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Mauretanien: Sehnsucht nach gemeinsam gefeierten Gottesdiensten

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth interviewt Bischof Martin Happe aus Mauretanien.

Inwiefern hat die Covid-19-Pandemie das Leben von Ihnen und den Menschen in Ihrer Nachbarschaft verändert?

Hier in Mauretanien hat sich das Land schon seit März total abgeschottet. Die Außengrenzen, Flughäfen etc. sind geschlossen – außer für Lebensmittel und bestimmte Güter, die per Schiff oder LKW ins Land kommen können. In den ersten Wochen waren zudem alle Geschäfte, die keine Lebensmittel verkauften, geschlossen. Schulen, Kirchen und Moscheen sind es bis heute. In der letzten Woche kam allerdings eine Verordnung, dass das Freitagsgebet in den Moscheen unter bestimmten Auflagen wieder möglich sein wird. Aufgrund der augenblicklichen Entwicklung der Pandemie habe ich verfügt, dass die Kirchen geschlossen bleiben. Es gibt Übertragungen auf Facebook…

Besonders hart betroffen von diesen Maßnahmen sind die Migranten und ein Großteil der städtischen Bevölkerung, die im informellen Bereich ihren Lebensunterhalt verdienen, und das ohne jegliche vertragliche Vereinbarung. Somit haben wir schnell damit begonnen, Lebensmittelpakete und Hygiene-Sets unter diesen Leuten zu verteilen. Jetzt kommt als weiteres großes Problem hinzu, das viele von ihnen von ihren Vermietern vor die Tür gesetzt werden, da sie ihre Miete nicht bezahlen können. Ich habe beschlossen, einen Fonds dafür einzurichten.

Innerhalb des Landes, darf man seinen Landkreis nicht verlassen. Für mich hat das zur Folge, dass ich die verschiedenen Pfarreien und Missionsstationen nicht besuchen kann. Und auch die Missionare können nicht in die Hauptstadt kommen. Besonders hart trifft es eine Gemeinschaft von Missionsfranziskanerinnen in Tufunde Civé am Senegal. Sie können nicht einreisen, um in der Pfarrei im gegenüber liegenden Matam zu arbeiten. Auch die im 80 km entfernt liegenden Kaedi ansässigen Priester dürfen sie nicht besuchen. Die letzte Eucharistiefeier für sie war in der Fastenzeit!

 

Welche weiteren Auswirkungen der Pandemie sind für Ihr Land in den nächsten Monaten zu erwarten?

Aufgrund der sehr frühzeitig von der Regierung ergriffenen Maßnahmen hat es bis vor kurzem fast keine Infektionen in Mauretanien gegeben. Seit etwa vier Wochen aber breitet sich das Virus sehr schnell aus. Das Gesundheitssystem des Landes ist natürlich überfordert. Ich bin überzeugt, dass es in den Elendsvierteln um die Städte und im ländlichen Bereich eine erhöhte Sterblichkeit gibt, die durch das Virus verursacht, aber nicht diagnostiziert wurde. Die Verwaltung und das Gesundheitswesen versuchen, der Lage mit radikalen Isolierungs- und Quarantäne Maßnahmen Herr zu werden. Ich habe leider das Gefühl, dass uns schwere Zeiten bevorstehen.

 

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in diesen Zeiten der Pandemie?

Für die wenigen im Land lebenden Katholiken sind die Zeiten sehr hart, zumal sie als Migranten oft direkt von den Folgen der obengenannten Maßnahmen betroffen sind. Die Rückmeldungen sind zahlreich, dass die Übertragungen von Eucharistiefeiern, Rosenkranzgebet und eucharistischer Anbetung viele „Follower“ haben (wie man in „Neudeutsch“ sagt). Darüber hinaus ist der persönliche Kontakt mit den Seelsorgern und Ordensleuten zu bestimmten Tageseiten unter Berücksichtigung von Vorsichtsmaßnahmen möglich. Möglich ist auch in Nouakchott das persönliche Gebet in der Kathedrale zu bestimmten Tageszeiten auf markierten Sitzplätzen. Die Sehnsucht nach gemeinsam gefeierten Gottesdiensten ist allerdings sehr groß. Vor allen Dingen weiß ja niemand, wie lange das noch so weiter geht.

Foto: missio

Bischof Martin Happe MAfr ist Afrikamissionar. Er stammt aus dem westfälischen Sendenhorst und ist Bischof der Diözese Nouakchott in Mauretanien. Als Projektpartner ist er mit missio seit Jahrzehnten verbunden.

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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