aus Verbundenheit noch zu Hause in ihrer Gemeinde gemeldet bleiben. Die Zahl der Katholiken umfasst auch die verschiedenen katholischen Denominationen oder mit Rom uniierten Kirchen.

Gesamtbevölkerung: 3,35 Millionen

Christen 2010: 60.000

Christen 2017: 250.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 6,5 Prozent

Zahl der Katholiken: siehe unter Bahrein

Fast alle Christen sind Arbeitsmigranten. Insgesamt setzt sich die Bevölkerung des Omans aus 45 Prozent Arbeitsmigranten zusammen. So ist der Anteil der Christen auf etwa 6,5 Prozent gestiegen.

Gesamtbevölkerung: siehe unten

Christen 2010: 4.000

Christen 2017: 1.300

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 0,5 Prozent

Zahl der Katholiken: keine Angaben

Die Zahl der Bevölkerung des Gaza-Streifens in Palästina beträgt nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1,75 und zwei Millionen Menschen. Die Zahl der Christen beruht auf Schätzungen des YMCA (Weltverband des Vereins christlicher junger Männer).

Gesamtbevölkerung: siehe unten

Christen 2010: 50.000

Christen 2017: 59.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 2,5 Prozent

Zahl der Katholiken: keine Angaben

Auf der Westbank in Palästina leben derzeit nach verschiedenen Schätzungen zwischen 2,7 und drei Millionen Menschen. Die Zahlen der Christen basieren auf der Auswertung von Fachartikeln in Zeitungen und Zeitschriften.

Gesamtbevölkerung: siehe unten

Christen 2010: 1,0 Millionen

Christen 2017: 1,4 Millionen

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: keine Angaben

Zahl der Katholiken: siehe unter Bahrein

Saudi Arabien hat nach verschiedenen Quellen eine Bevölkerung zwischen 28,1 und 31,7 Millionen Einwohnern. Davon ist der Anteil der Christen durch Arbeitsmigration gestiegen. Insgesamt sind 38 Prozent der Menschen in Saudi Arabien Arbeitsmigranten.

Gesamtbevölkerung: 17,18 Millionen

Christen 2010: 2,2 Millionen

Christen 2017: 1,2 Millionen

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 10 Prozent

Zahl der Katholiken: 246.000

Laut CNEWA haben seit 2010 rund eine Million Christen Syrien verlassen. Unter den Christen im Jahr 2010 waren auch rund 200.000 christliche Flüchtlinge aus dem Irak registriert. CNEWA weist darauf hin, dass es kaum verlässliche Statistiken aus den vergangenen Jahren gibt und es sich hier mehr als in anderen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens um Schätzungen handelt. CNEWA hat alle zugänglichen Quellen für seine Schätzungen ausgewertet.

Gesamtbevölkerung: 80,3 Millionen

Christen 2010: 138.000

Christen 2017: 187.000

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: < 0,2 Prozent

Zahl der Katholiken: 53.800

Offizielle Statistiken liegen nicht vor. CNEWA nutzt hier Zahlen der Organisation Open Doors.

Gesamtbevölkerung: siehe unten

Christen 2010: 8,1 Millionen

Christen 2017: 9,4 Millionen

Anteil Christen an Gesamtbevölkerung: 10 Prozent

Zahl der Katholiken: 940.000 (Vereinigte Arabische Emirate, Oman und Jemen)

Hier differieren die Angaben für die Gesamtbevölkerung zwischen 5,9 und 9,2 Millionen Einwohnern. Das hat seinen Grund darin, dass nicht alle Emirate des Landes ihre Zahlen zur Verfügung stellen. Die Zahl der Christen hat sich durch Arbeitsmigration verfünffacht.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind der Sitz des Apostolischen Vikariates Südarabien der katholischen Kirche. Das Apostolische Vikariat umfasst den Oman und Jemen mit. Insgesamt leben in dieser Region nach Angaben des Vatikans rund 940.000 Katholiken.

Von Blasphemiegesetzen, Hindunationalismus und Märtyrern

missio greift mit seinen Kampagnen die aktuellen Entwicklungen rund um die Themen Relgionsfreiheit sowie diskriminierte, bedrängte und verfolgte Christinnen und Christen auf. Hier können Sie noch mehr Hintergründe erfahren. Die Texte sind zusammengestellt von Katja Nikles, Menschenrechts-Referentin von missio. Die Sammlung wird fortgesetzt.

In Pakistan gibt es Gesetze zu „religionsbezogenen Vergehen“. Das Strafgesetzbuch sieht beispielsweise für die Beleidigung des Propheten Mohammed die Todesstrafe und für die Verunglimpfung des Koran lebenslange Haftstrafen vor. Betroffen von diesen Gesetzen sind nicht nur Christen und andere Nichtmuslime, sondern auch Muslime selbst. Bisher sind verhängte Todesstrafen noch nicht vollstreckt worden. Allerdings sind Menschen, gegen die Blasphemievorwürfe erhoben werden, in Lebensgefahr. Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen wütende Mobs oder Einzelpersonen Menschen umbringen, die der Blasphemie beschuldigt werden. Zahlreiche Muslime und Nichtmuslime befinden sich in Haft. Das Blasphemiegesetz wird auch im Rahmen nachbarschaftlicher Streitigkeiten, politischer Unstimmigkeiten oder sonstiger Konflikte dafür missbraucht, unliebsame Personen oder religiöse Minderheiten „auszuschalten“.  Durch das Blasphemiegesetz ist für viele Menschen in Pakistan der Alltag von Angst und Misstrauen geprägt.

In den vergangenen Jahren hat sich die Situation der Religionsfreiheit in Indien verschlechtert und religiöse Minderheiten sehen sich verstärkt Anfeindungen durch radikale hinduistische Gruppierungen ausgesetzt. Besonders unter dem aktuellen Ministerpräsidenten Narendra Modi und der regierenden Bharatiya Janata Party (BJP) haben hinduistische Gruppierungen an Einfluss gewonnen, die den Hinduismus zur Staatsreligion machen wollen. Gewalt gegen religiöse Minderheiten und die Zerstörung von Gotteshäusern häufen sich und haben selten rechtliche Konsequenzen. In mehreren Bundesstaaten schränken sogenannte Anti-Konversionsgesetze Bekehrungen und missionarische Tätigkeiten ein. Ausgenommen sind explizit Menschen, die sich zum Hinduismus „rückbekehren“. Diese Rückbekehrungen finden nicht selten unter Zwang und Gewaltandrohung statt.

Nord- und Südvietnam wurden nach dem Vietnamkrieg 1976 unter sozialistischer Führung wiedervereinigt. Religionsgemeinschaften waren fortan weltanschauliche Gegner, die besonderen Kontrollmaßnahmen von Seiten der staatlichen Sicherheitsorgane ausgesetzt wurden. In den zurückliegenden Jahren hat sich das Verhältnis zwischen den Staatsorganen und den registrierten Religionsgemeinschaften zwar erst leicht entspannt, wird aber in jüngster Zeit wieder kritischer. Gläubige müssen weiter mit repressiven Maßnahmen rechnen. Registrierte Religionsgemeinschaften sind administrativen Schikanen und Einschränkungen ihrer Aktivitäten im Gesundheits- und Erziehungssektor ausgesetzt. Vertreter nicht-registrierter Religionen berichten von Kontrollen, Schikanen, Beschlagnahmung von Eigentum und Festnahmen. Die Registrierung selbst stellt für viele Religionsgemeinschaften eine nur schwer zu überwindende Hürde dar.

Die Verletzung der Religions- und Weltanschauungsfreiheit ist die Verletzung eines Menschenrechts. Eine völkerrechtlich verbindliche Definition von Religionsfreiheit liefert der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) von 1966, der 1976 in Kraft getreten ist. Er definiert das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit in Artikel 18. Dieses besteht vor allem in der Freiheit des Menschen…

  • …seine Glaubensüberzeugung frei zu bilden, anzunehmen und zu wechseln,
  • …seinen Glauben ungestört – allein oder in Gemeinschaft, öffentlich oder privat – auszuüben,
  • …nach seinem Glauben zu handeln,
  • …sich zu keiner Religion oder Weltanschauung zu bekennen,
  • …über die religiöse Erziehung seiner Kinder in Übereinstimmung mit der eigenen Überzeugung zu entscheiden.

Mit der Ratifizierung des IPbpR haben sich die nationalen Regierungen verpflichtet, Religionsfreiheit zu achten, zu schützen und zu gewährleisten. Diese Verpflichtungen sind vor dem Staat einzufordern.

Interreligiöser Dialog bedeutet, dass Angehörige unterschiedlicher Religionen zusammentreffen und sich austauschen. Im Gespräch oder in gemeinsamen Aktionen helfen sie sich gegenseitig, die jeweils andere Religion kennenzulernen und besser zu verstehen. Dabei hat der Dialog auch ohne ein vorher festgelegtes Ziel einen Wert. Es geht nicht zuerst darum, den anderen von der eigenen Wahrheit zu überzeugen, sondern in der Religion des anderen Wertvolles zu entdecken, ohne jedoch die eigene Position aufzugeben oder zu verschweigen. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem Dialog sind gleichberechtigt und gehen respektvoll miteinander um.

Das Recht zu konvertieren ist Teil des Menschenrechts auf Religionsfreiheit. In vielen Ländern der Welt ist es jedoch nicht ohne Einschränkungen möglich, von einer Religion zu einer anderen zu wechseln. In manchen Ländern wird der Wechsel der Religionszugehörigkeit administrativ nicht zur Kenntnis genommen. So müssen beispielsweise in Ägypten oder Marokko Kinder konvertierter Eltern weiterhin den islamischen Religionsunterricht besuchen oder unterliegen dem Fastengebot im Ramadan. In Indien gibt es auf Ebene vieler Bundesstaaten sogenannte „Anti-Konversionsgesetze“, die einen Wechsel der Religionszugehörigkeit erschweren, solange es sich nicht um (Rück-)Bekehrungen zum Hinduismus handelt.

Ein (historischer) Grund für Konversionsverbote kann die Angst vor dem Eingreifen ausländischer Mächte sein. In vielen Ländern haben die Menschen die Erfahrung gemacht, dass Mission und Invasion Hand in Hand gehen können.

Ein Märtyrer ist jemand, der für seinen Glauben und aus Liebe zu Gott sein Leben hingibt. Als erster Märtyrer des Christentums wird in der Kirche der Heilige Stephanus verehrt, der um das Jahr 40 wegen seines Glaubens gesteinigt wurde. Während der Christenverfolgung im Römischen Reich wurden viele Christinnen und Christen umgebracht. Doch auch heute gibt es in den unterschiedlichen Ländern der Welt noch viele Menschen, die wegen ihres Bekenntnisses zum Christentum verfolgt und getötet werden und so zu Märtyrern werden.

Christinnen und Christen sollten dafür eintreten, dass der Begriff Märtyrer nicht missbraucht wird. Wer aktiv den Tod sucht, etwa als fanatischer Gewalttäter oder Selbstmordattentäter, ist aus christlicher Sicht kein Märtyrer.

In den Bereichen Familie, Ehe und Erbschaft sind Menschen weltweit Verletzungen der Religionsfreiheit ausgesetzt. In vielen Ländern gibt es beispielsweise kein ziviles Eherecht und die jeweiligen Vorschriften der registrierten Religionsgemeinschaften gelten. Das erschwert zum einen interreligiöse Eheschließungen, zum anderen wird Menschen, die keiner anerkannten Religionsgemeinschaft angehören, die Ehe verweigert. Betroffene konvertieren häufig vorübergehend oder schließen ihre Ehe im Ausland.

In den meisten muslimisch geprägten Ländern hat das klassische religiöse Recht gerade mit Blick auf den Personenstand großen Einfluss. Die Ehe zwischen einem Muslim und einer Jüdin oder Christin ist erlaubt, ein jüdischer oder christlicher Mann darf jedoch keine Muslimin heiraten. Im Falle einer Scheidung verliert die nichtmuslimische Frau das Sorgerecht über die Kinder. Ein Nichtmuslim darf einem Muslim weder sein Erbe überlassen, noch von ihm erben. Da im Falle einer gemischten Ehe das Kind automatisch Muslim ist, kann es zu Schwierigkeiten beim Zugang zum Erbe der eigenen Mutter kommen.

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Gerne ist Johannes Seibel für Sie da.

Johannes Seibel

Abteilungsleiter Kommunikation & Presse
Tel.: +49 (0)241 / 75 07 - 286
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