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Tansania: Es herrschen noch Besorgnis und Furcht

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Marita Wagner interviewt Thomas Kochalumchuvattil aus Tansania.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Als sich die COVID-19-Pandemie in Tansania ausbreitete, kündigte die Regierung die teilweise Schließung von Schulen (Grund- und weiterführenden Schulen, Hochschulen und Universitäten, Unternehmen etc.) an. Da es sich um einen lebendigen Campus mit verschiedenen Studienprogrammen handelt, wo viele Menschen zusammenkommen, musste der Lehrbetrieb mit Wirkung vom 20. März 2020 eingestellt werden. Dies betraf zum Beispiel die Veranstaltungen von Seminaristen, die sich in der Priesterausbildung befinden oder den Bachelor in Philosophie absolvieren, aber auch Priester und Nonnen, die den Ausbilderkurs besuchen. Dies brachte für die Studierenden und Eltern viele Schwierigkeiten mit sich und führte zu Angst und Besorgnis. Auch in der Nachbarschaft verloren viele Menschen ihre Arbeit und mussten zu Hause bleiben. Für einige stellte es daher eine Herausforderung dar, eine tägliche Mahlzeit zu sich nehmen zu können. Diejenigen Personen kamen zu uns auf den Campus, um Hilfe zu erhalten. 

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten auf Ihr Land haben?

Obwohl Tansania alle Sperren aufgehoben und die Wiederöffnung von Schulen und Colleges erlaubt hat, sind viele besorgt und fürchten sich vor der Verbreitung des Virus. Zwar sind die bestätigten Fälle von COVID-19 in Tansania nach wie vor vergleichsweise gering, doch nimmt die Zahl der Fälle rasch zu. Zwei Drittel der Menschen in diesem Land werden hungern, wenn sie zwei Wochen lang unter Quarantäne gestellt oder eine Abriegelung durchgeführt werden müsste. Fast 70 Prozent der Menschen haben zu Hause nicht den Platz, um ihre Kranken zu isolieren. Viele gehen mit großer Angst zur Arbeit und in den Unterricht, weil sie fürchten, sich mit dem Virus zu infizieren. Da die Gesundheitssysteme sehr schlecht sind, gibt es keine Früherkennungsmechanismen oder Hilfsmaßnahmen. Dies wird so lange so bleiben, bis angemessene Einrichtungen für eine wirksame Untersuchung von COVID zur Verfügung stehen. Gegenwärtig ist die Untersuchung von COVID nur an einem Ort möglich, nämlich in Daressalam. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise sind verheerend wie die Gefahr, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Tansania ist (insbesondere die Region Arusha) vom Tourismus abhängig, von Menschen, die für eine Safarireise anreisen und den Kilimandscharo besteigen wollen. Seit Mitte März kommen fast keine Touristen mehr in das Land. Von diesem Ausfall sind viele Unternehmen und Familien betroffen. Alle warten daher sehnsüchtig auf das Ende dieser Pandemie.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Es ist schön zu sehen, wie der christliche Glaube in dieser Zeit der Schwierigkeiten und Unsicherheit vielen Menschen weiterhin Hoffnung schenkt. Da die Kirchen in Tansania während all der Zeit nicht geschlossen wurden, konnten wir sehen, wie die Menschen zur Eucharistiefeier und zum Gebet in die Kirche kamen. Es war auch ermutigend festzustellen, dass die Christen sehr darauf bedacht waren, denen zu helfen, die verletzlich, alt und arm sind. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Pfarrei in Maji ya Chai, Arusha, die vom Lumen Christi Institut betreut wird, organisierte eine Sammlung und brachte von den Beiträgen der Gemeindemitglieder 100 Kilo Zucker, Reis und Öl für ein Altenheim namens Upendo Centre in unseren Ort. Als wir die Lebensmittel überbrachten, konnten wir die Freude und die Tränen in den Augen der Bewohner sehen.

Foto: missio

Thomas Kochalumchuvattil lebt in Tansania und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerk Pastoral Afrika. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss der Direktorinnen und Direktoren zahlreicher afrikanischer Pastoralinstitute. Nähere Informationen zum Netzwerk Pastoral Afrika finden sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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