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Pressemitteilung

Weltsynode: Systemische Ursachen des Missbrauchs in den Blick nehmen

Das ist der Tenor des Gesprächsabends „Safeguarding and child protection“ am Rande der Weltsynode in Rom.

Gruppenbild des Gesprächsabends missio auf der Weltsynode zum Thema Missbrauch. Foto: missio/Falk Hamann
Am Rande der Weltbischofssynode sprachen auf Einladung von missio Aachen Christinnen und Christen aus Deutschland, Afrika und Asien über das Thema Prävention und Aufarbeitung von Missbrauch in der Kirche.

Für die katholische Kirche weltweit bleibt die Prävention und Aufarbeitung des Missbrauchs von Kindern und Erwachsenen durch Kleriker eine zentrale Aufgabe. Diese Botschaft müssen die Teilnehmenden der Weltsynode in den Blick nehmen, insbesondere sofern es die systemischen Ursachen des Missbrauchs betrifft. Aber auch das individuelle Leid jedes Betroffenen muss grundsätzlich Beachtung finden. Weiterer Missbrauch in seinen vielfältigen Formen ist durch die Intensivierung der Präventionsarbeit zu verhindern. Weltweit gilt es, von den Erfahrungen der jeweiligen Ortskirchen gegenseitig zu lernen. So lässt sich der Tenor des Gesprächsabends am 16. Oktober von missio@TheSynod zum Thema „Safeguarding and child protection“ am Rande der Weltsynode zusammenfassen.<o:p></o:p>

Johannes Norpoth, Sprecher des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz, sah es als eine „vertane Chance“ an, dass keine Betroffenen als Teilnehmende zur Weltsynode eingeladen wurden. Wenn Papst Franziskus Synodalität wirklich als Zuhören begreife, dann müsse das spätestens im kommenden Jahr in der zweiten Phase der Weltsynode geschehen. Betroffene seien Teil der Kirche und wollten an der Zukunft der Kirche mitwirken. Wenn der Missbrauch innerhalb der Kirche nicht aufgearbeitet werden, drohe ihr zumindest in Zentraleuropa die Marginalisierung, so Norpoth.

Aufarbeitung in verschiedenen Kulturen unterschiedlich angehen

Schwerpunkt der Diskussion war die Frage, inwieweit die gesamte Weltkirche schon die Notwendigkeit der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch erkannt und entsprechende Schritte unternommen habe. Hier berichtete etwa Erzbischof Bejoy Nicephorus D’Cruze OMI aus Dhaka von einem Projekt der Bischofskonferenz von Bangladesch. Die Bischofskonferenz hatte mit Unterstützung von missio Aachen extern untersuchen lassen, ob sie in diesem Bereich bereits gut aufgestellt sind beziehungsweise wo noch Defizite bestehen, und aus den Ergebnissen der Evaluation Lehren für die zukünftige Präventionsarbeit gezogen.  <o:p></o:p>

Das Thema Missbrauch sei in Bangladesch anfangs lediglich als Problem des Westens abgetan worden, berichtete Erzbischof D’Cruze. Aber die gemeinsame Beschäftigung mit dem Thema habe die Einsicht bestärkt: „Wir müssen auch bei uns mehr tun, auch wenn es ein langer Weg ist“, sagte Erzbischof D’Cruze, der Teilnehmer der Weltsynode ist.<o:p></o:p>

Der Jesuit A. Emmanuel Orobator SJ aus Nigeria wies darauf hin, dass es in der Kultur seiner Heimat ein gesellschaftliches Tabu sei, über religiöse Sexualmoral und Klerikalismus als systemische Ursachen für den Missbrauch zu sprechen. Genau das aber sei der Fall. Stattdessen würde Missbrauch, wenn er offenkundig wird, eher als individuelle Verfehlung eines Klerikers dargestellt.

Ordensschwestern sind auch Ziel von Ausbeutung und Missbrauch

Mit bei der Gesprächsrunde waren unter anderen auch Johanna Streit, Safeguarding-Referentin bei missio Aachen, und ihre Kollegin Susanne Brenner-Büker vom Kindermissionswerk ,Die Sternsinger‘ in Aachen. Sie stellte dar, dass es für jede Projektzusammenarbeit mit einem Partner eine Kindesschutzstrategie vorliegen müsse. „Das darf aber kein bloßes Papier bleiben, sondern soll tatsächlich eine Bewusstseinsänderung und konkrete Präventionsmaßnahmen anstoßen“, so Brenner-Büker. Das brauche einen langen Atem.<o:p></o:p>

Johanna Streit wies darauf hin, dass neben dem Schutz von Kindern vor Missbrauch auch dringend mehr für den Schutz von Ordensfrauen vor Ausbeutung und Missbrauch in der Weltkirche getan werden muss. „Dafür ist das Bewusstsein noch nicht stark genug entwickelt“, sagte sie. <o:p></o:p>


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Johannes Seibel

Leiter der Stabsstelle Presse & Kommunikation
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