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Ordensfrauen und Missbrauch

Anfang Januar wurde unsere erste Ausgabe von Forum Weltkirche im neuen Jahr 2020 veröffentlicht. Das Thema: „Ordensfrauen und Missbrauch“. Seitdem erreichen unsere Redaktion zahlreiche Briefe und E-Mails von Leserinnen und Lesern. Besonders viele Rückmeldung haben wir bislang von Ordensschwestern und in der Kirche engagierten Frauen erhalten. Aber auch zahlreiche Priester haben uns kontaktiert und sich für die Veröffentlichung des Heftes bedankt. Über das große Interesse und die positiven Rückmeldungen haben wir uns sehr gefreut. Besonders diejenigen, die sich schon längere Zeit mit dieser Thematik beschäftigen, ließen uns wissen, dass sie sich durch die aktuelle Ausgabe in ihrem Tun bestärkt fühlen. Dass wir unsere erste Ausgabe in diesem Jahr zu diesem sensiblen und vielschichtigen Thema überhaupt publizieren konnten, verdanken wir unseren mutigen Autorinnen, die sich bereit erklärt haben, ihre (weltkirchlichen) Erfahrungen für Forum Weltkirche zu dokumentieren und so mit der Leserschaft zu teilen. Einige der Leserbriefe stehen am Ende des Beitrags.

Doch zunächst fassen wir zusammen, was es in der neuen Ausgabe zu lesen gibt.

 „Die Kirche ist eine Mutter - und eine Mutter schlägt man nicht“. Dieses Zitat stammt aus dem deutschen Film „Verfehlung“, welcher den wiederholten sexuellen Missbrauch durch einen Kleriker thematisiert. Als dessen Taten durch einen Mitbruder aufgedeckt werden, wird Letzterer durch den Ortsbischof mit obiger Erklärung zum Stillschweigen ermahnt.

Doch genau diese Praxis des Stillschweigens ist es, so zeigt die ehemalige Ordensschwester Majella Lenzen in ihrem Beitrag auf, die den Missbrauch ermöglicht hat. Längst hat sich gezeigt, dass auch Ordensfrauen zu den Opfern sexualisierter Gewalt zählen. Dabei beschränkt sich Missbrauch nicht nur auf die physische Form, sondern umfasst auch den emotionalen, geistigen und spirituellen Missbrauch. Bereits zu Beginn der 2000er-Jahre machte Lenzen darauf aufmerksam, dass Priester die Unerfahrenheit und Abhängigkeit der Ordensschwestern ausnutzen.

Foto: missio / privat
Majella Lenzen heute. Noch immer setzt sie sich für missbrauchte Ordensschwestern ein und hält öffentliche Lesungen.

Auch die philippinische Ordensfrau Mary John Mananzan berichtet, dass afrikanische und asiatische Schwestern von Priestern zu sexuellen Diensten aufgefordert werden. Die Begründung: Man wolle sich nicht durch den Kontakt mit nicht zölibatär lebenden Frauen mit Aids infizieren. Nontando Hadebe stellt in ihrem Beitrag die Arbeit und Handlungsstrategien des Circle of Concerned African Women Theologians vor. Sie hinterfragt dabei theologische Muster, die das Patriarchat in der Kirche festschreiben. Lorraine Pholotho ergänzt diese Perspektive durch ihren Text über die jüngsten geschlechterspezifischen Gewaltakte in Südafrika.

Foto: missio / Mary John Mananzan
Von 1986 bis 2014 war Mary John Mananzan (2. von links in der vorderen Reihe) die Vorsitzende von Gabriela. Die Frauenorganisation unterstützte 2015 in Manila die globale Kampagne 1 Billion Rising (Eine Milliarde erhebt sich), die sich für ein Ende von Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für die Gleichstellung der Geschlechter einsetzt. Die »eine Milliarde« bemisst sich an einer UN-Statistik, laut der jede dritte Frau vergewaltigt oder Opfer von schwerer Körperverletzungwird.

Im deutschsprachigen Kontext wurde das Thema der sexualisierten Gewalt erst durch die ehemalige Ordensschwester Doris Reisinger angestoßen, die mit ihren persönlichen Missbrauchserfahrungen durch einen Kleriker an die Öffentlichkeit trat. Reisinger plädiert für die Selbstbestimmung von Ordensfrauen und -männern in spirituellen Fragen. Spiritueller Missbrauch kann ihrer Ansicht nach noch schwerwiegendere Folgen haben als sexualisierte Gewalt.  

Bei Interesse an unserem Heft, können Sie dieses über den Herder Verlag bestellen:

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

Foto: missio / privat
Die Studierenden der katholischen Hochschule Sankt Augustin in Johannesburg versammeln sich in der Hochschulkapelle für eine Schweigeminute zum Gedenken an die jüngsten Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt. Auf dem Plakat der Studentin in der Mitte steht geschrieben:»Am I next?« (»Bin ich die Nächste«?).
Foto: missio / privat
Unter dem Hashtag #EnoughIsEnough demonstrieren Nontando Hadebe und ihre Schüler der Heritage High School in Johannesburg (Mitte) gegen die steigende Zahl von Vergewaltigungsfällen in Südafrika.

Leserbriefe

Nachfolgend finden Sie einige Reaktionen unserer Leserinnen und Leser mit Bezug auf die Heftausgabe zu „Ordensfrauen und Missbrauch“.

Sr. Dr. Katharina Ganz, Generaloberin der Dienerinnen der hl. Kindheit Jesu OSF, Kloster Oberzell, schrieb:

Sehr geehrte Damen und Herren, 
mit großem Interesse habe ich die Ausgabe 1/2020 "Ordensfrauen und Missbrauch" Ihrer Zeitschrift Forum Weltkirche gelesen. 
Da wir auch Schwestern und Einrichtungen in Südafrika haben, wäre ich sehr daran interessiert, die Beiträge von S. 27-34, die über die Gewalt an Frauen in Südafrika handeln, in der Originalsprache lesen und an unsere Schwestern weiterleiten zu dürfen. 


Mit allen guten Wünschen für das noch frische neue Jahr(zehnt) grüßt Sie aus dem Kloster Oberzell, 

Sr. Dr. Katharina Ganz

Frau Dr. Barbara Haslbeck, Fachreferentin Weiterbildung Freising, schrieb:

Danke für die Zusendung der aktuellen Ausgabe, die mir sehr gut gefällt. Ich habe in meiner Biografie einiges an „Weltkirchen-Erfahrung“ und deshalb interessiert mich die Zeitschrift besonders.

Die aktuelle Ausgabe ist inhaltlich ausgezeichnet – großes Kompliment! Toll Ihr Einstieg mit dem Satz zur Mutter. Danke, dass Sie auf Gottessuche hinweisen. Mir gefällt an der Zeitschrift, dass die Fotos vielfach „selbstgemacht“ sind, wenig Agenturbilder. Das Coverbild ist richtig stark. Dadurch bekommt das Ganze einen sehr individuellen Charakter. Bei kritischer Durchsicht fiel mir auf, dass mir im Inhaltsverzeichnis die Autorennamen fehlen. Sie haben tolle Autoren und das würde ich deutlich sichtbar machen.

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Haslbeck

Sr. Susanne Schneider MC, Missionarinnen Christi, München, schrieb:

Liebe Frau Wagner,

Sie haben mir zwei Ausgaben des Forums Weltkirche - Ordensfrauen und Missbrauch - geschickt und mich aufgefordert, Ihnen zu schreiben... das tue ich hiermit!

Der Grund ist, dass ich Ihnen danken möchte, dass sie dieses wichtige Thema aufgreifen.

Ich selbst bin Missionarin Christi, arbeite seit 2016 bei missio München und bin hier in München in einer Gruppe OrdensFrauen für MenschenWürde  sehr engagiert.

Das Kernteam dieser Gruppe besteht aus Missionsbenediktinerinnen aus Tutzing - Sr. Mary John Mananzan gehört dazu - und Missionarinnen Christi aus München und wir sind internationale Gemeinschaften. Insofern wissen wir, was sexueller Missbrauch an Ordensfrauen bedeutet.

Die Gruppe bereitet gerade eine - für unsere Verhältnisse - große Veranstaltung für den 08. März vor. Ich selbst bin Theologin und arbeite privat  zum Thema "Spiritueller Missbrauch".

Ihnen ganz viele herzliche Grüße,

Sr. Susanne Schneider

Gebet von Michael Lehmle, Priester im Erzbistum Köln:

nimm der kirche den missbrauch

gib den menschen die liebe

 

nimm der kirche den himmel

schenke der welt frieden

 

nimm der kirche alle gewalt

heile die verwundeten

 

nimm der kirche ihren reichtum

gib den armen in die hand und das herz

 

nimm der kirche die lügen

teile die menschenrechte mit allen

 

nimm der kirche ihre finsternis

damit alle im licht sind

 

nimm der kirche ihre selbstgerechtigkeit

lass alle am glück teilhaben

 

nimm der kirche alles

so dass wir wieder das gute wollen

Michael Lehmle

 


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