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Nachricht aus Ghana

Thomas Schneider ist Journalist und begleitete im Februar 2020 eine Reisegruppe von missio und des Bistums Mainz nach Ghana. Er steht noch immer in Kontakt mit Emmanuel Dessah, der die Reisegruppe geführt hatte und ihm die Situation in Ghana geschildert hat.

Als in Deutschland das Toilettenpapier knapp wurde, war ich gerade weit weg. Unterwegs in Ghana mit einer Reisegruppe von missio und des Bistums Mainz. Corona? Kein Thema, jedenfalls nicht tagsüber. Nur abends, beim Telefonieren, erfuhren wir, dass es zu Hause Hamsterkäufe gab und Händeschütteln gerade aus der Mode kam. In Ghana schaffte es das Virus erst am letzten Tag unserer Reise in die Schlagzeilen: Einen bestätigten Infektionsfall gab es noch nicht. „DON’T PANIC!“ stand auf der Titelseite einer Zeitung.

Das war Ende Februar. Inzwischen, am 28. April, meldet die Johns Hopkins University für Ghana 1.671 SARS-CoV-2-Infektionen und 16 Todesopfer. Das klingt vergleichsweise milde für ein Land mit rund 30 Millionen Einwohnern. Aber was sagen die Zahlen über die Wirklichkeit? „Ein wichtiger Punkt bei diesem Thema ist, dass wir nicht genug Testkits haben, um ausreichend zu testen“, schreibt mir Emmanuel Dessah, „und so neigen viele Menschen dazu zu glauben, dass die Infektionsrate minimal ist.“ Emmanuel lebt in der Großstadt Tamale im Norden des Landes. Er koordiniert die Partnerschaft zwischen dem Bistum Münster und der katholischen Kirche in Nordghana. Ein Theologe auf dem Motorrad, dynamisch und kommunikativ, stets unterwegs zu den Pfarrgemeinden, mit vielen Menschen und Institutionen im Gespräch. Man kann sagen: Emmanuel hört das Gras wachsen in Ghana. Im Februar, während der missio-Reise, war er es, der uns Türen öffnete, viele Begegnungen ermöglichte und uns sein Land erklärte.

Die Region, in der er lebt, ist im Vergleich zur südlichen Küstenregion mit der Hauptstadt Accra vernachlässigt. Das zeige sich auch angesichts der Corona-Krise: Im Norden gebe es nach wie vor kein Testzentrum, so dass keine verlässlichen Daten über die Ausbreitung des Virus vorlägen. Was ihn außerdem beunruhigt: „Viele ungebildete Menschen glauben, dass es sich um ein ‚Virus des weißen Mannes‘ handelt. Sie sehen in den Medien nur, was in Europa und Amerika passiert, nicht, wie es in Ghana und Afrika tatsächlich ist. Das macht es schwierig, ihnen zu erklären, warum man das Social Distancing, das Abstandhandhalten, ernst nehmen sollte. Selbst nach einer Erklärung unseres Präsidenten gibt es Zweifel daran.“

Wir waren im Febraur mit einer Reisegruppe von missio und des Bistums Mainz in Ghana. Vor zwei Monaten war Corona kaum Thema in dem Land. Foto: Angela Ott / missio
Wir waren im Febraur mit einer Reisegruppe von missio und des Bistums Mainz in Ghana. Vor zwei Monaten war Corona kaum Thema in dem Land.

Mit gutem Beispiel voran

Die Aktivitäten der katholischen Kirche, vor allem die Gottesdienste, stehen jedoch still, erzählt Emmanuel. Vereinzelt kommt es vor, dass eine Gemeinde einen Gottesdienst bei Facebook streamt, aber die meisten haben diese Möglichkeit nicht. Die Diözesen haben jedoch die Möglichkeit, Gottesdienste im Radio oder Fernsehen zu senden. Wichtig: Die katholische Kirche hat ihre Veranstaltungen von sich aus gestoppt, nicht aufgrund einer Verordnung, sondern aus eigener Verantwortung und wohl auch, um ein gutes Beispiel zu geben.

In einigen Regionen Ghanas hat es einen staatlich verordneten, teilweisen Shutdown gegeben, der jedoch wieder gelockert wurde. Dabei gehe es aber nicht nur um das Infektionsgeschehen: „Meiner Meinung nach liegt das auch daran“, sagt Emmanuel, „dass die Regierung die soziale Unterstützung für die Armen nicht leisten kann. Außerdem steht im Dezember eine Präsidentschaftswahl an, und da will man keine unpopulären Maßnahmen ergreifen.“

Emmanuel selbst hat versucht, einfache Schutzausrüstung für die Kirchengemeinden zu organisieren – Gesichtsmasken und Mittel zur Handdesinfektion etwa. „Das wäre auch wichtig, um die Leute zu sensibilisieren“, sagt er. Leider waren seine Bemühungen bisher vergeblich.

Weil eine belastbare Datengrundlage fehlt, ist es auch schwer zu sagen, wie sich die Lage in Ghana weiter entwickeln wird. Emmanuel Dessah geht weiter zur Arbeit. Ich bin froh, wieder etwas mehr auf dem Laufenden zu sein. Seit unserer Rückkehr aus Ghana sind gerade zwei Monate vergangenen. Kaum zu glauben, wie viel Veränderung in eine so kurze Zeit passt. Und wie schnell man dann aus den Augen verliert, was anderswo geschieht.

Thomas Schneider, Mainz

Solidaritätsfond

Hilfe für Corona-Opfer

missio hat einen Solidaritätsfonds angelegt, um den von Corona am stärksten betroffenen Partnerinnen und Partnern in Asien, Afrika und Ozeanien schnell und unbürokratisch helfen zu können. Das Ziel: Sie sollen gerade in dieser schwierigen Zeit den leidenden Menschen zur Seite stehen und helfen können.

Vielen Dank für Ihre Hilfe!


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