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Internationaler Tag gegen Hexenwahn

Bettina Flitner / missio
1. Internationaler Tag gegen Hexenwahn am 10. August 2020

Um ein Zeichen gegen den Hexenwahn weltweit und für Menschenrechte zu setzen, hat missio den Internationalen Tag gegen Hexenwahn ins Leben gerufen. Der Gedenktag wird erstmalig am 10. August 2020 begangen und ist allen Opfern von Hexenverfolgung, insbesondere der jungen Mutter Cristina aus einem Dorf in Papua-Neuguinea und der Baldegger Ordensfrau Lorena Jenal, gewidmet. Schwester Lorena ist nicht nur langjährige missio-Partnerin, sondern auch Glaubenszeugin, die ihren Glauben an Gott mit ihrem aufopferungsvollen Kampf gegen den Hexenwahn auf eine ganz besondere Weise bestätigt.

Gemeinsam mit Schwester Lorena macht missio am Internationalen Tag gegen Hexenwahn auf das Unrecht von Kindern, Frauen und Männern aufmerksam, die als vermeintliche Hexen beschuldigt, verfolgt und in vielen Fällen getötet werden. Berichte über solche Hexenverfolgungen sind heute vor allem aus Afrika, Südostasien und Lateinamerika bekannt. Die Gründe für die Beschuldigungen von Menschen als angebliche Hexen sind vielfältig. Der Glaube an Hexerei spielt dabei eine Rolle. Aber auch Armut, Not, Epidemien, soziale Krisen und mangelnde Bildung gelten in vielen Fällen aus Auslöser.

In diesen 36 Ländern leiden Menschen unter Hexenwahn

Legende zur Karte

Die vorliegende Karte markiert Länder, aus denen valide Informationen über Gewalt im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Hexerei in der vergangenen Jahrzehnte vorliegen (Stand: Juni 2020). Die Übersicht basiert auf Daten der UNHCR, des Witchcraft & Human Rights Information Network (WHRIN), deacademic.com     sowie auf Medienberichterstattung, missio-Recherchen und Informationen von missio-Projektpartnern.

Die Karte erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Datenlage zum Thema ist schwierig, zumal viele Fälle von Gewalt im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Hexerei nicht an die Öffentlichkeit geraten, der Wahrheitsgehalt von Berichten schwer verifizierbar ist und Regierungen oft wenig Interesse daran haben, Vorfälle aufzuklären und darüber zu informieren.

Wenn Sie seriöse Hinweise oder Berichte über Gewalt im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Hexerei aus weiteren Ländern haben, kontaktieren Sie uns bitte unter .

Fragen und Antworten (FAQ)

In der Vergangenheit erreichten missio zunehmend Stimmen von Partnerinnen und Partnern aus der ganzen Welt, die von einer neuen Welle der Menschenrechtsverletzung im 21. Jahrhundert berichteten: Dem sogenannten Hexenwahn. Hierbei werden wehrlose Frauen, Männer und Kinder für gesellschaftliche Probleme verantwortlich gemacht und auf besonders qualvolle Weise bestraft. So fesseln die Täter die Opfer an Pfählen von brennenden Scheiterhaufen und prügeln mit glühenden Eisenstangen sie ein. Oftmals endet diese Tortur tödlich.

Um diesem Verbrechen ein Ende zu setzen, hat sich missio dazu entschlossen, am 10. August 2020 erstmalig den Internationalen Tag gegen Hexenwahn auszurufen. Auf diese Weise setzen wir ein Zeichen im Kampf gegen den menschenverachtenden Aberglauben und leisten zudem wichtige Aufklärungsarbeit.

Dass sich missio zum Bekanntgeben des Gedenktages für den 10. August entschieden hat, ist kein Zufall: Am 10. August 2012 gelang es Cristina, einer jungen Mutter in einem Dorf in Papua-Neuguinea, der Folter der Hexenjäger mit einem raffinierten Trick zu entkommen: Um das Martyrium zu beenden, greift Cristina zu einem Stein und simuliert damit eine Hexengeburt. Der mit Lehm und Blut beschmierte Stein zwischen ihren Beinen wird von den Männern für das Böse in ihr gehalten, woraufhin die Folterer von ihr ablassen.

Seitdem kämpft sie mit der Schweizer Ordensschwester Lorena Jenal, einer langjährigen Partnerin von missio, für Gerechtigkeit, denn die Täter sind weiter auf freiem Fuß.

Laut einem Bericht der Vereinten Nationen tritt der sogenannte Hexenwahn „zu allen Zeiten und über den Globus verteilt” auf und tauche in sowohl christlich, muslimisch als auch in buddhistisch und hinduistisch geprägten Regionen auf. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Hexenverfolgungen der Vergangenheit angehören, finden sie heutzutage in noch 36 Ländern der Welt, überwiegend Afrika, Südostasien und Lateinamerika statt. In der Demokratischen Republik Kongo sowie anderen afrikanischen Ländern ist das Phänomen des Hexenwahns eng mit dem Glauben an sogenannte Hexenkinder verbunden.

In diesen 36 Ländern leiden Menschen unter Hexenwahn. Grafik: W.W.S.! / missio
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Cristina (r.) mit ihrem Sohn Jonathan und ihrer Mutter Martha und Sr. Lorena. Foto: Bettina Flitner / missio
Cristina (r.) mit ihrem Sohn Jonathan und ihrer Mutter Martha und Sr. Lorena. Sie ist Überlebende einer „Hexen”-Verbrennung 2012 in der Nähe von Mendi und wohnt nun weit entfernt in Kundiawa, Papua-Neuguinea

Als die Baldegger Ordensfrau Lorena Jenal 1979 das erste Mal nach Papua-Neuguinea reiste, trugen die Menschen dort noch Röcke aus Gras. Doch als die Moderne Einzug in Papua-Neuguinea erhalten hatte, veränderte sich das Land radikal. Dies überfordert die Menschen bis heute, die sich als Folge dessen an den Hexenglauben klammern. Um dem Hexenwahn endlich ein Ende zu setzen, setzt sich Schwester Lorena nicht nur für die Opfer und ihre Familien ein, sondern leistet wichtige Aufklärungsarbeit. Wenn sie mit den Tätern spricht, so hofft sie inständig, wird der Hexenwahn künftig nur noch ein böses Märchen sein. Gleichzeitig baut sie ein Zentrum für alle Opfer der Hexenjagd, in dem sie medizinisch und emotional versorgt werden können. Für ihre Arbeit wurde Schwester Lorena Jenal 2018 mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet.

Schwester Lorena Jenal ist eine der 16 Glaubenszeuginnen und -zeugen von missio. Sie alle setzen sich unermüdlich für das Leben anderer ein und bezeugen auf ganz besondere Weise den liebevollen, menschenfreundlichen Gott. Auf den Glauben an Gott gründen sie ihr Leben. Wie die Glaubenszeugen » diesen leben, ist oft ganz unterschiedlich, doch ihren Beweggrund, der sie antreibt, haben sie meist gemeinsam:

Denn Du hast uns auf dich hin geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.

(Hl. Augustinus, Confessiones 1,1)

Wenn Sie sich weiter über Papua-Neuguinea und das Phänomen des Hexenwahns informieren möchten, laden Sie sich gerne die Menschenrechtsstudie Nr. 73 „Gewalt im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Hexerei in Papua-Neuguinea” herunter. Darin beschreibt die australische Professorin Miranda Forsyth, wie die Fälle von Hexenverfolgung dort in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen haben.

Des Weiteren plant missio, im Juli 2020 eine neue Menschenrechtsstudie zu der Lage in Papua-Neuguinea herauszugeben.

Im Rahmen der Solidaritätsaktion „Meine Stimme für Cristina” planen missio und Schwester Lorena zahlreiche Maßnahmen im Kampf gegen den Hexenwahn, darunter Appelle und Gespräche bei den Vereinten Nationen. Bei jeder Aktion wird die aktuelle Zahl der Stimmen für Cristina bekannt gegeben. Bedeutsam ist dies auch, wenn Papst Franziskus seine geplante Reise nach Papua-Neuguinea antreten und über Nächstenliebe und Menschenrechte sprechen wird. Bei dieser Gelegenheit will missio ein einzigartiges Buch mit allen Stimmen für Cristina, mit Gebeten und Botschaften an Schwester Lorena und Cristina überreichen.

Hexenverfolgung heute

Hilferuf aus Papua-Neuguinea

Von grausamen Menschenrechtsverletzungen berichtet die missio-Projektpartnerin Schwester Lorena. Sie kämpft gegen die Hexenprozesse, bei denen unschuldige Frauen öffentlich gefoltert werden. missio unterstützt die Ordensschwester bei ihrem Engagement gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit und setzt mit dem Internationalen Tag gegen Hexenwahn ein Zeichen für Menschenrechte.

Grußbotschaften zum Internationalen Tag gegen Hexenwahn (10. August 2020)

Ein Hilfeschrei aus fernen Ländern

Dieser Internationale Tag gegen Hexenwahn hat eine große Bedeutung für uns in Papua-Neuguinea und all den anderen Ländern. Gleichzeitig ist er ein Hilfeschrei, mit dem wir um Unterstützung im Kampf gegen diese Menschenrechts-verletzungen flehen. Ich bin missio und den Spendern dankbar, dass ich mit dieser Hilfe so viele Frauen retten kann. Cristina ist eine von ihnen. Es erfüllt mich mit Stolz, weil dieser mutigen Überlebenden der Internationale Tag gewidmet ist.

Schwester Lorena Jenal, Papua-Neuguinea

Sr. Lorena und Sr. Gaudencia mit Fotos von „Hexen”-Folterungen Foto: Bettina Flitner / missio
Sr. Lorena (links) und Sr. Gaudencia zeigen Fotos von "Hexen"-Folterungen in Papa-Neuguinea
Schwester Stan und Waisenkind Precious, die im Rollstuhl sitzt. Foto: Fritz Stark/missio
Schwester Stan Terese Mario Mumuni klärt in Ghana über das Thema Hexenverfolgung auf.

Hexenjagd – Ordensschwestern klären auf

Der Internationale Tag gegen Hexenwahn kann helfen, die Arbeit meines Ordens – den Marian Sisters of Eucharistic Love – voranzubringen: Im Nazareth-Heim kümmern wir uns nicht nur darum, die Kinder, die Opfer von kulturellen Praktiken der Hexenverfolgung » werden mussten, zu retten. Wir leisten auch Aufklärungsarbeit in der Gesellschaft gegen die Hexenjagdpraktiken. Denn sie finden in vielen Teilen des Landes statt und die Regierung tut nichts dagegen.

Schwester Stan Terese Mario Mumuni, Ghana

Früher wie heute: Sündenbock gesucht 

Der Internationale Tag gegen Hexenwahn ist für uns in der Schweiz und speziell im Anna Göldi Museum bedeutsam, weil es wichtig ist, aufzuzeigen, dass auch heute noch Menschen ausgegrenzt, gefoltert und hingerichtet werden. Er soll bewusst machen, dass Unschuldige – wie einst Anna Göldi, die 1782 Opfer eines Justizmordes wurde – weiterhin zu Sündenböcken gemacht werden. Deshalb sind Aufklärung und Engagement notwendig, um weiteres Unrecht verhindern zu können.

Fridolin Elmer, Schweiz

Bettina Flitner / missio
Eröffnung der Ausstellung "Hexenjagd in Europa" mit Bettina Flitner (Fotografin), Fridolin Elmar (Anna Göldi Museum) und Jörg Nowak (missio Aachen) v.l.n.r.
Sozialarbeiterin und missio-Projektpartnerin Thérèse Mema umarmt eine Frau aus dem Traumazentrum. Foto: Bettina Flitner/missio
Thérèse Mema Mapenzi hilft misshandelten Frauen in der Demokratischen Republik Kongo

Misshandelt, verstoßen und verlassen

Es ist wichtig, den Internationalen Tag gegen Hexenwahn zu begehen, denn in der DR Kongo werden seit Jahren viele Frauen und Kinder Opfer von Misshandlungen », nachdem sie der Hexerei beschuldigt wurden. Die Welt scheint ihre Situation zu ignorieren. Im Fall der Kinder sind es meist Mädchen, die beschuldigt werden. Sie haben keinen Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung. Sie sind auf der Straße, wo sie Gewalt aller Art ausgesetzt sind, einschließlich sexueller Gewalt.

Thérèse Mema Mapenzi, DR Kongo

Hoffnung auf Besserung

Der Internationale Tag gegen Hexenverfolgung ist für uns und unserer Arbeit hier in Burkina Faso » sehr hilfreich, denn nicht nur die Opfer selbst, sondern auch die Kinder und Familien der Opfer sind von diesen Praktiken der Hexenjagd schwer betroffen. Außerdem untermauert der Gedenktag die Bemühungen der Regierung und der Zivilgesellschaft, diese Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Wir stellen ermutigend fest, dass sich die Situation im Land zwar verbessert - aber leider nur sehr langsam.

Schwester Vickness Nangogo Muleya, Burkina Faso

Eine Frau, die der Hexerei beschuldigt und verjagt wurde, im Schutzzentrum Delwendé, Burkina Faso. Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Schwester Vickness Nangogo Muleya kümmert sich um die Opfer von Hexenverfolgung in Burkina-Faso
Pfarrer Dirk Bingener vor dem Aachener Dom Foto: Julia Steinbrecht / KNA
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident von missio Aachen. Fotografiert wurde er hier vor der Silhouette des Aachener Domes.

Hilfsprojekte für Frauen, Kinder und Männer

Der Internationale Tag gegen Hexenwahn macht auf eine neue Welle von Menschenrechtsverletzungen in mehr als 30 Ländern aufmerksam. Zu lange wurde übersehen und dazu geschwiegen, dass ein menschenfeindlicher Aberglaube benutzt wird, um wehrlose Frauen, Kinder und Männer zu Sündenböcken für gesellschaftliche Probleme zu machen. missio unterstützt mit Spenden die Projektpartner, die für diese Menschen kämpfen.

Pfarrer Dirk Bingener, Präsident missio Aachen, Deutschland

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