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Bangladesch: Die Sensibilität und Menschlichkeit wächst

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth interviewt Bablu Sarker aus Bangladesch.

Inwiefern hat die Covid-19-Pandemie das Leben von Ihnen und den Menschen in Ihrer Nachbarschaft verändert?

Die Menschen in Bangladesch blieben mehr als zwei Monate zu Hause. Sie verloren Arbeit und hatten keine Nahrung. Aufgrund der Armut konnten sie den Anweisungen der Regierung zum Lockdown nicht strikt folgen. Aus diesen Gründen sind viele Menschen in Bangladesch infiziert. Diejenigen, die infiziert sind, wurden wie „Unberührbare“ behandelt. Das ist unmenschlich. Das Virus verschont niemanden. Jeden Tag beklagen wir in Bangladesch zahlreiche Tote: Reiche, arme, alte und junge Menschen. Wer weiß, wann das Virus an meine Tür klopfen wird? Der Tod ist uns sehr nahe. Dieses Gefühl verändert mein Leben. Ich vertraue dem Herrn und verlasse mich auf ihn.

 

Welche weiteren Auswirkungen der Pandemie sind für Ihr Land in den nächsten Monaten zu erwarten?

Die Zukunft in Bangladeschs ist gefährlich. 21 Prozent der Menschen in unserem Land sind aufgrund von Armut besonders betroffen. Der Gesundheitssektor ist nicht in der Lage, eine Basisversorgung sicherzustellen. Das Gesundheitssystem ist fast zusammengebrochen. Die meisten Menschen werden im Krankenhaus nicht mehr behandelt. Es gibt kaum Ärzte, kaum Betten. Die Wirtschaft ist ebenfalls ins Trudeln geraten. In den nächsten Wochen und Monaten werden viele Menschen in Bangladesch an Hunger sterben. Traurigerweise nimmt auch die häusliche Gewalt gegen Frauen ebenso zu wie die Korruption bei der Verteilung von Hilfsgütern.

 

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in diesen Zeiten der Pandemie?

Viele humanitäre Gruppen, Kirchen, Hilfsorganisationen, die Regierung und Einzelpersonen haben sich gemeldet, um den Bedürftigen zu helfen. Es war eine großartige Erfahrung für mich. Die Sensibilität und Menschlichkeit wächst in Bangladesch. Viele Menschen machen die Erfahrung, dass nur Gott uns schützen kann. Ich sehe, dass der Glaube unserer Gemeinschaft wächst. Mehr als zwei Monate war die Kirche für öffentliche Messen und Gottesdienste geschlossen. Aber viele Menschen beten zu Hause. Sie nehmen an Online-Gebetsgottesdiensten teil. Oder sie suchen auch außerhalb der Gottesdienste die Kirchen auf. Ich glaube, dass es nach dem Ende dieser Pandemie ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl hier in der Kirche in Bangladesch geben wird. Gott segne uns alle.

 

Foto: missio
Die Versorgung mit Nahrung in Bangladesch ist dramatisch. Bei der Verteilung von Hilfsgütern kommt es zu Korruption. Vielen Menschen droht der Hungertod.

Bablu Sarker lebt in Bangladesch und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerk Pastoral Asien. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss der Direktorinnen und Direktoren zahlreicher asiatischer Pastoralinstitute. Nähere Informationen zum Netzwerk Pastoral Asien finden sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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