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Im Gebet für die Menschen in Hongkong und China

Kardinal Charles Maung Bo ist Erzbischof von Yangon in Myanmar. Er äußert seine Sorge über das neue Sicherheitsgesetz für Hongkong, das die Volksrepublik China erlassen hat. Er befürchtet eine Einschränkung der Freiheiten in der Sonderverwaltungszone und ruft für die Menschen dort und in ganz China zum Gebet auf.

 

Im Namen der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen rufe ich Christen aller Traditionen und Menschen aller Glaubensrichtungen in ganz Asien und der Welt auf, mit großer Eindringlichkeit für Hongkong, ja sogar für China und sein ganzes Volk zu beten.

Die chinesische Regierung hat ein neues nationales Sicherheitsgesetz für Hongkong erlassen. Dies geschah ohne systematische Konsultation der Öffentlichkeit. Dieses Gesetz schränkt die Freiheiten Hongkongs ernsthaft ein und zerstört den "hohen Grad an Autonomie" der Stadt, der nach dem Grundsatz "Ein Land, zwei Systeme" versprochen wurde. Diese Aktion bringt eine höchst bedeutsame Änderung der Verfassung Hongkongs mit sich und ist eine Beleidigung für Geist und Buchstaben des Übergabevertrages von 1997.

Hongkong ist eines der Juwelen Asiens, eine "Perle des Orients", ein Scheideweg zwischen Ost und West, ein Tor zu China, ein regionaler Knotenpunkt für den Freihandel und hat bisher eine gesunde Mischung aus Freiheit und Kreativität genossen.

Ein nationales Sicherheitsgesetz ist an sich nicht falsch. Jedes Land hat das Recht, Gesetze zum Schutz der nationalen Sicherheit zu erlassen. Eine solche Gesetzgebung sollte jedoch mit dem Schutz der Menschenrechte, der Menschenwürde und der Grundfreiheiten in Einklang gebracht werden. Die Verhängung des Gesetzes durch den Nationalen Volkskongress Chinas schwächt den Legislativrat Hongkongs und die Autonomie Hongkongs ernsthaft. Sie verändert die Identität Hongkongs radikal.

Kardinal Charles Maung Bo ist Erzbischof von Yangon in Myanmar. Auch wenn die Situation in seinem Land noch nicht dramatisch ist, so sieht er doch die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht. Für ihn sind deshalb Planung und Zusammenarbeit die wichtigsten Mittel im Kampf gegen die Epidemie. Foto: missio
Kardinal Charles Maung Bo ist Erzbischof von Yangon in Myanmar. Er ist sehr besorgt über die aktuelle Lage in Hongkong.

Ich bin besorgt, dass das Gesetz eine Bedrohung für die Grundfreiheiten und Menschenrechte in Hongkong darstellt. Dieses Gesetz untergräbt potenziell die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Freiheit der Medien und die akademische Freiheit. Die Religions- und Glaubensfreiheit ist zweifellos gefährdet.

Vielen Berichten zufolge leidet die Religions- und Glaubensfreiheit in Festlandchina unter den schlimmsten Einschränkungen seit der Kulturrevolution. Selbst wenn die Religions- und Glaubensfreiheit in Hongkong nicht direkt oder unmittelbar betroffen ist, könnten das neue Sicherheitsgesetz und seine weitgehende Kriminalisierung von "Subversion", "Sezession" und "Kollaboration mit ausländischen politischen Kräften" dazu führen, dass z.B. religiöse Predigten überwacht, Gebetswachen bei Kerzenlicht kriminalisiert und Gotteshäuser, die den Protestierenden Zuflucht oder Nahrung bieten, schikaniert werden. Ich bete darum, dass dieses Gesetz der Regierung keine Lizenz zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten religiöser Organisationen und in die von ihnen für die Öffentlichkeit erbrachten Dienstleistungen erteilt.

Meinen Mitbischöfen und Mitpriestern, die ihre Predigten vorbereiten, dem protestantischen Klerus, wenn sie über ihre Predigten nachdenken, und auch den religiösen Führern anderer Glaubensrichtungen, die ihre Gemeinden unterweisen müssen, sollte klare Zusicherung gegeben werden. Die Beteiligung religiöser Gremien an sozialen Angelegenheiten sollte nicht gestört werden. Die Bestimmungen des Grundgesetzes von Hongkong garantieren die Glaubensfreiheit. Werden religiöse Führer jetzt dafür kriminalisiert werden, dass sie über Menschenwürde, Menschenrechte, Gerechtigkeit, Freiheit und Wahrheit predigen? Wir haben aus schwerer Erfahrung gelernt, dass überall dort, wo die Freiheit als Ganzes untergraben wird, die Religions- und Glaubensfreiheit - früher oder später - beeinträchtigt wird.

Im vergangenen Jahr hat es in Hongkong viele Proteste gegeben, die meisten davon friedlich. Doch während über 9.000 Demonstranten verhaftet wurden, wurde kein einziger Polizeibeamter für ihre unverhältnismäßige Brutalität zur Rechenschaft gezogen. Wir sind der Ansicht, dass alle - Demonstranten und Polizeibeamte - nach dem Gesetz zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Es ist unerlässlich, dass die den Unruhen zugrunde liegenden Ursachen beseitigt werden und dass sinnvolle Reformen und Kompromisse erreicht werden. Dieses Gesetz zur nationalen Sicherheit droht die Spannungen zu verschärfen, nicht aber Lösungen zu bieten.

Aus diesen Gründen und im Geiste der Propheten, Märtyrer und Heiligen unseres Glaubens fordere ich die Menschen auf, für Hongkong zu beten. Beten Sie für die Staats- und Regierungschefs Chinas und Hongkongs, dass sie die Versprechen einhalten, die sie Hongkong gegeben haben, das Versprechen, grundlegende Freiheiten und Rechte zu schützen. Ich möchte alle eindringlich bitten, für den Frieden zu beten.


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