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Im Einsatz für die Menschenrechte

Menschenrechte sind ein zentrales Thema für die Kirche und gehören ins Herz eines katholischen Hilfswerks wie missio. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren,” besagt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen. In vielen Ländern aber werden diese Rechte mit Füßen getreten. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt den Entrechteten, den Armen und Schwachen dieser Welt. Zur Durchsetzung und Wahrung der Menschenrechte für alle setzt sich missio für die Gleichbehandlung aller Menschen, von Frauen und Männern, und für den gleichen Zugang zu Bildung und Erziehung ein.

Um über die Lage der Menschenrechte in unseren Partnerländern zu informieren, publizieren wir in der Reihe „Menschenrechte” Länderstudien, thematische Studien sowie die Ergebnisse von Fachtagungen. Das Anliegen der „Fachstelle Menschenrechte” ist es, die Kenntnis über die Menschenrechtssituation in den Ländern Afrikas, Asiens und Ozeaniens zu fördern.

Gespräch mit Bürgerkriegsflüchtlingen auf den Philippinen. Foto: Hartmut Schwarzbach/missio

Aktuell | Studie Nr. 74: „Religion, Gewalt und Frieden in Mali”

Religion und Gewalt: Fallstudie Mali

Im Rahmen des Forschungsprojekts über das Verhältnis von Religion und Gewalt » legt missio die vierte Studie zu Konflikten in ausgewählten Ländern Afrikas vor. Fokussiert wird die Situation in Mali, wo seit dem im Jahr 2012 erfolgten Militärputsch ein Krieg herrscht, der das Land teilt, der Attentate und die Zerstörung von Kulturstätten wie Timbuktu mit sich bringt und zu einem aufwändigen und verlustreichen Militäreinsatz der Vereinten  Nationen (MINUSMA) geführt hat, an dem auch etwa 1000 deutsche Soldaten beteiligt sind.

Aus dem Kontext Mali, in dem sich eine wachsende Radikalisierung insbesondere muslimischer Gruppen beobachten lässt,  ergeben sich spezifische Aspekte und Herausforderungen. Im Zuge der Destabilisierung der Region durch den Sturz der Regierung Gaddafi in Libyen sind bestehende Rebellengruppen gestärkt worden und neue; hinzugekommen. Es zeigt sich die große Sprengkraft des Konflikts zwischen zwei rivalisierenden Tendenzen im Islam. Im Gegensatz zum fundamentalistischen „Reformislam“ erweist sich der „traditionelle“ afrikanische; Islam mit seinem hohen Assimilierungspotential als der geeignete Partner für den interreligiösen Dialog, der von christlich-katholischer Seite grundgelegt wurde und weiter zu fördern ist.

Die vorliegende Studie ist in Zusammenarbeit mit dem „Centre de Recherche et d’Action pour la Paix“ (CERAP) mit Sitz in Abidjan entstanden, an dem die Autoren tätig sind. Diese haben vor Ort mit der katholischen Universität von Westafrika in Bamako sowie mit dem „Institut de formation islamo-chrétienne“ (IFIC), ebenfalls in Bamako, zusammengearbeitet. Allen Beteiligten, insbesondere den Autoren Ludovic Lado und Boris Glode, sei an dieser Stelle für ihr Engagement gedankt.

Mit der Veröffentlichung der Studie leistet missio einen Beitrag dazu, auf die Situation in Mali aufmerksam zu machen und dabei insbesondere das friedensstiftende Potential des interreligiösen Dialogs in den Blick zu nehmen. Diesem Dialog weiß sich missio sowohl in seiner Menschenrechtsarbeit als auch in seiner Förderung von Projekten in Mali und in Afrika insgesamt verpflichtet.

Bibliographische Angaben

Lado, Ludovic, Glode, Boris, Religion, Gewalt und Frieden in Mali, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 74), Aachen 2019
Redaktion: Marco Moerschbacher
ISSN 1618-6222

Papua-Neuguinea ist der drittgrößte Inselstaat der Welt und fasziniert nicht nur durch eine außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt. Auch in kultureller Hinsicht bietet sich ein buntes Bild: In dem nördlich von Australien im Pazifik gelegenen Land leben an die tausend Volksgruppen mit je eigener Sprache und Kultur.

Papua-Neuguinea steht – bei aller Schönheit und Vielfalt – vor schwierigen gesellschaftlichen Herausforderungen. Große Teile der Bevölkerung sind Analphabeten, und Gewalt gegen Mädchen und Frauen ist ein Phänomen, das sich durch alle Ebenen der Gesellschaft zieht.

In zugespitzter Form bahnt sich diese Gewalt im Hexenglauben ihren Weg. Negative und unerklärliche Ereignisse wie Krankheit, Tod oder Unglücksfälle werden vielerorts dem Wirken von Hexen zugeschrieben. Mithilfe alter Rituale macht die Dorfgemeinschaft sich auf die Suche nach den Verantwortlichen und stellt die vermeintlichen Hexen – sowohl Männer als auch Frauen – an den Pranger. Die Betroffenen werden aus der Gesellschaft ausgestoßen, auf grausame Weise gefoltert oder getötet. Selbst der Partner und die eigene Familie können oder wollen meist nicht eingreifen.

Das Phänomen der Hexenverfolgung in Papua-Neuguinea, so zeigt die australische Professorin Miranda Forsyth, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Im Jahr 2015 hat die Regierung reagiert und den Sorcery National Action Plan Papua-Neuguineas beschlossen, der neben Aufklärung, Beratung, juristischer und gesundheitlicher Unterstützung auch die Forschung als eine wichtige Säule erkennt.

Die Studie ist ein im Jahr 2017 erstmals in englischer Sprache publiziertes Kooperationsprojekt zwischen Wissenschaftlern der Divine Word University und dem National Research Institute in Papua-Neuguinea sowie der Australian National University. Sie stützt sich auf Daten aus den Jahren 1996 bis 2016 und liefert systematische Informationen zu Gewalt im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Hexerei in Papua-Neuguinea. Die Studie charakterisiert Täter und Opfer, beschreibt Reaktionen staatlicher und nichtstaatlicher Akteure und zeigt die geographische Verteilung und den zeitlichen Verlauf der Gewalttaten auf.

Neben der Unterstützung von Partnerinnen und Partnern in Papua-Neuguinea, die sich vor Ort für die Opfer der Hexenverfolgung einsetzen und wichtige Aufklärungsarbeit leisten, trägt missio mit der Veröffentlichung der vorliegenden Studie dazu bei, die deutsche Öffentlichkeit für ein Gewaltphänomen zu sensibilisieren, das in Ozeanien, darüber hinaus aber auch in verschiedenen Ländern Afrikas, Südostasiens und Lateinamerikas weiterhin eine erhebliche Rolle spielt.

Bibliographische Angaben

Miranda Forsyth, Judy Putt, Thierry Bouhours, Brigitte Bouhours, Menschenrechte: Gewalt im Zusammenhang mit dem Vorwurf der Hexerei in Papua-Neuguinea, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 73), Aachen 2018
Redaktion: Katja Nikles
ISSN 1618-6222

Menschenrechtsstudie Nr.70: „Religion und Gewalt - Fallstudie Tschad”

Der Tschad gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und nimmt im „Human Development Index“ einen der letzten Plätze ein. In die Schlagzeilen der Weltpresse geriet das Land im Zusammenhang mit dem Darfur-Konflikt im benachbarten Sudan. In jüngster Zeit steht die Auseinandersetzung mit der aus dem anderen Nachbarland Nigeria stammenden Boko-Haram-Bewegung im Fokus der Sicherheitspolitik des Landes.

58% der tschadischen Bevölkerung sind Muslime, ca. 36% Christen, davon gehört die Hälfte zur katholischen Kirche. Die traditionellen Religionen sind formell zahlenmäßig offiziell schwach vertreten, die damit in Verbindung stehenden Vorstellungen und Praktiken spielen aber sowohl bei Muslimen als auch bei Christen eine bleibend wichtige Rolle.

Die Studie – die dritte (s.u. Nr.n 63 und 68) im Rahmen des von missio koordinierten Forschungsprojektes über „Religion und Gewalt“ » – erforscht die Rolle der Religionen in gewalttätigen Konflikten im Tschad sowie im Zusammenhalt der tschadischen Gesellschaft. Die meisten der ca. 300 befragten Personen sehen die Rolle der Religionen positiv. Allerdings klagen besonders die Christen politische und wirtschaftliche Partizipation ein und wehren sich gegen Tendenzen einiger muslimischer Gruppierungen, den Tschad zu einem muslimischen Staat zu machen. Die Herausforderungen bestehen in der Konzeption eines säkularen Staates, der die positive Rolle der Religionen im Staatsgebilde würdigt. Konfliktpotential birgt die Radikalisierung religiöser Gruppen, sowohl auf muslimischer Seite etwa durch Einflüsse von Al-Shabaab als auch durch neue religiöse christliche Bewegungen mit ihrem teilweise aggressiven Auftreten gegenüber Andersdenkenden.

Die Forschung wurde durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Centre d’Études et de Formation pour le Développement (CEFOD) in N’Djamena. Den Autoren dieser Studie, der Leitung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des CEFOD sowie allen befragten Personen, die zu dem hier vorgestellten Bild der Rolle der Religionen im Tschad beigetragen haben, sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt. missio wird die Zusammenarbeit mit der Kirche im Tschad fortsetzen und dabei, ganz im Sinne der hier vorgestellten Ergebnisse, besonders Projekte des interreligiösen und des interkonfessionellen Dialogs fördern. (2018)

Bibliographische Angaben

Antoine Bérilengar SJ, Mathias Bambé Naygotimti, Menschenrechte: Religion und Gewalt — Fallstudie Tschad, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 72), Aachen 2017
Redaktion: Marco Moerschbacher
ISSN 1618-6222

Menschenrechtsstudie Nr. 71: „Menschenrechte in Eritrea: Ort der Menschheitsverbrechen oder verkanntes Musterland?”

Ort der Menschheitsverbrechen oder verkanntes Musterland?

Eritrea erlangte 1993 nach dreißigjährigem Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien die Unabhängigkeit. In den ersten Jahren bestand die Hoffnung, das Land würde sich rasch entwickeln. 1998 kam es zu einem erneuten Grenzkrieg mit Äthiopien, dem zehntausende Menschen zum Opfer fielen.

Als nach dem Friedensschluss im Jahr 2000 führende Mitglieder der Einheitspartei PFDJ die Demokratisierung des Landes sowie die Implementierung der 1997 verabschiedeten Verfassung forderten, schlug Präsident Isaias Afewerki den Protest nieder und ließ Mitglieder der Reformbewegung sowie kritische Journalisten im September 2001 verhaften. Gleichzeitig demontierte er rechtsstaatliche Institutionen wie das Oberste Gericht und die Nationalversammlung. Bürgerliche Freiheiten einschließlich Pressefreiheit wurden abgeschafft und willkürliche Verhaftungen ohne Gerichtsverhandlung sind bis heute an der Tagesordnung. Die Religionsfreiheit wurde ebenfalls stark eingeschränkt und tausende evangelikale Christen und vermeintlich extremistische Muslime verhaftet. Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche befindet sich seit einem Jahrzehnt unter Hausarrest. Anstelle des Rechts regiert seitdem die Angst in Eritrea.

Die autokratische Regierung und der zeitlich unbegrenzte Nationaldienst lösten einen Massenexodus aus, der auch zehntausende eritreische Flüchtlinge nach Europa führte. Solange sich nichts an der Menschenrechtslage ändert, wird die Jugend weiter aus dem Lande fliehen. Mit den Worten der katholischen Bischöfe Eritreas: „Niemand verlässt ein Land, in dem Milch und Honig fließen, um ein Land zu suchen, in dem man dasselbe findet. Es gibt keinen Grund, ein Heimatland zu verlassen, in dem Frieden herrscht, in dem es Arbeitsplätze und Meinungsfreiheit gibt, um Entbehrungen, Einsamkeit und ein Leben im Exil zu erleiden, nur um anderswo bessere Lebensbedingungen zu finden“. (2018)

Bibliographische Angaben

Nicole Hirt, Menschenrechte: Menschenrechte in Eritrea — Ort der Menschheits - verbrechen oder verkanntes Musterland?, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 71), Aachen 2018
Redaktion: Lydia Klinkenberg
ISSN 1618-6222

Unser Bild von Äthiopien ist ambivalent: Zum einen denken wir an eine Nation, die sich erfolgreich gegen die Kolonialisierung durch europäische Mächte zur Wehr setzte und die auf eine lange Kulturgeschichte als unabhängiges Kaiserreich zurückblickt. Wir denken an ein Land, in dem sowohl das Christentum als auch der Islam kurz nach ihrer Entstehung als Weltreligionen heimisch wurden und in dem Christen und Muslime seit Jahrhunderten Seite an Seite leben.

Andererseits haben sich die verheerenden Hungersnöte in unser Gedächtnis eingebrannt, die in den 1970er und 1980er Jahren hunderttausende von Toten forderten und die westliche Welt dazu bewogen, Hilfe für die Hungernden zu mobilisieren. Außerdem denken wir an ein Land, das jahrzehntelang durch Bürgerkriege zerrissen wurde.

Im Jahr 1991 übernahm die bis heute amtierende EPRDF (Ethiopian People’s Revolutionary Democratic Front)-Regierung nach ihrem Sieg über das Militärregime die Macht. Sie strukturierte das Land politisch um, indem sie das Modell des ethnischen Föderalismus einführte, und begab sich auf einen ambitionierten Entwicklungskurs mit dem Ziel, Äthiopien vom Armenhaus Afrikas in ein Land mit mittlerem Einkommen zu verwandeln. Die Erfolge waren beeindruckend, und das Land erreichte mit zwei Ausnahmen alle Millenniumsziele. Andererseits verengte die marxistisch geprägte EPRDF im letzten Jahrzehnt den politischen Raum für die Bürger immer weiter. Die bürgerlichen und politischen Rechte sind stark eingeschränkt, willkürliche Verhaftungen und Folter sind an der Tagesordnung; die Aufstände des Jahres 2016 – eine Reaktion auf das Fehlen demokratischer Mitwirkungsrechte – wurden mit Gewalt niedergeschlagen und der Ausnahmezustand verhängt.

Die Publikation informiert über die Menschenrechtssituation in Äthiopien. (2018)

Bibliographische Angaben

Nicole Hirt, Menschenrechte: Zur Lage der Menschenrechte in Äthiopien, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 70), Aachen 2018
Redaktion: Lydia Klinkenberg
ISSN 1618-6222

Menschenrechte und Demokratieprozesse

Das Jahr 2011 hat die arabische Welt geprägt: Jugendliche gingen auf die Straße, demonstrierten gegen die seit Jahrzehnten etablierten autoritären Regime und forderten ihre Rechte ein. Der „Arabische Frühling“ barg die Hoffnung auf einen Wandel hin zu mehr Modernität, Pluralität und Demokratie. Kein Land Nordafrikas und des Nahen Ostens sollte verschont bleiben.

Es folgten Aufstände und Revolutionen, doch heute, sieben Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings, ist die Bilanz ernüchternd: Die Hoffnungen auf eine Wende blieben vielerorts unerfüllt. Stattdessen prägen verstärkte Repressionen, Bürgerkriege und Dschihadismus die Länder des Nahen Ostens.

Viele der maroden Staaten der arabischen Welt werden primär durch ihre Sicherheitsapparate zusammengehalten, die meist freie Hand haben gegenüber der Zivilgesellschaft, der politischen Opposition und kritischen Bürgern. Entsprechend schlecht sind die Aussichten für die Zukunft der Menschenrechte und der Demokratie im Nahen Osten.

Martin Gehlen analysiert in der hier vorliegenden Menschenrechtsstudie die spezifische Situation in Ägypten, im Irak, in Syrien, in Saudi-Arabien und den Golfstaaten, in Jordanien, im Libanon sowie in den Maghreb-Staaten. Er nimmt die marode arabische Staatenwelt unter die Lupe, beschäftigt sich mit der Zerstörung des polyglotten Menschheitserbes im Orient und geht der Legitimationskrise des modernen Islam auf den Grund.

missio möchte mit der vorliegenden Publikation auf die schwierige Menschenrechtsituation im Nahen Osten aufmerksam machen.

Bibliographische Angaben

Martin Gehlen, Menschenrechte: Die Zukunft des Nahen Ostens. Menschenrechte und Demokratieprozesse, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 69), Aachen 2018
Redaktion: Lydia Klinkenberg
ISSN 1618-6222

Die Republik Côte d’Ivoire gehört zu den wirtschaftlich stärkeren Ländern Afrikas, wurde aber in den letzten Jahren immer wieder von Krisen erschüttert, die mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen und erheblicher Gewalt einher gingen. Der interne Konflikt zwischen den beiden wichtigsten Bevölkerungsgruppen, den mehrheitlich christlichen Ivorern und den überwiegend muslimischen Burkinern, wurde politisch instrumentalisiert, was für das traditionell gute Verhältnis der beiden Religionen in Côte d’Ivoire zu einer schweren Belastungsprobe wurde.

Die Autoren dieser Studien, der zweiten im Rahmen des von missio koordinierten Forschungsprojektes über „Religion und Gewalt“ », gehen den Wechselverhältnissen nach. In 381 Interviews und Gruppendiskussionen haben sie ein Bild jener vielschichten Vorstellungen zusammengetragen, die in der Bevölkerung und bei verantwortlichen religiösen und politischen Führern zur Frage von Religion und Gewalt kursieren. Dabei sind sie auch der Frage nach dem Konflikt- und nach dem Friedenspotential der Religionen nachgegangen.

Wie schon in der ersten Studie zur Situation in Tansania (s.u., Nr. 63) bestätigt sich, wie vielfältig und komplex die Ursachen von Gewalt in einer von Prekarität gezeichneten Gesellschaft sind. Es spielen politische, wirtschaftliche, soziale und ideologische Ursachen eine Rolle, die häufig miteinander verwoben sind. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei dem tatsächlichen oder auch nur gefühlten Mangel an politischer Partizipation in der Gesellschaft zu. In der hier vorgelegten Studie wird besonders die mangelnde Ausbildung religiöser Führer und Prediger sowie die fehlende Kontrolle des Staates über religiöse Akteure als potentielle Konfliktquelle deutlich.

Kooperationspartner dieser Studie ist die Gemeinschaft Sant’Egidio, deren Vertretern in Rom und Abidjan, zu denen auch die Autoren der Studie gehören, unser ausdrücklicher Dank gilt. Unser Dank gilt auch den Mitgliedern der Gemeinschaft in den verschiedenen Ortschaften, an denen diese Studie durchgeführt wurde.

Mit dieser zweiten Studie im Rahmen des Forschungsprojektes über „Religion und Gewalt“ » möchte missio zu einer differenzierten Wahrnehmung der Vielschichtigkeit sowie der Motive der verschiedenen Protagonisten in Konfliktsituationen beitragen. In seiner Forschungs- und Projektarbeit weiß sich missio dem interkulturellen und interreligiösen Dialog verpflichtet – als Beitrag zur Überwindung von Gewalt in den Ländern des Südens und weltweit. (2017)

Bibliographische Angaben

Kacou Firmin, Randos Andih, Menschenrechte: Religion und Gewalt in Afrika. Fallstudie Côte d’Ivoire, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 68), Aachen 2017
Redaktion: Marco Moerschbacher
ISSN 1618-6222

Anlässlich des Weltmissionssonntags 2017 untersucht missio in dieser Studie die Menschenrechtssituation in Burkina Faso.

Demokratische Regierungsführung legt das Augenmerk auf Individuen und auf Bevölkerungsgruppen, um die Entfaltung des Einzelnen und die Entwicklung der Gesellschaft zu fördern. Individuen können ihren Beitrag aber erst leisten, wenn sie in den vollen Genuss ihrer Rechte kommen und ihr individuelles Potenzial entfalten können. Mit anderen Worten: Menschenrechte, Demokratie und Entwicklung sind untrennbar miteinander verbunden.

Der Bericht nimmt die schwierige Menschenrechtslage in Burkina Faso im Zeitraum 2016/2017 unter die Lupe. Er basiert auf eigenen Beobachtungen des Autors sowie der Auswertung von Berichten und Statistiken von Amnesty International, des „Mouvement burkinabé des droits de l’homme et des peuples“, verschiedener Ministerien, der Weltbank und anderen Institutionen.

Mit dieser Publikation möchte missio auf die Bedeutung der Menschenrechte in unseren Partnerländern in Afrika, Asien und Ozeanien aufmerksam machen. (2017)

Bibliographische Angaben

Arsène Flavien Bationo, Menschenrechte: Bericht über die Menschenrechtslage in Burkina Faso, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 67), Aachen 2017
Redaktion: Lydia Klinkenberg
ISSN 1618-6222

Nicht zuletzt die Erfahrungen der anhaltenden Christenverfolgung in vielen Ländern lassen uns darauf aufmerksam werden, wie oft die Würde des Menschen aufgrund seiner religiösen Überzeugung verletzt wird.

Religionsfreiheit ist ein universales Menschenrecht, das in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen festgehalten ist als das Recht, „seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung eines Ritus zu bekunden.”

Roman Siebenrock und Martin Affolderbach zeichnen in der Menschenrechtsstudie die Anerkennung der Religionsfreiheit aus katholischer und evangelischer Sicht historisch nach. Gleichzeitig befassen sich die Autoren mit der Frage nach der Toleranz und den Grenzen von Religionsfreiheit. Und schließlich beschäftigt sich die Studie mit der Bedeutung des interreligiösen Dialogs in unserer pluralistischen Welt. (2017)

Bibliographische Angaben

Prof. Dr. Roman A. Siebenrock, Dr. Martin Affolderbach, Menschenrechte: Religionsfreiheit aus christlicher Sicht, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 66), Aachen 2017
Redaktion: Lydia Klinkenberg
ISSN 1618-6222

Die tropische Insel Sri Lanka an der Südspitze Indiens ist acht Jahre nach dem Bürgerkrieg nur scheinbar zur Ruhe gekommen. Im Inneren des Landes schwelt noch immer der Konflikt zwischen den beiden größten ethnischen Gruppen – den buddhistischen Singhalesen und den hinduistischen Tamilen.

Seit der Wahl des neuen Präsidenten Maithripala Sirisena zu Beginn des Jahres 2015 schweigen zwar die Waffen, trotzdem beklagen vor allem die im Krieg unterlegenen Tamilen weiterhin schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen durch den Staat. Nach wie vor fehlt es an Bemühungen, gemeinsam Wege des Friedens und der Versöhnung zu gehen und der gesamten Bevölkerung ein Leben in voller Achtung ihrer persönlichen Würde zu ermöglichen.

missio möchte mit der vorliegenden Publikation auf die schwierige Menschenrechtssituation auf dem Inselstaat sowie auf die Bedeutung der interreligiösen und ethnischen Versöhnung aufmerksam machen.

Bibliographische Angaben

Lutz Löher, Menschenrechte: Menschenrechte in Sri Lanka. Große Altlasten und geringe Fortschritte auf dem Weg zum Rechtsstaat, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 60), Aachen 2017
Redaktion: Lydia Klinkenberg
ISSN 1618-6222

Im Rahmen des Weltmissionssonntags 2016 fokussiert missio in dieser Studie die spezifische Menschenrechtssituation auf den Philippinen.

Auf dem Inselstaat in Südostasien starteten offiziellen Angaben zufolge im Dezember 2015 rund 3.000 Menschen einen Protestmarsch gegen die Kriminalisierung und Ermordung von Angehörigen indigener Volksgruppen. In einer öffentlichen Erklärung wiesen die Protestierenden darauf hin, dass diese Morde in Zusammenhang mit der sich ausweitenden Präsenz rohstofffördernder Konzerne in Mindanao im Süden der Philippinen stehen. Berichte dieser Art gibt es schon seit langem. Bereits 2007 gerieten die Philippinen in den Fokus des UN-Sonderberichterstatters für extralegale, summarische und willkürliche Hinrichtungen.

Morde sind jedoch nicht das einzige Mittel, mit dem kritische Stimmen auf den Philippinen zum Schweigen gebracht werden. Auch mittels Kriminalisierung, Behördenwillkür oder Stigmatisierung wird versucht, den Aktionsraum von Nichtregierungsorganisationen (NROs) und Bürgerbewegungen zu beschränken.

Die Studie nimmt in Form einer Fallstudie den Druck, den NROs in illiberalen Demokratien erleben, unter die Lupe. Sie analysiert, inwiefern sich die Situation auf den Philippinen von offenen politischen Systemen, die bürgerliche Freiheiten und politische Rechte fest in ihren Verfassungen und Gesetzen verankert haben, unterscheidet.

Bibliographische Angaben

Carolijn Terwindt, Chris van der Borgh, Menschenrechte: NROs auf den Philippinen unter Druck, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 64), Aachen 2015
Redaktion: Lydia Klinkenberg, Mark Richard Draser
ISSN 1618-6222

Eine Fallstudie

Tansania wird von seinen Bewohnern und Politikern gerne als das „Land des Friedens“ bezeichnet, und in der Tat sind dem Land in seiner Geschichte größere blutige Konflikte und ethnische Auseinandersetzungen in weiten Teilen erspart geblieben. Doch in jüngster Zeit gab es vermehrt negative Schlagzeilen von Gewalt im Land, etwa über den Anschlag auf die amerikanische Botschaft, aber auch über immer wieder aufflammende Konflikte in Städten wie Moshi und Daressalaam sowie über religiöse Spannungen, insbesondere auf der Insel Sansibar.

Die Studie untersucht den Zusammenhang von Gewalt und Religion am Beispiel verschiedener konfliktiver Situationen und Fragestellungen in Tansania. Durchgeführt wurde die Studie vom „Hekima Institute of Peace Studies and International Relations“ mit Sitz in Nairobi. Die Ergebnisse werden hier vorgestellt, in einen theoretischen Rahmen eingeordnet und ausgewertet. Dabei zeigt sich, dass es vielfältige Ursachen von Gewalt gibt, die häufig ineinander verwoben sind. Eine auch mit religiösen Begriffen konnotierte Konfliktsituation als „religiösen Konflikt“ zu bezeichnen, greift häufig zu kurz. Zudem besteht die Gefahr, dass hier Religion für politische oder wirtschaftliche Ziele instrumentalisiert wird. Notwendig ist ein genaues Hinschauen auf die Wahrnehmungen und die Gefühlslage der handelnden und betroffenen Menschen, wie dies die Autoren der hier vorliegenden Studie tun.

Eine differenzierte Wahrnehmung der vielfältigen Ursachen von Extremismus und Gewalt ist die Voraussetzung, um Lösungsansätze und Perspektiven zu entwerfen: für ein weiterhin friedliches Miteinander der vielen Volksgruppen und der zwei großen Religionsgemeinschaften – Christen und Muslime – in Tansania, dem Land des Friedens. Wie besonders die Beispiele aus Sansibar zeigen, kommt dabei den Initiativen und Gruppen, die sich dem interreligiösen Dialog widmen, eine zentrale Bedeutung zu. Einer differenzierten Wahrnehmung und dem Geist des interreligiösen Dialogs zwischen Muslimen und Christen weiß sich missio in seiner Projektarbeit in den Ländern des Südens sowie in dem hier begonnenen Forschungsprojekt zum Thema „Religion und Gewalt“ » verpflichtet.

Bibliographische Angaben

Elias O. Opongo, SJ Felix J. Phiri MAfr, Menschenrechte: Religiöser Extremismus und Gewalt in Tansania. Eine Fallstudie, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 63), Aachen 2016
Redaktion: Marco Moerschbacher
ISSN 1618-6222

Frauenrechte sind auch Menschenrechte

Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ist Tansania ein Hort der politischen Stabilität. Dennoch steht das Land vor gesellschaftlichen Herausforderungen. Neben ökonomischen Problemen ist die soziale Benachteiligung von Frauen eine der größten Herausforderungen, die das Land zu bewältigen hat.

Obwohl sie gesetzlich gleichgestellt sind, werden Frauen in der Realität gegenüber Männern massiv benachteiligt. Sexuelle Übergriffe sind in Tansania ein alltägliches Phänomen, ohne dass die Täter ernsthaft mit einer Bestrafung rechnen müssen. Vergewaltigte Frauen werden von ihrer Umgebung gemieden und in vielen Fällen von ihren Familien verstoßen. Die sozialen Freiheiten der Frauen sind gegenüber denen der Männer eingeschränkt. In der patriarchal geprägten tansanischen Gesellschaft können Frauen nur schwer ihre gesetzlich verbrieften Rechte durchsetzen, wie zum Beispiel bei Erbschaften, der Geschäftsfähigkeit, in der Bildung, oder dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und sexueller Selbstbestimmung. So werden in einigen Regionen Tansanias noch immer Frauen und Mädchen beschnitten.

Auch das Eherecht diskriminiert Frauen: Polygamie ist erlaubt, die Verheiratung von Minderjährigen ist möglich und kann ohne Einverständnis des Mädchens beziehungsweise der Frau erfolgen, wenn Brautvater und Bräutigam sich auf einen Brautpreis einigen.

Bis heute existiert in Tansania ein Hexerei-Gesetz, das jede Form von Zauberei verbietet. Vor allem in ländlichen Gebieten ist der Glaube an Hexen und Zauberkräfte noch weit verbreitet. In diesem Zusammenhang gehört die Ermordung vor allem älterer Menschen, insbesondere von Frauen, die der Hexerei bezichtigt werden, zu den besonders schwerwiegenden Gewaltverbrechen. Zwischen 2005 und 2010 wurden schätzungsweise 5.000 alte und ältere Menschen zum Opfer derartiger Hexenverfolgungen.

So untersucht die Studie neben der Situation von Frauen und Mädchen auch die älterer Menschen in Tansania. Dabei geht die Autorin nicht nur auf Probleme und Herausforderungen der tansanischen Gesellschaft ein, sondern stellt auch neue Ansätze vor, um die Benachteiligung der Frauen und älteren Menschen zu überwinden. (2016)

Bibliographische Angaben

Danja Bergmann, Menschenrechte: Frauenrechte sind auch Menschenrechte. Zur Lage von Mädchen und Frauen in Tansania, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 62), Aachen 2016
Redaktion: Mark Richard Draser
ISSN 1618-6222

Innenansichten aus Ägypten

Ägypten befindet sich seit dem Sturz von Hosni Mubarak im Jahr 2011 in einer anhaltenden Staatskrise.

2012 wurde Muhammad Mursi, führendes Mitglied der Muslim - brüder, der erste demokratisch gewählte Staatspräsident Ägyptens. Unter seiner Präsidentschaft wurde mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung begonnen, die 2013 in Kraft trat und stark von den Ideen islamistischer Gruppierungen geprägt war.

Im Juni 2013 putschte der ägyptische Militärrat unter der Führung des damaligen Generals und heutigen Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi gegen Mursi, suspendierte die Verfassung und setzte eine Übergangsregierung ein. Der Putsch wurde von einer breiten gesellschaftlichen Allianz unterstützt und begrüßt, zu der auch Kopten, muslimische Religionsführer sowie liberale Gruppierungen zählten. Noch 2013 wurde mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung begonnen, die zwar die Bürgerrechte stärkt, gleichzeitig aber den politischen Einfluss des Militärs ausweitet.

Die Verfassung sollte das gespaltene Land wieder einigen und befrieden, jedoch hat seit dem erfolgreichen Referendum im Januar 2014 und der damit verbundenen Verabschiedung der Verfassung die Gewalt in Ägypten zugenommen. Die jüngsten Entwicklungen in dem nordafrikanischen Land zeigen, dass Präsident as-Sisi seine Macht dauerhaft festigen möchte und rigoros gegen jede freiheitliche wie demokratische Bestrebung vorgeht.

Mit der Verfassung von 2014 wurde zwar ein Schritt in die richtige Richtung gemacht, jedoch muss dieser Weg weiter fortgesetzt werden. Die Studie stellt die Entstehungsgeschichte der Verfassung dar und zeichnet die Diskussionen sowie die Auseinandersetzungen um ihre inhaltliche Ausgestaltung nach. (2016)

Bibliographische Angaben

Cornelis Hulsman, Diana Serôdio, Menschenrechte: Die ägyptische Verfassung von 2014 – eine Einordnung. Innenansichten aus Ägypten, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 61), Aachen 2016
Redaktion: Mark Richard Draser
ISSN 1618-6222

Religionspolitik und interreligiöse Spannungen

Die Vereinigte Republik Tansania ist jenes Land im östlichen Afrika, das bisher für seine relative politische und wirtschaftliche Stabilität bekannt ist. Für den diesjährigen Weltmissionssonntag im Oktober hat missio Tansania zum Schwerpunkt der Kampagne gemacht. Trotz des guten Rufes, den das ostafrikanische Land genießt, zeigen sich auch in Tansania Spannungen und Konflikte im sozialen Gefüge, bei denen immer auch religiöse Stimmungen und Interessen mitschwingen oder angeführt werden. Wie die Studie deutlich macht, ist das Verhältnis vom christlich dominierten Festlandtansania zum überwiegend muslimischen geprägten Sansibar ein neuralgischer Punkt für ein weiterhin friedliches Zusammenleben der Menschen in Tansania.

Die sozialen Probleme des Landes resultieren jedoch nicht aus religiösen Unterschieden, sondern aus politischen, wirtschaftlichen und regionalen Kontrasten. Die Inselgruppe Sansibar hat sich 1964 mit dem Festlandsregion Tanganjika zur föderalen Republik Tansania zusammengeschlossen, deren rechtstaatliche Konstruktion als Provisorium bis zur Erarbeitung einer endgültigen Verfassung gedacht war. Dies ist bis heute nicht geschehen, und vor allem fühlen sich die Bewohner von Sansibar vom Festland benachteiligt, dessen politische Elite den Verfassungsreformprozess seit Jahren verschleppt. Das Land leidet unter mangelnder Bildung, Reformstau, Korruption sowie Vetternwirtschaft und nicht unter der Verschiedenheit der Religionen. (2015)

Bibliographische Angaben

Danja Bergmann, Menschenrechte: Muslimisch-christliche Beziehungen auf Sansibar im Wahljahr 2015. Religionspolitik und interreligiöse Spannungen, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 60), Aachen 2015
Redaktion: Mark Richard Draser
ISSN 1618-6222

Cover Menschenrechtsstudie 59

Krieg, Kindersoldaten, Korruption, Ausbeutung und Massen - vergewaltigungen: Diese Negativschlagzeilen stehen zumeist im Mittelpunkt der Medien und öffentlichen Wahrnehmung, wenn es um die Demokratische Republik Kongo geht. Hinzu kommt, dass der zentralafrikanische Staat zu den ärmsten Län - der der Welt zählt, wie aus dem Human Development Index der Vereinten Nationen hervorgeht. Millionen Menschen sind im eigenen Land auf der Flucht vor Gewalt und Not.

missio reagiert auf die Hilferufe der Projektpartner und der Menschen im Kongo. Mit Spenden aus Deutschland werden Maßnahmen für Familien in Not ermöglicht. Die Unterstützung lindert die Not des Einzelnen. Doch ohne die Ursachen in Angriff zu nehmen, wird sich niemals der Teufelskreis aus Gewalt und Ausbeutung durchbrechen lassen.

Einer der Gründe für die kriegerischen Konflikte im Kongo sind die reichen Bodenschätze. Hierzu haben sich im Februar 2015 Vertreter der katholischen Kir - che mit einem Positionspapier an die Europäische Union mit der Bitte gewandt, „einen Beitrag zur Beendigung gewalttätiger Konflikte im Zusammenhang mit Rohstoffen zu leisten, die in den letzten 60 Jahren 40 Prozent aller Konflikte weltweit ausmachten“

Direkt an die Mobilfunkhersteller appelliert missio mit der Aktion „Saubere Handys“ »: „Keine direkten oder indirekten Geschäfte mit Rebellen“ lautet die Forderung. Die Rolle dieser Unternehmen hinsichtlich der Konfliktminerialien wird in der vorliegenden Studie ebenso betrachtet wie die Frage, wann eine flächendeckende Verbreitung sogenannter „sauberer“ Handys möglich ist.

Die dramatische Situation in der DR Kongo wird sich langfristig nur verbessern, wenn die Rollen und Chancen aller Stakeholder in den Blick genommen werden. In dieser Menschenrechtsstudie kommen Beteiligte aus den unterschiedlichen Bereichen zu Wort: Martin Kobler von den Vereinten Nationen, Leiter der UN-Friedensmission im Ostkongo, der Kongolese Fr. Justin Nkunzi als Direktor von Justice & Peace in Bukavu, Friedel Hütz-Adams als Experte zum Thema „Konfliktminerialien“ vom Südwind-Institut. Sie alle und die weiteren Autoren dieser Studie leisten einen Beitrag zur Beantwortung der Frage, wie die Friedensmission für den Kongo langfristig erfolgreich sein kann. (2015)

Bibliographische Angaben

Justin Nkunzi Baciyunjuze, Thérèse Mema Mapenzi, Sr. Jeanne Bashige Nsimire, Martin Kobler, Friedel Hütz-Adams, Menschenrechte: DR Kongo — Der Krieg, die Frauen und unsere Handys, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 59), Aachen 2015
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Fachkonferenz, Loyola Hall, Lahore, Pakistan, 8.-10. Januar 2014

Im Weltmissionsmonat Oktober werden Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien aus Pakistan in den deutschen Diözesen über ihr Leben und die Arbeit der Kirche in ihrer südasiatischen Heimat informieren. Den Abschluss dieser Kampagne bildet der "Sonntag der Weltmission".

In dem Band „Die pakistanische Kirche verstehen“ sind die Tagungsbeiträge einer Konferenz enthalten, die von missio gemeinsam mit der pakistanischen Kirche im Januar 2014 in Lahore veranstaltet worden ist. Referenten aus Pakistan informierten unter anderem über ihre Dialogarbeit sowie über Fragen der Religionsfreiheit.

Die Konferenz erfüllte eine wichtige Aufgabe, denn die katholische Kirche in Pakistan steht vor großen Herausforderungen: Die Christen bilden mit etwa zwei Prozent Bevölkerungsanteil eine Minderheit in dem südasiatischen, muslimischgeprägten Land, das vor einer schwierigen politischen Zukunft steht. Anschläge islamistischer Extremisten (wie den Taliban) und Versuche fundamentalistischer Kräfte, die Gesellschaft zu spalten, erschüttern das Land. In dieser Situation sieht sich die pakistanische Kirche als eine prophetische Kirche herausgefordert. (2014)

Bibliographische Angaben

Dr. Gregor von Fürstenberg, I. A. Rehman, Fr. Emmanuel Asi, Fr. Raphael Manhga O.P, Peter Jacob, Khaled Ahmed, Fr. James Channan, Fr. Renato Zecchin SJ, Menschenrechte: Die pakistanische Kirche verstehen. Fachkonferenz, Loyola Hall, Lahore, Pakistan, 8.-10. Januar 2014, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 58), Aachen 2014
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Pakistan steht im Zentrum der bundesweiten Kampagne zum Monat der Weltmission 2014. Ein ganz besonderes Augenmerk gilt dabei der Situation der Menschenrechte und Religionsfreiheit, und hier besonders der Lage der Christen, über die ich mich persönlich im Mai 2014 auf einer Reise durch das südasiatische Land informieren konnte.

Die Studie der pakistanischen Menschenrechtsorganisation „Movement for Solidarity and Peace“ (MSP) analysiert die Hintergründe der beiden (neben den perfiden „Blasphemiegesetzen) schlimmsten Menschenrechtsverletzungen in Pakistan: Zwangsheiraten und Zwangsbekehrungen von Christen. Pakistans Staatsgründer, Mohammed Ali Jinnah, hatte versprochen, einen säkularen und liberalen Staat zu schaffen, in dem alle Religionen ohne Diskriminierung nebeneinander be-stehen können. Dies ist auch in der Verfassung des Landes verbrieft. Doch seit dem Regime von General Zia-ul-Haq, der in den 1980er Jahren die hoch problematischen „Blasphemiegesetze“ einführte, hat Pakistan den Weg der islamistischen Radikalisierung beschritten. Religiöse Minderheiten sind in ihrer Existenz ernsthaft bedroht.

Heute werden in Pakistan insbesondere junge Frauen, dir religiösen Minderheiten angehören, verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt: sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohungen und Verfolgung. Aufgrund der steigenden Anzahl von Verschleppungen junger Mädchen, der Praxis der Zwangsheirat, sowie der Zwangskonversion zum Islam leben die Angehörigen religiöser Minderheiten in Pakistan in Angst und Schrecken. (2014)

Bibliographische Angaben

Emad Ansari, Menschenrechte: Bericht über Zwangsehen und Zwangskonversionen von Christen in Pakistan, in:
Movement for Solidarity and Peace in Pakistan (MSP) (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 57), Aachen 2014
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Die Kopten zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Zwischen Akzeptanz und Ablehnung

Die missio-Menschenrechtsstudie „Die Situation der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten“ bietet eine Ana - lyse über die Beeinträchtigungen von koptischen Christen in Ägypten in den Jahren 2000 bis 2010.

Die Lebenssituation der koptischen Christen ist geprägt durch zahlreiche Einschränkungen und religiös motivierte Angriffe. Besonders leiden die Christen Ägyptens unter gewalttätigen Übergriffen von Extremisten auf kirch - liche Einrichtungen und staatlichen Behinderungen bei der Genehmigungen neuer Kirchenbauten. Auch werden Christen in Ägypten oft bei der Berufswahl benachteiligt. Dies sind nur einige Beispiele, die das Leben vieler Christen in Ägypten erschweren.

Auch wenn die Kopten oft Benachteiligungen zu erleiden haben, kennt Ägypten im Laufe seiner Geschichte auch Perioden eines von gegenseitiger Achtung und Respekt gekennzeichneten Zusammenlebens von Christen und Muslimen. Dies macht Hoffnung, dass es nach dem Sturz von Hosni Mubarak und dem Ende der kurzen Ära der Muslim-Bruderschaft nun zu einem Neuanfang in der ägyptischen Gesellschaft kommen wird – einer Gesellschaft, in der jede Religionsgemeinschaft als ein wertvoller Bestandteil akzeptiert wird. (2014)

Bibliographische Angaben

Michael Kaspar, Menschenrechte: Die Situation der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten. Die Kopten zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Zwischen Akzeptanz und Ablehnung, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 56), Aachen 2014
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Fachkonferenz im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim, 3. Mai 2013

Die missio-Menschenrechtsstudie „Die Situation der Christen im Nahen Osten“ ist das Ergebnis einer Fachkonferenz, die von missio Aachen und der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Jahr 2013 gemeinsam im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim veranstaltet wurde.

Die Tagungsbeiträge, und ganz besonders die abschließende Podiumsdiskussion, vermitteln tiefe Einblicke aus erster Hand in die derzeitige gespannte Situation in der Region. Experten berichten über die Lage in Syrien, im Irak, und in Ägypten und informieren über das Dilemma, in dem sich viele der Christen dort befinden: Sollen sie ihre Heimat angesichts der kritischen Lage verlassen oder sollen sie ausharren? Auch das Thema der christlichen Flüchtlinge in Deutschland wird in mehreren Beiträgen thematisiert. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Zusammenleben der verschiedenen Religionsgemeinschaften und der Religionsfreiheit. (2014)

Bibliographische Angaben

Klaus Barwig, Christoph Marcinkowski, Klaus Vellguth, Menschenrechte: Die Situation der Christen im Nahen Osten. Fachkonferenz im Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim, 3. Mai 2013, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 55), Aachen 2014
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Die wachsende Kluft zwischen Islamisten und Nicht-Islamisten

Im Sommer 2012 mussten die ägyptischen Christen die Zerstörung vieler ihrer Kirchen und Einrichtungen miterleben. Es waren die schwersten christenfeindlichen Ausschreitungen der letzten 700 Jahre. Welchen Schmerz und welche Angst dies bei den Christen auslöste, ist nur schwer in Worte zu fassen. Das Erlebte treibt viele von ihnen in die Emigration. Aus persönlicher Sicht ist das nachvollziehbar; gleichzeitig verschärft dieser Exodus die Lage der koptischen Kirche in Ägypten.

Die Christen wurden zum Spielball im Kampf zwischen Islamisten und NichtIslamisten. Entstanden ist ein Teufelskreis gegenseitigen Misstrauens und der Gewalt, der nur durch Dialog durchbrochen werden kann.

Mut macht das Beispiel von Menschen wie dem koptischen Christen Dr. George Mass hah, einem ehemaligen Parlamentsabgeordneten für die Wafd-Partei. Trotz aller Gewalt, die Christen miterleben mussten, ruft er eindringlich zu einem solchen Dialog zwischen Christen und Muslimen in Ägypten auf. Mut machen auch die vielen Geistlichen und Laien, die sich trotz eines dialog-feindlichen Klimas unermüdlich für konfessionsübergreifende Gespräche in Ägypten einsetzen.

Ein Dialog ist in Ägypten nötiger denn je. (2013)

Bibliographische Angaben

Cornelis Hulsman, Menschenrechte: Christen in Ägypten. Die wachsende Kluft zwischen Islamisten und Nicht-Islamisten, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 54), Aachen 2013
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Analyse und Bewertung

Die Studie beschreibt den Prozess, der zur ägyptischen Verfassung vom Dezember 2012 führte. Inzwischen wurde der damalige Präsident Mohammed Mursi von der Armee gestürzt und die Verfassung wurde am 4. Juli 2013 außer Kraft gesetzt. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Überarbeitung der Verfassung für die Zeit nach Mursi auf der Basis der Fassung vom Dezember 2012 erfolgen wird. Die ägyptische Dezember-Verfassung ist das Ergebnis eines Machtkampfes, in dem die islamistischen Parteien vom Ergebnis der ersten freien Parlamentswahlen nach der Revolution profitierten. Deutlich sichtbar trägt sie weniger autokratische Züge als jede frühere ägyptische Verfassung, weil sie die Macht des Präsidenten beschneidet und die des Parlaments ausweitet. – Die Menschenrechtsstudie dient dem besseren Verständnis von Ägyptens zukünftiger verfassungsrechtlicher Entwicklung. (2013)

Bibliographische Angaben

Cornelis Hulsman, Menschenrechte: Die Entstehung der neuen ägyptischen Verfassung — Analyse und Bewertung, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 53), Aachen 2013
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Helden und Opfer: Die Konkurrenz um Anerkennung und Reparationen

1999 war Osttimor in aller Munde, heute ist das junge Land aus den Schlagzeilen verschwunden. Noch immer ist Osttimor durch die Folgen der indonesischen Besatzung und der Gewalt und Zerstörung nach dem mutigen Votum der Bevölkerung für die Unabhängigkeit 1999 gezeichnet. Die traumatischen Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte – das erfahrenen Leid, die vielen Toten und Verschwundenen, der Verlust von Hab und Gut – wirken fort. Die juristischen und gesellschaftlichen Aufarbeitungsprozesse konnten nur begrenzt zu Gerechtigkeit und Versöhnung beitragen. Sie bleiben unvollendet, wie die vorliegende Studie aufzeigt. Viel ist versprochen worden, zu wenig wurde erreicht. Im Ringen um Anerkennung und Reparationen fühlen sich die zivilen Opfer von Menschenrechtsverletzungen inzwischen ausgegrenzt und vergessen. Durch die unbewältigte Vergangenheit staut sich ein Konfliktpotential auf, das sich jederzeit wieder neu entladen kann, wie wir in Osttimor 2006 – 2008 gesehen haben. Die damalige Krise brachte das junge Land an den Rand des Zusammenbruchs. Umso wichtiger ist die Versöh - nung zwischen den verfeindeten Menschen und die Versöhnung vieler Einzelner mit ihrer eigenen belasteten Vergangenheit. Hier liegen auch für die katholische Kirche in Osttimor große pastorale Herausforderungen.

Gemeinsam mit Misereor, der Kommission Justitia et Pax und dem Diakonischen Werk sowie der Menschenrechtsorganisation Watch Indonesia hat missio die Menschen in Osttimor mit Wahlbeobachtung beim Referendum 1999 solidarisch unterstützt. Wir haben gemeinsam die Verfahren für die Verbrechen in Osttimor vor dem ad-hoc-Menschenrechtsgericht in Jakarta beobachtet und uns dafür eingesetzt, dass die Täter der Gräueltaten zur Verantwortung gezogen werden. Unter den Opfern waren auch Katechisten, Ordensschwestern wie -brüder und Priester. Die katholische Kirche, der ca. 95% der Bevölkerung angehören, wurde zur Zielscheibe, weil sie den Menschen Zuflucht bot und für sie Stimme war. Bischof Carlos Ximenes Belo wurde dafür 1996, gemeinsam mit José Ramos Horta, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

missio unterstützt die Forderungen nach Umsetzung der Empfehlungen der Wahrheits- und Versöhnungskommission und möchte mit der dieser Studie einen Beitrag dazu leisten, dass die Bedürfnisse der Opfer in Osttimor nicht vergessen werden. (2013)

Bibliographische Angaben

Monika Schlicher, Henri Myrttinen, Menschenrechte: Osttimors unvollendete Aufarbeitungsprozesse. Helden und Opfer: Die Konkurrenz um Anerkennung und Reparationen, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 52), Aachen 2013
Redaktion: Dr. Christoph Marcinkowski
ISSN 1618-6222

Entwicklungen 2005 - 2012

Die Kirchen in der Türkei haben mit der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und der Republik Türkei im Herbst 2005 große Hoffnungen verbunden. Vor allem die Hoffnung, dass sich ihre Lage im Verlauf der Beitrittsverhandlungen nicht nur entspannen und verbessern würde, sondern dass es in der Türkei am Ende eines zwar langen Prozesses Religionsfreiheit für alle, also auch für die  religiösen Minderheiten geben könnte. Einen entscheidenden Schritt Richtung Religionsfreiheit in der Türkei wird nur eine neue Verfassung bringen, die sich an den von der Türkei unterzeichneten internationalen Konventionen orientiert. Eine neue Verfassung ist in Arbeit. Ob sie mit Blick auf Fragen der Religionsfreiheit internationalen Standards entsprechen wird, wird missio mit Aufmerksamkeit beobachten. In der vorliegenden Aufsatzsammlung „Religionsfreiheit in der Türkei – Entwicklungen 2005 - 2012” werden die einschlägigen Entwicklungen vorgestellt und kritisch kommentiert. – Die in der Publikation versammelten Aufsätze zur Religionsfreiheit in der Türkei sind zwischen 2005 und 2012 von der norwegischen Menschenrechtsorganisation FORUM18     veröffentlicht worden. Wir danken FORUM18 für die  Abdruckgenehmigung. (2012)

Bibliographische Angaben

Güzide Ceyhan, Otmar Oehring, Mine Yıldırım, Menschenrechte: Religionsfreiheit in der Türkei? Entwicklungen 2005-2012, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 51), Aachen 2012
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Die pakistanischen Blasphemiegesetze und ihre Folgen

Die 1973 verabschiedete Verfassung der Islamischen Republik Pakistan garantiert jedermann im Rahmen einer islamischen Ordnung das Recht, seine Religion zu bekennen, zu praktizieren und zu propagieren. Jeder Religionsgemeinschaft ist es gestat - tet, religiöse Einrichtungen zu unterhalten. In diesem Rahmen haben sich die Christen und die christlichen Kirchen in dem asiatischen Land lange Zeit relativ frei bewegen können.

Mit der Machtübernahme durch General Zia ul Haq im Jahr 1977 änderte sich dies. Die sogenannten Blasphemiegesetze wurden verschärft. Mit dramatischen Folgen: Von 1929 bis 1982 waren in Pakistan nur neun Blas - phemiefälle vor Gericht verhandelt worden – in den letzten dreißig Jahren waren dies mehr als tausend Fälle. Opfer entsprechender Anklagen sind hauptsächlich Muslime. Christen sind bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil von 2,3 Prozent aber überproportional betroffen.

Tatsächlich sind die Blasphemiegesetze heute das größte Problem für die Christen in Pakistan, wie Peter Jacob, der Leiter der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden der katholischen Bischofskonferenz von Paki - stan in der vorliegenden Studie Blasphemievorwürfe und ihr Missbrauch - Die pakistanischen Blasphemiegesetze und ihre Folgen zeigt. Mindestens genauso perfide wie das Gesetz selbst ist aber, dass die Blasphemiegesetze auch auf all jene in Pakistan angewandt werden können, die dessen Abänderung oder gar Aufhebung fordern. Die Ermordung des pakistanischen Minderheitenminister Shahbaz Bhatti – eines Katholiken – und des Gouverneurs von Punjab, Salman Taseer – eines Muslim – im letzten Jahr machen dies mehr als deutlich.

Gerade deshalb fordert missio die Regierenden und Politiker in Deutschland auf, bei Gesprächen mit pakistanischen Regierenden und Politikern die Abänderung, wenn nicht gar Aufhebung der menschenverachtenden Blasphemiegesetze zu fordern. (2012)

Bibliographische Angaben

Peter Jacob, Menschenrechte: Blasphemie – Vorwürfe und Missbrauch. Die pakistanischen Blasphemiegesetze und ihre Folgen, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 50), Aachen 2012
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Kulturelle Probleme und menschenrechtliche Fragen

West-Papua, die westliche Hälfte der Insel Neuguinea südlich von Australien, ist kein Gebiet, das bei uns noch Schlagzeilen macht. Anfang der 1960er Jahre war dies anders. Damals übernahm Indonesien das Mandat über die vormals niederländische Kolonie. Und damit begannen 1962 die Menschenrechtsverletzungen an der melanesischen Bevölkerung. Schätzungsweise hunderttausend Menschen wurden damals vom indonesischen Militär verschleppt und ermordet. Bis heute reden nicht nur die Papuas, sondern auch internationale Wissenschaftler in diesem Zusammenhang von Genozid.

Um den Repressalien zu entkommen, flohen vor allem in den 1980er Jahren Menschen über die Grenze in den östlichen Inselteil, nach Papua-Neuguinea. Darunter politische Aktivisten, die ihr Leben retten wollten, andere litten unter der Willkür und Gewalt von indonesischem Militär und Rebellen gleichermaßen, viele fühlten sich als Bürger zweiter Klasse im eigenen Land oder wollten internationale Aufmerksamkeit erreichen. Die meisten der insgesamt noch rund 20.000 Flüchtlinge fristen bis heute ohne jegliche Rechte ihr Dasein. Nur ein Bruchteil von ihnen lebt in einem offiziellen Flüchtlingslager mit minimaler Infrastruktur, die meisten Flüchtlinge haben sich am Rande der Dörfer entlang der Grenze eine Bleibe gesucht.

Für die Versorgung und die Rechte dieser Staatenlosen kämpft seit Jahren die katholische Kirche. Ein Anwalt der Flüchtlinge ist Gilles Côté, Bischof von Daru Kiunga, der miterlebt, wie die West-Papuas immer mehr unter Armut, Umweltzerstörung und Konflikten mit der lokalen Bevölkerung zu leiden haben.

missio unterstützt diesen Einsatz und erinnert mit der Publikation an das Schicksal dieser bei uns vergessenen Menschen. (2012)

Bibliographische Angaben

Franco Zocca, Menschenrechte: Die Situation der Flüchtlinge aus West-Papua in Papua-Neuguinea, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 49), Aachen 2012
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Grundlage dieser Studie sind die Ergebnisse einer Langzeitstudie über das Phänomen der Zauberei und Hexerei in Papua-Neuguinea, die das Melanesische Institut Goroka in den Jahren 2003-2007 durchführte. Diese Untersuchungen haben belegt, dass es unter allen Bevölkerungsgruppen Papua-Neuguineas noch immer gang und gäbe ist, negative Ereignisse wie Krankheit, Tod oder Unglücksfälle dem Wirken von Schadenszauber zuzuschreiben. Infolge dieses Aberglaubens kommt es regelmäßig zu Menschenrechtsverletzungen, da vermeintliche Zauberer und Hexen – häufig ältere Frauen und Männer – beschuldigt und bestraft werden, ohne sich in irgend einer Weise verteidigen zu können. Die Menschenrechtsverletzungen sind vielfältig und reichen von der Verbannung der Betroffenen aus ihren Heimatdörfern über Körperverletzung und Folterung bis hin zu grausamen, standrechtlichen Hinrichtungen. Auch die Familienmitglieder der Beschuldigten sind betroffen; sie werden stigmatisiert und häufig ebenfalls vertrieben, unter Zurücklassung ihrer gesamten Habe. Der Glaube an die Wirksamkeit von Schadenszauber sät in der ganzen Bevölkerung Papua-Neuguineas Angst und Misstrauen. (2012)

Bibliographische Angaben

Franco Zocca, Menschenrechte: Zauberei, Christentum und Menschenrechte in Papua-Neuguinea, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 48), Aachen 2012
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Der Osten der Demokratischen Republik Kongo ist seit Jahren von heftigen Kämpfen zwischen verfeindeten in- und auslän - dischen Truppen und Milizen erschüttert. In diesem Umfeld ereignen sich tagtäglich schreckliche Menschenrechtsverlet - zungen, die auch erfahrene Kriegsberichterstatter erschüttern. Zu dem Schrecklichsten, was sich in dieser Situation regelmä - ßig ereignet, gehören systematische Vergewaltigungen von Mädchen und Frauen, die nicht nur einzelne Frauen, sondern gezielt die gesamte Familien- und Dorfgemeinschaft zerstören wollen. Und die Frauen, die das Martyrium überleben, bleiben gedemütigt und verletzt zurück. Für viele gibt es kein Zurück in ihre Dörfer mehr. Damit wird auch gezielt der familiäre Zusammenhalt zerstört, was der Zukunft sowohl der Opfer als auch der sozialen Gemeinschaften langfristig schadet und den Weg in eine friedliche Zukunft ungemein erschwert.

In dieser Situation begaben sich über 1,7 Millionen Menschen auf die Flucht und suchten als Binnenvertriebene eine neue Heimat innerhalb des Landes oder flohen in ein Nachbarland (160.000 Menschen) (vgl. UNHCR: Global Trends 2010. 38).

Gewaltsam vertriebene Menschen – das wissen wir auch aus den Erfah - rungen in Europa – lassen ihre Heimat zurück und gehen einer ungewissen, oftmals ungleich schwierigeren Zukunft entgegen. Im Gepäck haben sie nur das Allernötigste, müssen aber die teils grausamen Erfahrungen und Verletzungen mitnehmen, die sie im Bürgerkrieg erlitten haben.

Für uns als Christen ist es unabweisbare Aufgabe, uns mit ihnen solidarisch zu zeigen, sie zu unterstützen und zu begleiten. Ein deutlicher Appell erging diesbe - züglich vom seligen Papst Johannes Paul II. in seinem nachsynodalen Schreiben „Ecclesia in Africa“ (1995): „Eine der bittersten Folgen der Kriege und der wirt - schaftlichen Schwierigkeiten ist das traurige Phänomen der Flüchtlinge und Ver - triebenen, eine Erscheinung, die, wie die Synode ausführt, tragische Dimensionen erreicht hat. [Deswegen] erlasse ich [...] einen dringenden Appell, damit diesen Menschen überall, wo sie sich befinden, in Afrika oder auf anderen Kontinenten, materielle Hilfe gewährt und pastoraler Beistand geleistet werde.“

missio hat es sich zur Aufgabe gemacht, Priester, Ordensleute und Laienmit - arbeiter zu unterstützen, die den Menschen vor Ort wichtige Hilfe bieten. Einige von ihnen sind auch Autoren der vorliegenden Menschenrechts-Studie. Dabei geht es nicht nur um die materielle Sicherheit, sondern auch um die Heilung der seelischen Wunden. Die Opfer müssen dabei unterstützt werden, das Erlebte aufzuarbeiten, Selbstvertrauen zurückzugewinnen, Vertrauen in die Zukunft zu entwickeln. Damit wird kein Verbrechen ungeschehen gemacht. Und auch der Bürgerkrieg im Ostkongo wird nicht gestoppt. Aber verwundeten und verletzten Menschen kann geholfen werden, sie erhalten neuen Lebensmut und die Kraft, einen Neuanfang zu wagen. Damit leistet die Kirche einen Beitrag, damit verwundete Frauen und ihre Familien wieder zurück ins Leben finden.

Mit der Aktion Schutzengel » will missio diese Herausforderung zukünftig verstärkt in den Fokus rücken. Wir werden auf das Schicksal der Menschen im Ostkongo aufmerksam machen und uns dafür einsetzen, dass ihr Leid langfristig gelindert wird. Eine wesentliche Rolle dabei spielen unsere Projektpartner und -partnerinnen vor Ort. Sie stellen sich an die Seite der misshandelten Menschen, sie geben ihnen Hoffnung und sie helfen ihnen auf ihrem Weg zu einer Heilung. (2012)

Bibliographische Angaben

Justin Nkunzi Baciyunjuze, Wilfrid Kasereka Kibanda, Schwester Jeanne Bashige Nsimire, Elsa Mbebangu Nyamaha, Charles Kasereka Pataya OSC, Emmanuel Musongora Syasaka, Matthias Vogt, Menschenrechte: DR Kongo – Eine Bilanz der Gewalt, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 47), Aachen 2012
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern ist FGM (Verstümmelung der weiblichen Genitalien) im Senegal weit verbreitet – am stärksten in der Region Fouta im Norden des Senegals sowie in den Regionen Kolda, Tambacounda und Vélingara im Süden.

Diese Studie stützt sich auf die neuesten und fundiertesten Untersuchungsergebnisse, anhand derer die geografische Verbreitung der Praxis der Genitalexzision sowie ihre alters-, geschlechts- und volkszugehörigkeitsbezogene Verteilung ermittelt wurden. Darüber hinaus werden in der Studie die verschiedenen praktizierten Formen der Exzision sowie – untermauert von Erlebnisberichten – deren körperliche, psychische und gesellschaftliche Folgen für die Betroffenen untersucht.

FGM ist im Senegal tief in den Traditionen der ethnischen Minderheiten verwurzelt, die sie praktizieren. Ihr liegen Motivationen zugrunde, die charakteristisch für die sozialen, kulturellen und psychosoziologischen Milieus sind, in denen sie praktiziert wird. Mittlerweile gibt es zum Thema FGM unzählige Untersuchungen und Kampagnen, die ihre endgültige und restlose Abschaffung fordern.

Auch dank der vom Staat und den Organisationen der Zivilgesellschaft organisierten Kampagnen sowie der Haltung religiöser Gruppen, insbesondere der katholischen Kirche im Senegal, konnte die Verbreitung dieser unheilvollen Praxis inzwischen erheblich eingedämmt werden. (2011)

Bibliographische Angaben

Pierre Célestin Samba, Menschenrechte: Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) im Senegal, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 46), Aachen 2011
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Seit 1982 sind Zivilisten in einem Konflikt gefangen, in dem sich der senegalesische Staat und der Mouvement des forces démocratiques de Casamance (MFDC) [Bewegung der demokratischen Kräfte der Casamance] gegenüberstehen. Der MFDC ist eine bewaffnete Bewegung, die die Unabhängigkeit der im Süden des Senegal gelegenen Casamance (Ziguinchor, Sédhiou und Kolda) fordert. Das PRAESC (Programme de relance des activités économiques et sociales en Casamance [Programm zur Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung für den Frieden in der Casamance]) weist für die Nord- und die Südfront insgesamt fast 2.500 MFDC-Rebellen aus. Dieser Konflikt dauert seit bald 30 Jahren an und ist zum größten Entwicklungshindernis dieser Region geworden. Obwohl er als ein Konflikt niedriger Intensität eingeschätzt wird, sind seine wirtschaftlichen und menschlichen Kosten für die Region Casamance sehr hoch. Die genaue Zahl der Verluste an Menschenleben (Zivilisten, Soldaten und Kämpfer) ist nicht bekannt, manche Quellen schätzen sie jedoch auf ungefähr 5.000.

Der Casamance-Konflikt führte auch zu einem Konjunkturrückgang, weil Ackerflächen aufgegeben und größtenteils in Schlachtfelder verwandelt wurden. Auf ein Wiederaufflammen der Gewaltakte, das je nach Gebiet und der lokalen Problematik (ob sie eingestanden ist oder nicht) unterschiedlich ausfallen kann, reagieren der Staat und der MFDC jeweils auf ihre Weise. Die Auswirkungen bleiben jedoch gleich: Erzwungene Bevölkerungsbewegungen und entwurzelte Dorfgemeinschaften. Die Heftigkeit der Zusammenstöße hat seit dem Beginn des Casamance-Konflikts einen Massenexodus und die Entvölkerung von über hundert Dörfern ausgelöst. So zählt man etwa 60.000 Vertriebene, Flüchtlinge und verstreut lebende Personen in der Republik Guinea-Bissau, der Republik Gambia sowie den Regionen Ziguinchor und Kolda.

Über mehrere Jahre hinweg prägte der Kreislauf Gewaltakt – Repression das politische und soziale Leben in der Casamance und führte ab den 1990er Jahren zu einer Radikalisierung der Bewegung. Der Abschluss eines ersten Waffenstillstandsabkommens zwischen der senegalesischen Regierung und dem MFDC in Bissau am 31. Mai 1991 ermöglichte eine Amnestie für alle Delikte und Verbrechen in Zusammenhang mit diesem Konflikt sowie die Gründung einer Friedenssicherungsmission. Seltsamerweise löst diese Befriedung im MFDC Spannungen aus, während die Maßnahmen zur Friedenssicherung von zwei widersprüchlichen Haltungen geprägt bleiben: Auf der einen Seite beharrt der MFDC auf der Unabhängigkeit, auf der anderen Seite will die Staatsmacht der Region keinen Sonderstatus oder die Unabhängigkeit zugestehen. In den letzten 30 Jahren waren die Auseinandersetzungen von mehreren Waffenstillstandsabkommen zwischen dem MFDC und der senegalesischen Armee unterbrochen, die in der Region stets ein Kontingent von über 4.000 Mann aufrechterhält. Die Waffenruhen sind nie eingehalten worden, und der MFDC spaltete sich in mehrere Fraktionen auf, was die politischen Diskussionen noch weiter erschwerte. (2011)

Bibliographische Angaben

Rémy Arsène Dioussé, Menschenrechte: Senegal – Die Lage der Menschenrechte im Casamance-Konflikt, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 45), Aachen 2011
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Die Arbeit der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission

Mit der Unabhängigkeit Osttimors am 20. Mai 2002 ging ein langjähriger Konflikt zu Ende, der erst in den jüngsten Jahren die nötige Beachtung der Staatengemeinschaft und der internationalen Öffentlichkeit gefunden hat. Indonesien hatte jahrzehntelang schwere Menschenrechtsverletzungen begangen, ohne dass die Weltöffentlichkeit eingeschritten wäre. 24 Jahre lang haben sich die Menschen gegen die indonesische Fremdherrschaft gewehrt, haben mit Mut und Stärke Widerstand geleistet gegen alltäglichen Terror und Unterdrückung und sich für ein Leben in Frieden und ohne Gewalt eingesetzt. Nur dem Widerstand der Osttimoresen und dem anwaltschaftlichen Eintreten von Menschenrechtsorganisationen und kirchlichen Werken ist es zu verdanken, dass die Mauer aus Realpolitik und Ignoranz, mit der die Staatengemeinschaft dem Konflikt lange Zeit begegnete, überwunden werden konnte. Der Bericht begleitet Osttimor auf dem schwierigen Weg der Aufarbeitung der Vergangenheit. (2005)

Bibliographische Angaben

Monika Schlicher, Menschenrechte: Osttimor stellt sich seiner Vergangenheit. Die Arbeit der Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 25), Aachen 2005
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Zur Lage der Menschenrechte: Religionsfreiheit?

Die Republik Türkei hat sich im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 – hier mit ausdrücklicher Bezugnahme auf die nicht-muslimischen Minderheiten – und in allen seitherigen Verfassungen zur Gleichbehandlung aller Staatsbürger unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit verpflichtet. Vor diesem Hintergrund versuchte die 2001 erschienene Studie „Zur Lage der Menschenrechte in der Türkei – Laizismus = Religionsfreiheit?” eine Antwort auf die Frage zu geben, ob der türkische Laizismus tatsächlich Religionsfreiheit für alle türkischen Staatsangehörigen bedeutet. Dabei war ein zentraler Punkt der Diskussion die Frage nach der rechtlichen Stellung der einzelnen Religionsgemeinschaften bzw. religiösen Gruppierungen und deren Auswirkungen auf die Entfaltung dieser Gruppen. Damals musste die Frage, „Bedeutet Laizismus also Religionsfreiheit?“ so beantwortet werden: „Die türkische Spielart des Laizismus zur Zeit wohl kaum!“

Beim EU-Gipfel 2002 in Kopenhagen wurde beschlossen, auf der Grundlage des Berichts 2004 der Europäischen Kommission über die Fortschritte der Türkei auf dem Weg zum Beitritt ein Votum über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzugeben. Beitrittsbedingung ist die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien, maßgeblich für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen ist die weitestgehende Erfüllung des politischen Kriteriums. Dafür müssen nach vorherrschender Meinung sowohl die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen als auch die praktische Umsetzung der entsprechenden gesetzlichen Regelungen nachgewiesen werden.

In der Studie „Zur Lage der Menschenrechte – Die Türkei auf dem Weg nach Europa – Religionsfreiheit? soll der Frage nachgegangen werden, ob und inwieweit sich die Religionsfreiheit in der Türkei in den letzten Jahren fortentwickelt hat. Schwerpunkt der Darstellung ist dabei die Lage der nicht-muslimischen Minderheiten. (2004)

Bibliographische Angaben

Otmar Oehring, Menschenrechte: Zur Lage der Menschenrechte – Die Türkei auf dem Weg nach Europa – Religionsfreiheit?, in:
Internationales Katholisches Missionswerk missio e.V. (Hrsg.)
Human Rights – Droits de l’Homme – Menschenrechte (Heft 20), Aachen 2004
Redaktion: Dr. Otmar Oehring
ISSN 1618-6222

Ältere Menschenrechtsstudien werden hier nach und nach veröffentlicht.
Wir bitten Sie um etwas Geduld.
Schauen Sie aber mal immer wieder gerne hier vorbei!

Ihre Ansprechpartnerin

Katja Nikles

stv. Abteilungsleiterin Theologische Grundlagen
Tel.: +49 (0)241 / 75 07 - 366
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