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PRESSEMITTEILUNG

Christen in Pakistan, Indien und Nigeria zu Weihnachten besonders gefährdet

Aachen - Partner des katholischen Hilfswerks berichten von angespannter Stimmung – Materieller Überlebenskampf prägt Weihnachten im Nahen und Mittleren Osten

Foto: Andy Spyra/missio
Indische Christinnen und Christen feiern Gottesdienst. Sie haben vor Weihnachten Angst vor Gewalt, die Hindu-Nationalisten schüren.

„Wir sind mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest in großer Sorge um die persönliche Sicherheit vieler Christen vor allem in Pakistan, Indien und Nigeria“, warnte Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio Aachen, am Dienstag in Aachen.

Nachdem Ende Oktober in Pakistan das Todesurteil gegen die Christin Asia Bibi durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben wurde, inszenierten islamistische Extremisten Straßenschlachten. Bis heute ist deswegen die Stimmung vor allem in der Provinz Punjab angespannt. „Unsere Partner rechnen damit, dass fanatische Islamisten an Weihnachten Anschläge auf Kirchen planen. Die Christen in Pakistan müssen in diesem Jahr sehr vorsichtig Weihnachten vorbereiten. Es sollen aber alle Gottesdienste wie geplant stattfinden“, so Prälat Krämer weiter. „In Pakistan sind die Christen in diesem Jahr wesentlich stärker als in den Vorjahren darauf angewiesen, dass die staatlichen Sicherheitskräfte für Sicherheit sorgen“, ergänzte der missio-Präsident.

In Indien stehen im kommenden Jahr Parlamentswahlen an, die jetzt schon die politische Stimmung anheizen. Die regierende Bharatiya Janata Party (BJP) und mit ihr verbundene Hindu-Nationalisten steigern ihre Rhetorik gegenüber Minderheiten wie Christen oder Muslimen. Erst am vergangenen Wochenende wurde in Nordindien im Bundesstaat Assam die Inneneinrichtung einer Kirche zerstört. „Unsere Partner berichten, dass fanatische Hindu-Nationalisten Christen zu Weihnachten mit Demonstrationen, Straßenblockaden, Vandalismus und Gewalt drohen. Die Fanatiker wollen verhindern, dass an öffentlichen Plätzen und Straßen weihnachtliche Symbole an das Fest erinnern, um so die Christen einzuschüchtern“, sagte Prälat Krämer.

Vor allem im indischen Bundesstaat Odisha, in dem vor zehn Jahren Pogrome gegen Christen rund 100 Tote und mehrere zehntausend Vertriebene forderten, ist die Lage prekär. „Unsere Partner rechnen dort mit gewalttätigen Übergriffen und sind in großer Sorge, dass Polizei und Behörden nicht genügend Schutz bieten“, so Krämer. „Wir dürfen das Schicksal der verfolgten Christen in Indien nicht vergessen, nur weil das Land eine aufstrebende Wirtschaftsmacht ist. Politik und Wirtschaft in Deutschland sind offensichtlich an guten Handelsbeziehungen interessiert. Sie erinnern die indische Regierung dabei aber zu wenig an deren Verantwortung, Christen nicht weiter zu diskriminieren und als Bürger zweiter Klasse zu behandeln“, kritisierte Prälat Krämer.

Nigeria wählt im kommenden Februar ein neues Parlament und einen neuen Präsidenten. Zudem durchlebt das Land eine Wirtschaftskrise. Insbesondere im Norden Nigerias können diese politischen Spannungen jederzeit in Gewalt umschlagen. „Unsere Partner bereiten sich vor Weihnachten auf Anschläge der Terrorgruppe Boko Haram vor. Aufgrund des Wahlkampfes können sie dabei nicht richtig einschätzen, ob und wie effektiv sie durch Polizei und Armee geschützt werden. Die Politiker stehen in Nigeria vor der Versuchung, durch das Manipulieren religiöser Gefühle Konflikte zu schüren, aus denen sie politisches Kapital schlagen wollen“, erklärt Prälat Krämer. „Darunter leiden dann vor allem Christen.“

„Für viele Christinnen und Christen weltweit wird es 2018 ein trauriges Weihnachten geben. Die Zahl der Länder, in denen die Religionsfreiheit in hohem Maß verletzt wird, nimmt stetig zu. Auch in ehemals kommunistischen Ländern nimmt die ideologische Überwachung und Bedrängnis der Gläubigen wieder zu. Dies beobachten wir insbesondere in Vietnam und China“, führte Prälat Krämer weiter aus.

Für die Christen im Nahen und Mittleren Osten prägen der materielle Überlebenskampf, die politische Instabilität und die Frage der Versöhnung nach Jahren der Gewalt Weihnachten. „Im Norden des Iraks zum Beispiel können die Christen in der Niniveh-Ebene nach ihrer Rückkehr zum zweiten Mal Weihnachten feiern. Das ist ein Erfolg. Aber es herrschen immer noch Angst vor einer Rückkehr des sogenannten Islamischen Staates, vor neuen bürgerkriegsartigen Kämpfen und großem Misstrauen zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionen und Ethnien“, berichtete missio-Präsident Prälat Krämer. „Für die Kirche im Irak ist die Frage, wie die verschiedenen verfeindeten Gruppen künftig wieder friedlich zusammenleben können, eine große Herausforderung.“ Zudem berichten die missio-Partner, dass neben Sicherheit und Frieden „ihr größter Weihnachtswunsch Arbeitsplätze sind, damit sie in der Ursprungsregion des Christentums auch weiterhin leben können“, so Prälat Krämer.


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