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Bürgerkrieg beenden: Hilfe für den Kongo

Die Situation in der Demokratischen Republik Kongo ist angespannt. Vor allem der Osten des Landes leidet seit über zwanzig Jahren unter einem blutigen Bürgerkrieg. Grund ist der Kampf um Rohstoffe zwischen verschiedenen Interessensgruppen. Ausbeutung, Kriege und Korruption haben dazu geführt, dass das rohstoffreiche Land heute zu den ärmsten Staaten der Erde zählt.  Es ist auf Hilfsgüter und Versorgung von außen angewiesen. Unter gravierenden Menschenrechtsverletzungen leiden insbesondere Frauen. Vergewaltigungen werden als systematische Kriegswaffe eingesetzt.

  • Das bevölkerungsreiche Land in Zentralafrika zählt weit mehr als 78 Millionen Einwohner. Beinahe jeder zweite Einwohner ist katholisch. Rund 20 Prozent der Bevölkerung sind Protestanten.
  • 2017 unterstützte missio 63 Hilfsprojekte seiner Partnerinnen und Partner in der Demokratischen Republik Kongo mit rund 2,5 Millionen Euro. Die Demokratische Republik Kongo ist das von missio am meisten geförderte Land in Afrika. Die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Priester und Ordensleute werden insbesondere gebraucht, um die durch die schwierigen Verhältnisse im Land traumatisierten Menschen zu begleiten.
  • In der Demokratischen Republik Kongo ist die Arbeit der rund 85.000 Katecheten und Katechetinnen besonders wichtig. Sie kümmern sich beispielsweise um die Versorgung von Binnenflüchtlingen, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind.
  • missio setzt sich mit seinen Kampagnen der Aktion Schutzengel » für die Zukunft der Menschen in der Demokratischen Republik Kongo ein.
Zwei Frauen im Kongo bauen mithilfe von Schaufeln Rohstoffe ab. Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Zwei Frauen bauen Rohstoffe ab in der Kolwezi-Mine im Kongo.
Schwester Angélique trägt ein Kind im "Dorf der Hoffnung" in Dungu. Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Schwester Angélique kümmert sich um Waisenkinder wie dieses Mädchen im „Dorf der Hoffnung”.

Wahlen 2018 in der DR Kongo: „Wir müssen aufmerksam und kritisch bleiben“

Congolese Catholic Church (CENCO) Bishops Fidele Nsielele (L) Marcel Utembi (C) and Fridolin Ambongo (R) arrive to mediate talks between the opposition and the government of President Joseph Kabila in the Democratic Republic of Congo's capital Kinshasa, December 21, 2016. REUTERS/Thomas Mukoya - RC1BC19EBCE0

Als gebürtiger Kongolese beobachtet Christian Ndala, pädagogischer Mitarbeiter am missio-Truck „Menschen auf der Flucht“, die Situation in seiner Heimat genau. Für die Aktion Schutzengel fasst er die unübersichtliche Situation kurz vor der lang erwarteten Präsidentschaftswahl in der Demokratischen Republik Kongo, zusammen:

Nach dem Auslaufen seiner zweiten Amtszeit am 19. Dezember 2016 regiert Präsident Joseph Kabila ohne Legitimation. Eine weitere Kandidatur ist gemäß Verfassung für fünf Jahre ausgeschlossen. Die ursprünglich für den 27. November 2016 vorgesehene Wahl wurde mehrfach verschoben. Die katholische Kirche engagierte sich stark in den Verhandlungen für demokratische und friedliche Wahlen. Am 23. Dezember 2018 stehen nach einem immer wieder von Gewalt geprägten Wahlkampf nun 21 Kandidaten zur Wahl.

Warum ist die Situation kritisch?

Präsident Kabila organisiert zwar nun endlich Wahlen, aber wir müssen aufmerksam und kritisch bleiben:
 
Zum einen machte er in seiner Abschiedsrede vor anderen regionalen Machthabern keinen Hehl daraus, dass er den Abschied selbst nicht ernst nimmt. Seine Rede schloss er mit einem „bis bald“ ab. Alles deutet auf die Strategie hin, seine Amtszeit erneut durch eine zweite Phase des ‚Dialogs‘ zu verlängern - zumindest bis 2021. Denn im Jahr 2021 endet die gesetzlich vorgeschriebene fünf-jährige Pause für einen Präsidenten nach zwei Mandaten. Dann könnte er erneut kandidieren.
 
Zum anderen lehnt Kabila, anders als bei den letzten Wahlen, finanzielle Unterstützung und Wahlbeobachter der Vereinten Nationen ab. In der Folge mangelt es an Organisation, Logistik und Sicherheit. Nach wie vor ist die Zivilbevölkerung Opfer von Massakern. Unabhängigkeit und Souveränität werden skandiert, doch es mangelt an Verantwortlichkeit, Kompetenz, Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit  Es herrscht der Eindruck, dass gezielt Chaos zugelassen bzw. befördert wird.
 
Und schließlich hat die Wahlkommission entgegen dem Wahlgesetz und trotz massiver Proteste die Stimmzettel zugunsten von Wahlmaschinen abgeschafft. Niemandem hat vergessen, dass Kabila bereits 2006 und 2011 mit sehr fraglichen Ergebnissen zum Sieger der Wahlen erklärt wurde. Wenn dies schon bei Wahlen mit Stimmzetteln und unter internationaler Beobachtung der Fall war, so ist dies erst recht bei einer Wahl mit Wahlmaschinen zu befürchten, deren Zuverlässigkeit niemanden überzeugt.
 
Wer sind die wichtigsten Akteure?

Die Regierungspartei PPRD schickt den Kabila nahestehenden ehemaligen Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary ins Rennen. Er gilt als Hardliner und war während der Aufstände gegen Kabila für das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten verantwortlich.

Ihm gegenüber steht eine gespaltene Opposition. Die Kandidatur der beiden einflussreichsten Akteure, Moïse Katumbi und Jean-Pierre Bemba, wurde von der Wahlkommission für ungültig erklärt. Katumbi hat lange Zeit als Gouverneur in der rohstoffreichen Provinz Katanga gearbeitet und lebt jetzt im Exil. Bemba – ein ehemaliger Chef der von Uganda unterstützten Rebellion im Kongo – ist nach seiner Verurteilung durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, nach zehn Jahren Haft wieder frei und aktiv.

Im November entschieden sich sieben Oppositionsvertreter für Martin Fayulu als gemeinsamen Kandidaten. Er hat jedoch keine starke Partei im Rücken und lehnt die Wahl mit Wahlmaschinen radikal ab. Félix Tshisekedi und Vital Kamerhe, die bis dahin in den Umfragen führenden Oppositionsvertreter, schlossen sich daraufhin zusammen. Kamerhe stützt nun Tshishekedi, dessen Partei noch stärker in der Bevölkerung verankert ist.
 
Wahlmaschinen – ja oder nein?

Die Opposition hat trotz ihrer Spaltung immer noch bessere Chancen als Shadary, der Kandidat von Kabila. Aber dies nur unter Voraussetzung von korrekt durchgeführten Wahlen. Es ist offensichtlich, dass dies nicht der Fall sein wird. Wird die Wahl wegen des Streits um die Verwendung von Wahlmaschinen blockiert, würde dies einen x-ten Dialog, also ein Wiedereintreten von Katumbi und Bemba in den Prozess bedeuten. Dies wäre gleichzeitig eine sichere Verlängerung der Amtszeit von Kabila, was zu einem endlosen Prozess werden könnte.
 
Inzwischen haben Katumbi und Bemba offiziell auf ihre Formel „Wahlen ja, aber ohne Wahlmaschinen“ verzichtet und die Formel von Tshisekedi und Kamerhe „mit oder ohne Wahlmaschinen, unbedingt die Wahlen“ übernommen. Dabei wird zumindest erhofft, dass Kabila weg ist; dass sein Versprechen, endlich selbst abgewählt zu werden und abzutreten, beim Wort genommen wird.

Welche Rolle spielt die katholische Kirche?

Den Vätern der katholischen Kirche im Kongo ist es gelungen, sich durch ihren mutigen Widerstand gegen die koloniale Politik und die darauffolgenden Diktaturen als ein besonders wichtiger und vertrauensvoller Partner im Kampf für Demokratie, Menschenrechte und ein würdiges Leben zu behaupten. Im kollektiven Bewusstsein hat die Kirche einen Sonderstatus. Daher erwartet die Bevölkerung von ihr eine Stellungnahme oder einen Einsatz zur Lösung einer politischen Krise. Aufgrund dieses Vertrauens und der starken und organisierten Präsenz der Kirche (im Unterschied zu der des Staats) überall im Land könnte sie bei den kommenden Wahlen eine große Rolle spielen, zumal Kabila Beobachter von außen nicht gern sieht. Die katholischen Bischöfe haben sich mutig und besonnen für die Wahlen eingesetzt.
 
In ihrer Botschaft vom 22. November 2018 macht die katholische Bischofskonferenz der DR Kongo aber auch aufmerksam auf einen zentralen wunden Punkt: „Die anscheinend geplante Unsicherheit wirkt sich auf unser Land aus, als würde es zu einer Balkanisierung kommen.“ Diese Befürchtung ist nach den bisherigen Erfahrungen sehr ernst zu nehmen.

Helfen Sie den Menschen im Kongo!

Infobox

Der „Human Development Index“ (HDI) ist ein Instrument der Vereinten Nationen. Damit wird der Entwicklungsstand von 188 Ländern angegeben. Die Grafik zeigt die Platzierung des jeweiligen Landes auf diesem sogenannten HDI.

Die Statistik zur Religionsverteilung stammt aus dem Jahr 2010. Neuere Statistiken liegen nicht vor. Es kann heute zu leichten Veränderungen gekommen sein.

Impressionen aus der DR Kongo

DR Kongo: Lage der Menschenrechte und „Saubere Handys“

Die Lage der Menschenrechte in der DR Kongo ist höchst kritisch. Das Land geriet nach der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1960 in eine jahrzehntelange vielschichtige Krise, deren traurige Höhepunkte seit 1996 immer wiederkehrende Gräueltaten darstellen.

Wir von missio fordern die Bundesregierung unter anderem dazu auf, sich bei den Vereinten Nationen dafür einzusetzen, dass die ausländischen Rebellen, die vor allem im Osten der DR Kongo die Menschen terrorisieren, entwaffnet und außer Landes gebracht werden. Direkt an die auf Rohstoffe angewiesenen Mobilfunkhersteller appelliert missio mit der Aktion „Saubere Handys“, keine direkten oder indirekten Geschäfte mit Rebellen einzugehen

Nur so kann die sich gegen die Zivilbevölkerung richtende Gewalt beendet und die Situation im Kongo verbessert werden.