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Äthiopien: Die Liste der Folgen ist lang

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Marita Wagner interviewt Daniel Assefa aus Äthiopien.

Wie hat die Covid-19-Pandemie das Leben der Menschen in Ihrem direkten Umfeld (in Ihrer Nachbarschaft) verändert?

Die Covid-19-Pandemie hat viele Dinge in meinem Leben und dem der Menschen in meiner Nachbarschaft verändert. Seit Mitte März sind die Schulen geschlossen. Sonntags- und Tagesmessen finden nur in Ausnahmefällen statt. Regelmäßige Pastoraltreffen sind seit Monaten abgesagt. Das Forschungsseminar unseres Forschungszentrums, das früher alle zwei Wochen stattfand, ist eingestellt worden. Die Liste der sozialen Aktivitäten, die unterbrochen wurden, ist lang. Persönlich habe ich mehr Zeit zum Nachdenken, für Online-Unterricht, zum Schreiben und Meditieren gewonnen.

 

Welche Auswirkungen wird die Pandemie in den nächsten Monaten auf Ihr Land haben?

Auf Länderebene hat Covid-19 sowohl das wirtschaftliche als auch das soziale Leben stark beeinträchtigt. Viele Menschen haben ihre Arbeit verloren. Eine völlige Abriegelung hat es nie gegeben, weil es Menschen gibt, die ihren Lebensunterhalt täglich erwirtschaften müssen; sie müssen jeden Tag zumindest einige Kleinigkeiten verkaufen, um sich von den Einnahmen versorgen zu können. Dazu müssen sie aber ihr Haus verlassen.

Es gab und gibt immer noch viele Anweisungen durch die Medien, die die Menschen dazu anhalten, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. Die Zahl der Infizierten sowie derer, die sterben, nimmt ständig zu. Das Gesundheitsministerium informiert täglich. Wann immer man mit dem Handy jemanden anruft, ertönt zuerst eine Durchsage, die daran erinnert, sich vor der Pandemie zu schützen.

 

Welche Bedeutung hat der Glaube für die Menschen in den Zeiten der Pandemie?

Um die Bevölkerung zu unterstützen, hatte die Regierung alle religiösen Führer eingeladen, ein Gebetsprogramm zu organisieren, das kostenlos auf mehreren Fernsehkanälen zur Hauptsendezeit ausgestrahlt wird. Dementsprechend haben die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche, die protestantischen Kirchen, die katholische Kirche sowie die muslimische Gemeinschaft einen ganzen Monat lang Gebetsgottesdienste geleitet, die sich auf das Thema Pandemie konzentrieren. Das Eröffnungs- und Schlussprogramm war ökumenisch und interreligiös und wurde von der Anwesenheit hoher Regierungsvertreter begleitet. Diese Initiative hat vielen Menschen geistlich und psychologisch geholfen.

Es gibt auch verschiedene lokale Regierungs- und Nichtregierungsinitiativen, in deren Rahmen die Armen, die von den Folgen der Pandemie betroffen sind, mit Nahrung und Kleidung versorgt werden.

Foto: missio

Daniel Assefa lebt in Addis Abeba, Äthiopien und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerk Pastoral Afrika. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss der Direktorinnen und Direktoren zahlreicher afrikanischer Pastoralinstitute. Nähere Informationen zum Netzwerk Pastoral Afrika finden sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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