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Indien: Anhaltende Zukunftsangst

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth interviewt Madanu Balaswamy aus Indien.

Inwiefern hat die Covid-19-Pandemie das Leben von Ihnen und den Menschen in Ihrer Nachbarschaft verändert?

Corona hat die Sichtweise und die Wahrnehmung meines persönlichen Lebens und des Lebens der Menschen um mich herum erheblich verändert. Es ist geprägt von Angst, Furcht und Unannehmlichkeiten. Die Pandemie hat dazu geführt, dass das Wort "positiv" eher negativ klingt. Im Leben der Menschen hat sich eine anhaltende Zukunftsangst ausgebreitet. Den Mund und die Nase mit der Maske zu bedecken, die Hände zu desinfizieren und die soziale Distanz zu wahren, waren unvorstellbar, bis Covid-19 in unser Leben getreten ist. Und jetzt sind diese Dinge zur Normalität geworden. Wir sind ständig in Sorge, von anderen mit dem Virus infiziert zu werden. Dies schränkt unsere Freiheit ein, einzukaufen, an den kirchlichen Aktivitäten teilzunehmen, Verwandte und Freunde zu besuchen, an gesellschaftlichen Ereignissen teilzunehmen, miteinander zu feiern und zu trauern. Die Pandemie schränkt uns Menschen ein und führte uns in die Isolation. Sie schränkte auch unsere Bewegungsfreiheit ein, was insbesondere für Migranten schmerzlich ist, die in ihre Heimat zurückkehren wollen.

Es ist eine schwierige Zeit für unsere Arbeit mit den Straßenkindern. Da die Schulen geschlossen sind, bleiben die Kinder zu Hause.  Es ist wichtig, sie sinnvoll zu beschäftigen. Andernfalls rutschen viele der bei uns lebenden Straßenkinder in die Gewalttätigkeit ab.

 

Welche weiteren Auswirkungen der Pandemie sind für Ihr Land in den nächsten Monaten zu erwarten?

Durch die Abriegelung haben viele Menschen ihren Arbeitsplatz verloren und sind dadurch in eine Finanzkrise geraten. Viele Unternehmen haben ihre Mitarbeiter jedoch nicht entlassen, können sie aber entweder gar nicht oder nur teilweise bezahlen. Dadurch sind viele Familien in eine akute Finanzkrise geraten. Dies wird sich auch in den kommenden Monaten fortsetzen. Positiv zu vermerken ist, dass die Menschen ein Bewusstsein für Hygiene entwickelt haben.  Die Menschen achten auch verstärkt auf ihre Gesundheit und versuchen, sich über ausgewogene Ernährung zu informieren, um ihr Immunsystem zu stärken. Da es in den Schulen keinen regulären Unterricht gibt, werden die Kinder gezwungen, Online-Kurse zu besuchen.

 

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in diesen Zeiten der Pandemie?

Während der Corona-Krise hat der Glaube viele Menschen dazu gebracht, darüber nachzudenken, wie zerbrechlich, verletzlich, schwach, begrenzt und sterblich wir Menschen sind. Trotz aller fortschrittlichen technologischen Forschung und Entwicklung und trotz ausreichender finanzieller Mittel können wir keine vollständige Sicherheit garantieren. Die Pandemie hat uns gelehrt, dass wir immer auch von Gott abhängig sind. In diesen Zeiten von Corona lebten Christen und die christlichen Institutionen zentrale Werte der Nächstenliebe vor. So konnte vielen armen Menschen und bedürftigen Einwanderern geholfen werden. Viele der nicht-christlichen Organisationen folgten dem Beispiel der Christen und wandten sich an bedürftige Menschen. 

Foto: missio

Dr. Madanu Balaswamy lebt in Indien und leitet in Hyderabad ein Heim für Straßenkinder. Darüber hinaus lehrt er Pastoraltheologie am Theologat der Pallottiner in Mysore.

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


Philipp Thiele | 29. September 2020 | 15:49 Uhr

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