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Malaysia: Unheimliche Stille

Immer wieder erhebt Papst Franziskus seine Stimme und ruft zu einer Globalisierung der Solidarität und Nächstenliebe auf. In Zeiten von Corona bekommt dieser Appell eine neue Bedeutung. missio steht auch in diesen Zeiten der weltweiten Pandemie in engem Kontakt mit seinen Projektpartnern in Afrika, Asien und Ozeanien, die besonders von der Pandemie betroffen sind. Klaus Vellguth interviewt Charles Bertille aus Malaysia.

Inwiefern hat die Covid-19-Pandemie das Leben von Ihnen und den Menschen in Ihrer Nachbarschaft verändert?

Die Erfahrung der Pandemie hat den Menschen in Malaysia Selbstdistanzierung, den Rückzug von den normalen täglichen Aktivitäten und menschlichen Interaktionen aufgezwungen. Wir mussten uns von Freunden, Familienmitgliedern, vertrauten Orten, vom Aufenthalt in der Natur, sogar von Gotteshäusern fern halten. Im Gegensatz zu den meisten Ländern musste sich die Bevölkerung in Malaysia in der Anfangszeit der Abriegelung strikt drinnen aufhalten. In dieser Zeit kam eine unheimliche Stille über das Land. Es herrschte ein Gefühl der Unsicherheit - und es „schmeckte“ ein wenig nach Exil. Häuslicher Stress und Gewalt nahmen zu. Viele Menschen verloren ihre Arbeit. Unzählige Familien sind betroffen. Am meisten litten die Migranten, Flüchtlinge und Staatenlosen. Ohne Arbeit, ohne Einkommen waren Sie dem Hunger ausgesetzt, als das Leben zum Stillstand kam. Die verborgenen Gesichter der Armut tauchten durch die Ritzen unserer Gesellschaft auf. Auf der anderen Seite entdeckten die Menschen generationenübergreifend das Internet als neue Möglichkeit, Kontakte zu pflegen. Selbst ältere Menschen und religiöse Führer lernten die neuen Technologien kennen. Zoom-Meetings wurden populär, der Schulunterricht wurde online praktiziert.

 

Welche weiteren Auswirkungen der Pandemie sind für Ihr Land in den nächsten Monaten zu erwarten?

Die Situation hat sich allmählich verbessert und wird von den Behörden überwacht. Wir schätzen ihre Bemühungen zur Betreuung und Kontrolle der Pandemie. Politisch ist die Gesellschaft in Malaysia durch Korruption und Verrat zersplittert. Dies wird die Rückkehr unseres Landes zur Normalität beeinträchtigen. Aber wir dürfen nicht vergessen: Wir befinden uns noch immer in der Phase der globalen Unsicherheit.

 

Welche Bedeutung hat der christliche Glaube in diesen Zeiten der Pandemie?

Die Kirchen und Katholiken haben in den Monaten der Pandemie gelernt, sich zu vernetzen und mit lokalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammenzuarbeiten. Pfarrerinnen und Pfarrer entdeckten, dass ihre Pfarreien keine Grenzen haben. Die Menschen klicken sich dorthin, wo sie geistliche Nahrung finden. Zugleich finden die Menschen wieder mehr Zeit für das Gebet. Online-Liturgien haben die bisherige Gottesdienstpraxis ersetzt. Die Herausforderung besteht gegenwärtig darin, in dieser Zeit der Ungewissheit die Hoffnung aufrechtzuerhalten, ebenso nicht-klerikale kreative Ausdrucksformen des Glaubens unter den Menschen zu fördern und sozioökonomische Initiativen zu ergreifen, um die Bedürftigen zu unterstützen. Die Kirche hat über die Caritas ein landesweites Programm "Hören auf die Stimmen vor Ort" initiiert, um sozialpastorale Antworten auf die gesellschaftliche Krise zu formulieren.

Foto: missio

Charles Bertille lebt in Malaysia und ist Mitglied des von missio initiierten Netzwerk Pastoral Asien. Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss der Direktorinnen und Direktoren zahlreicher asiatischer Pastoralinstitute. Nähere Informationen zum Netzwerk Pastoral Asien finden sie hier ».

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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